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GIZ: Massenzuwanderung alternativlos

Im Rahmen der neuen Reihe „Bonn und die Welt“ der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und dem Bonner General-Anzeiger (GA) fand am Abend des 4. Februar 2013 die erste Veranstaltung zum Thema „Gekommen um zu bleiben? Interkulturelles Leben und Arbeiten in Bonn“ statt.

(Von Werner P. und Verena B., Bonn)

Es herrschte reger Andrang im Saal der GIZ an der Godesberger Allee. Mindestens 100 Zuhörer fanden den Weg dorthin. Die Talkrunde wurde von Andreas Mühl, dem stellvertretenden Chefredakteur des GA, moderiert. Als Gäste waren Dominik Ziller, GIZ-Experte für Migration, Coletta Manemann, grüne Integrationsbeauftragte der Stadt Bonn, und Hidir Celik, Leiter der evangelischen Migrations- und Flüchtlingsarbeit in Bonn, geladen.

Zunächst wurde ein Kurzfilm der GIZ gezeigt: Auf einer Hochspannungsleitung sitzende Vögelchen lachen einen einzelnen, sich freundlich gebenden, aber fremden und viel größeren Vertreter aus. Bei der folgenden „Integration“ auf dem Kabel müssen die Kleinen dann selber – und zwar in ganz wörtlichem Sinne – Federn lassen und können so am Ende von dem großen Vogel ausgelacht werden.Total lustig, alle lachen pflichtgemäß. Der Film wurde nicht gedeutet, und auch hier wollen wir das lieber dem geneigten Leser überlassen.

Mühl stellte fest, dass in Bonn 25,5 Prozent, also 80.000 Bürger, im Besitz eines ausländischen Passes seien, somit also jeder vierte Bürger einen Migrationshintergrund habe.

Ziller berichtete ausführlich über diesen schönen neuen Zweig der Integrationsindustrie, der mit zahlreichen Projekten, zum Beispiel einem „Triple-Win-Pilot-Projekt“ (alle gewinnen) dem todbringenden Fachkräftemangel in Deutschland entgegenwirke.

Von Mühl befragt, der die Diskussion stets gut im Griff hatte und auch kritische Fragen stellte, berichtete Ziller über die Alterung der deutschen Gesellschaft und den damit einhergehenden Problemen. Nach 2025 dürfte wegen der Pensionierung der starken Jahrgänge aus den Sechzigern die Zahl der auf dem Arbeitsmarkt verfügbaren Personen um etwa sechs Millionen zurückgehen. Dies erfordere eine Zuwanderung von ca. 300.000 Personen/Jahr über die nächsten 20 Jahre – davon zwei Drittel Fachkräfte und ein Drittel Akademiker. Hierbei gehe es übrigens nicht nur um die Allerklügsten. Aber woher nehmen, wenn nicht stehlen? Als Länder wurden neben Südosteuropa auch Vietnam, Kolumbien und Tunesien erwähnt, ersteres in Zusammenhang mit der Altenpflege, wo offenbar schon intensive Kontakte gepflegt werden. Ein großes Problem seien die deutsche Sprache und das Fehlen einer echten Willkommenskultur. Der allergrößte Fehler sei, dass man den Gastarbeitern seinerzeit gesagt habe: „Bleibt ein paar Jahre, aber geht dann wieder.“ Unsere Unternehmen seien nach wie vor zu „deutsch“ – eine Massenzuwanderung ausländischer Fachkräfte sei aber unabdingbar, wenn Deutschland nicht seinen Lebensstandard verlieren wolle. Anderen Industrieländern, mit Ausnahme Frankreichs, ginge es ebenso.

Celik berichtete über seine türkische Erfolgsgeschichte. Er habe es hier geschafft – und gleiches gelte auch für seine Kinder, von denen eines sogar Arzt geworden ist. Leider werde nur über die negativen Seiten der Einwanderung berichtet, während das Positive zu oft unter den Tisch falle. Außerdem, und dafür gab es tosenden Beifall, sollen nicht nur die Qualifizierten ins Land gelassen werden, weil das schlecht für die Herkunftsländer sei. Religiöser Extremismus sei im Übrigen kein ethnisches Problem, da auch viele konvertierte Deutschstämmige daran beteiligt seien. Und den jugendlichen Migranten sollten mehr Chancen eingeräumt werden, ebenso wie großen Flüchtlingsfamilien aus islamischen Ländern, auch wenn sie wohl lebenslang nichts zur Steigerung des BSP beitragen können. Großer Beifall des Publikums.

