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„Islamprobleme sind kulturelle Kinkerlitzchen“

Zum Endlos-Thema „Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit und zunehmende Gewalt in Europa“ veranstaltete die Evangelische Akademie des Rheinlands in Kooperation mit der Konferenz Europäischer Kirchen am 12./13. April 2013 eine Vortragsveranstaltung mit Diskussion in Bonn-Bad Godesberg (PI berichtete). Trotz des heißen Themas fanden überraschenderweise nur gut 20 Personen (das schließt ein halbes Dutzend anwesende Redner mit ein) den Weg in die Akademie.

(Von Werner P. und Verena B., Bonn)

In der Veranstaltungs-Ankündigung heißt es:

Seit einigen Jahren erzielen immer wieder rechte Parteien und Gruppierungen Erfolge bei Wahlen in Europa. Ob in Frankreich, Ungarn, Tschechien, Schweden, aber auch Deutschland – Rechtspopulisten und Rechtsextreme sind dabei, sich zu etablieren. So konnten z. B. Rechtsextreme in die Parlamente einziehen. In Deutschland haben die Fahndungspannen im Zusammenhang mit der Zwickauer Neonazi-Zelle vor Augen geführt, dass hierzulande der Rechtsextremismus über Jahre unterschätzt und unterbewertet wurde.

Analysten machen die zunehmende Komplexität der politischen und wirtschaftlichen Globalisierung und den Vertrauensverlust der nationalen Politik für das Erstarken der Rechten verantwortlich. Die Krise in den europäischen Institutionen und die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise in Europa schüren das Feuer. Die Bürger suchen nach einfachen Antworten und schnellen Lösungen. Die Rechte hat sich genau darauf eingestellt. Dabei kann sie sich auf eine straff organisierte und intellektuell neu aufgestellte Basis verlassen.

Wer sind die neuen Rechten und wie sind sie organisiert? Welche Möglichkeiten haben Gesellschaft und Kirchen, Politik und Staat, mit dieser Herausforderung umzugehen? Die Tagung wird über die Entwicklung und ein aktives und ein erfolgreiches Engagement gegen das Erstarken rechtsextremer Kräfte informieren sowie mit europäischen Partnern diskutieren. Dazu laden wir Sie herzlich ein.

Klar – so einer freundlichen Einladung muss einfach Folge geleistet werden. Wer ist denn nicht gegen Rechts, gegen diese „Vereinfacher“? Und dazu gab es ja noch die Offenheit und Toleranz ausstrahlende Werbeaktion des Tagungsleiters Jörgen Klußmann im General-Anzeiger (siehe PI vom 9.4.2013), nach der die Ausschreitungen 2012 vor der König Fahd-Akademie in Lannesdorf durch eine rechtspopulistische Partei mitprovoziert seien, die sich das Feindbild Islam ausgesucht habe und durch das Schüren von Ressentiments den notwendigen Dialog mit der Mehrheit der gemäßigten Muslime erschwere. Wie böse!

Schon der erste Vortrag erfüllte alle hochgesteckten Erwartungen. Hauptthema waren der so genannte Rechtspopulismus und der Rechtsextremismus in verschiedenen europäischen Ländern. Wobei Rechtspopulismus als „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ (z.B. in Form von „Islamophobie“) definiert wurde. Dr. Werner T. Bauer (Österreichische Gesellschaft für Politikberatung und Politikentwicklung, Wien) zeigte unter anderem auch PRO-Plakate, die „ressentimentgeladen“ sein sollten, aber eigentlich nur die Wirklichkeit darstellen. Bauer meinte am Ende pessimistisch, dass der Rechtspopulismus wohl bleiben werde. Auf den Hinweis eines Anwesenden, dass sein Vortrag linkspopulistisch sei, da er alle Probleme mit dem Islam unter den Teppich kehre, meinte er nur, dass der Islam überhaupt kein Problem sei. Es gäbe nur wenige Anhänger. Als der Frager dann darauf hinwies, dass derzeit in Bonn und anderen Städten Nordrhein-Westfalens schon ca. 25 Prozent der neugeborenen Kinder muslimische Eltern haben, gab es nur beredtes Schweigen. Später war noch zu hören, dass das ganze Islamproblem nur ein „Scheingefecht“ sei. Das seien „kulturelle Kinkerlitzchen“. Das einzige Problem sei die wirtschaftliche Entwicklung. Ob PI die bis zu 100.000 Leser am Tag wirklich nur wegen eines Scheingefechts um Kinkerlitzchen anzieht?

Munter ging’s dann weiter. Im nächsten Vortrag wurden die einzelnen Parteien durchgenommen. Zehn Prozent der Deutschen seien im Prinzip rechtsextrem, wie eine Umfrage der SPD ergeben habe. Gegen Türkisierung und Islamisierung zu sein, sei rassistisch. Wie schlimm! Was zu PRO und DIE FREIHEIT gesagt wurde, kann man sich fast schon denken. Insbesondere DIE FREIHEIT wurde als gefährlich dargestellt. Aber selbst die Alternative für Deutschland, ausdrücklich nicht als rechtsradikal oder rechtspopulistisch eingestuft, sei gefährlich – wegen Professor Schachtschneider und weil deren Politiker auch der „Jungen Freiheit“ Interviews gewährten. Oh Schreck!

