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Gumbrecht: Brauchen keinen modernen Papst

Formen, Vorschriften und Perspektiven wie das Zölibat, die enge Assoziation zwischen Sexualität und Fortpflanzung oder auch das Prinzip von der Unfehlbarkeit des Papstes, hört und liest man immer wieder, seien “nicht mehr zeitgemäß.” Gerade dieser sich selbst als fortschrittlich verstehende Ton der Reaktionen ist aber in seiner Beschränktheit und Inflexibilität kaum zu überbieten. Denn er setzt ja voraus, dass es eine absolute Verpflichtung des Zeitgemäß-Seins gebe, der sich das institutionelle und theologische Selbstverständnis der katholischen Kirche bewusst, programmatisch und vor allem: illegitimerweise widersetze. (Auszug aus einem lesenswerten Aufsatz von Hans Ulrich Gumbrecht zur Papstwahl, die ab Dienstag startet.)