Manemann gab zu, dass im Stadtteil Tannenbusch schon über 50 Prozent
der Bevölkerung einen Migrationshintergrund besitze, dass dort viel zu tun sei, und deshalb keine Langeweile aufkomme. Auf die Frage von Mühl, ob Bonn nicht heute das Mekka der Islamisten sei und wie man das neuerdings negative Image der Stadt aufpolieren könne, meinte sie, dass sie nicht ratlos sei und ihr die Problematik schon seit langem (Achtung: Taqiyya) bekannt sei. Die Jugend fühle sich nun mal, wenn sie ausgegrenzt werde, von radikalen Thesen angezogen, worüber sich bekanntlich die ganze rechte Szene freue, und sie beklagte sich über abfällige Bemerkungen, böse E-Mails böser Personen, rechte Vorurteile und vereinfachende Klischees, mit denen unsere armen, Kopftuch tragenden Mitbürgerinnen leben müssen. Wieder Beifall! Immerhin: Bonn werde immer bunter und immer interkultureller.

Bonn hat wenig produzierendes Gewerbe. Wo sollen da die schlecht ausgebildeten Jugendlichen hin? Außerdem ist Bonn finanziell, wie so viele Städte in NRW, hoch verschuldet. Wo soll da das Geld für noch mehr Integrationskurse herkommen? Und kann man Menschen mit Integrationsproblemen wirklich in nichtproduzierenden, häufig akademische Vorbildung voraussetzenden Berufen einstellen? Mit welchem Geld soll der „Kampf um jeden Jugendlichen“ denn eigentlich geführt werden?

Ziller sprach in diesem Zusammenhang davon, dass die Zeiten, in denen wir fünf Millionen Arbeitslose hatten, glücklicherweise vorbei seien (worauf seine Zuwanderungsforderungen anscheinend basieren). Aber sind die Arbeitslosenzahlen wirklich so niedrig? Können wir den geschönten Arbeitslosenstatistiken glauben? Oder gibt es nicht doch noch viele autochtone Deutsche, die einfach keine Chance bekommen und bei so viel Migration auch nie eine bekommen werden?

Die Frage eines Teilnehmers betraf die Demographie. In Bonn soll die Zahl der muslimischen Schüler schon 15 Prozent betragen und die der Grundschüler über 20 Prozent, wahrscheinlich hat also schon jedes vierte neugeborene Kind muslimische Eltern. Und das ist keine Ausnahme, sondern die Regel in den nordrheinwestfälischen Städten. Wie soll das weiter gehen? Von der Diskussionsrunde wurde das mit der Bemerkung entkräftet, dass ja „nur“ acht Prozent der Gesamtbevölkerung muslimisch sei. Ziller war der Anteil der Muslime definitiv „egal“.

Manemann hatte berichtet, dass die Stadt Bonn nun auch die seinerzeit vom Integrationsrat geforderte Antidiskriminierungsstelle eingerichtet habe. Eine Zuhörerin fragte, ob sich bei dieser Stelle auch Deutsche über muslimischen Rassismus beschweren dürften und führte als Beispiel an, dass ihr mehrere Aussagen von Deutschen vorlägen, die in der Bonner Maxstraße von Moslems aufgefordert wurden, den Stadtteil zu verlassen, da hier muslimisches Gebiet sei. Das versuchte Manemann, die die Fragestellerin offenbar kannte, mit unsachlichen Bemerkungen vom Tisch zu wischen, wobei auch das Stichwort Pro NRW fiel und der anwesende Pro-Ratsherr Nico Ernst säuerlich begrüßt wurde. Manemann hampelte um eine Antwort herum, wohingegen Celik schuldbewusst (?) einräumte, dass man hier natürlich auch auf deutsche Beschwerden reagieren müsse.

Dann wollte die vorlaute Dame noch wissen, ob die Tatsache, dass die neue, heiß ersehnte Al Muhajirin-Moschee im Tannenbusch vom Verfassungsschutz beobachtet wird, nicht zu religiösen Unruhen führen könne. Davon, dass die Moschee unter Beobachtung stehe, wusste Manemann leider nichts (ebenso wie sie seinerzeit nicht wusste, wer die DITIB ist, weil sie angeblich keine Zeit hatte, sich mit „sowas“ zu beschäftigen). Eine andere Teilnehmerin wies darauf hin, dass immer mehr deutsche Akademiker, vor allem Ärzte, das Land verlassen, da sie in anderen Ländern bessere Arbeitsbedingungen vorfinden und höhere Gehälter bekommen, und auch hier müsse die Regierung etwas unternehmen, um diese Akademiker nicht zu verlieren.

Ein Herr teilte mit, dass er seine alte Heimatstadt Bonn gelegentlich besuche und sich hier jedes Mal weniger heimisch fühle. So ein Pech aber auch. An neue Bevölkerungsstrukturen müsse man sich halt gewöhnen, hieß es.

Zum Abschluss durfte jeder der drei Diskutanten noch einen Punkt benennen, der ihm wichtig war. Celik hofft darauf, dass keiner mehr fragt: „Wann gehst Du wieder?“. Manemann hofft, dass Integration nicht zur Endlosschleife wird, und Ziller verkündete fröhlich: „Die Zuwanderer werden unsere Rettung sein!“ Vielleicht werden sie es wirklich, aber dann müssten sie aus den richtigen Ländern kommen – und für eine Diskussion dieser entscheidenden Frage fehlte am gestrigen politisch korrekten Abend jegliches Problembewusstsein!