Interessant: Der Rechtspopulismus verbreitet sich immer weiter. Nicht nur Orban, der ungarische Präsident, sogar Sarkozy wurde von einer Teilnehmerin als Populist enttarnt. Dann kam aber die Überraschung der Tagung: Prof. Dr. Laszlo Odor, Direktor am ungarischen Kulturinstitut in Stuttgart, nahm kein Blatt vor den Mund. Zunächst weigerte er sich, von Roma zu sprechen. „Zigeuner“ sei in Ungarn das richtige Wort. Und dann legte er los. Anstatt auf den „ultrarechten“ Orban einzuschlagen, meinte er doch tatsächlich frech, dass deutsche Medien ein falsches Bild von Ungarn zeichneten – so, als würden die Ungarn zum Thema Deutschland nur etwas über die NSU erfahren. Orban habe die „Nationale Garde“ verboten und verabschiede auch viele sozialdemokratische Gesetze. Außerdem habe er einen Gedenktag zum Thema der Vertreibung der Deutschen nach dem Krieg eingeführt, eine einzigartige Geste im Osten Europas. Die Ungarn fühlen sich von der EU als Nazis angesehen. Und da die korrupte ungarische Linke, von ihm ganz offen als „Postkommunisten“ bezeichnet, nicht in Frage kommt, bleibt für viele unzufriedene nur noch die wirklich weit rechts stehende JOBBIK-Partei übrig, der die EU massenweise Wähler zutreibe. Noch frecher werdend erwähnte er auch, dass sich Ungarn nicht nur eine weit rechts stehende Partei leiste, sondern dass sich in Deutschland eine ebenso weit links stehende etabliert habe. Aber das ist natürlich nur ein Kavaliersdelikt – wo kämen wir hin, wenn wir da mit gleichen Maßstäben messen würden?

Und nun zurück zum PI-Artikel vom 9. April 2013, der das Interview des Tagungs- und Akademieleiters, Herrn Klußmann, aufspießt. Er, der in der Bibel genauso viele schlimme Verse wie im Koran findet, wollte sichtlich getroffen wissen, wie man auf die „Unverschämtheiten“ von PI reagieren solle. Das Interview, der PI Artikel und die Leserbriefe wurden verteilt und folgende Fragen wurden gestellt:

(1) Wie ist die Sprache?
(2) Welche Behauptungen/Thesen werden aufgestellt?
(3) Was ist die Zielrichtung?
(4) Wie soll man damit umgehen?
(5) Soll man überhaupt darauf reagieren?
(6) Wie sollen sich kirchliche Einrichtungen wie die Akademie verhalten?

Interessant, dass erst die Sprache kommt, um den Inhalt ging es erst im zweiten Punkt. Natürlich wurde ihm von weiteren Aktionen abgeraten. Wie gut, dass es PI gibt, so dass auch diese Leute mal an Grenzen stoßen! Und was die Sprache betrifft – die war für Internetverhältnisse doch wirklich moderat.

Und noch ein Thema: Warum bekommt PRO NRW bei all ihrem Aktivismus nur so wenige Stimmen? Hier wurde explizit die DuMont-Presse erwähnt, die PRO NRW kaum Chancen lasse, hochzukommen. Ist das nicht toll? Kann sich da nicht jeder Demokrat freuen? So wurde das zumindest von der Mehrheit gesehen.

Neben einer hübschen (ehemaligen?) Iranerin, Typ Sabatina James, die sich offen zum Christentum bekannte, gab es sonst nur wenige Lichtblicke. Die Podiumsdiskussion am Schluss zeigte das noch einmal mit aller Deutlichkeit: Niemand darf ausgegrenzt werden, nur bei den politisch Unkorrekten muss selbstverständlich eine Ausnahme gemacht werden. Die sind einfach nicht „integrierbar“! Nach Mechtild Gunkel (Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus, Berlin) soll die EKD (Evangelische Kirche in Deutschland) untersuchen, inwieweit rechtsextreme oder rechtspopulistische Einstellungen unter ihren Anhängern verbreitet sind und wie diese Haltungen bekämpft werden können. Also eine evangelische Kirche nur für Linke? Scheint so. Sich den Feinden (Zentralrat der Muslime etc.) in die Arme werfen und PRO NRW beziehungsweise DIE FREIHEIT, die implizit ja auch den weiteren Bestand der Kirchen zu sichern versuchen, vor das Schienbein zu treten, ist die perfekte Methode, um bald zu einer kleinen sozialistischen Sekte zu verkommen.

Dazu Erich Kästner:

Es hilft kein Zorn, es hilft kein Spott,
es hilft kein Weinen und kein Beten.
Die Nachricht stimmt, der liebe Gott
ist aus der Kirche ausgetreten.

Und Martin Luther:

Nur wer den Koran liest, kann ermessen,
welches sein wahrer Inhalt ist und erkennt,
dass es ein verfluchtes schändliches
verzweifeltes Buch voller Lügen ist.

Wie weit hat sich diese „Kirche“ schon von ihrem Gründer entfernt!

POST SCRIPTUM

Mehrere PI-Leser hatten vor der Veranstaltung versucht, Herrn Klußmann telefonisch zu erreichen, um darauf hinzuweisen, dass eine Diskussion ja wohl offensichtlich nicht erwünscht sei, da ein bekannter Islamkritiker ein offizielles Hausverbot erhalten habe. Klußmann war nicht erreichbar, und später hieß es dann auch noch, dass die Veranstaltung bereits ausgebucht sei.