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Luxus-Spa für Terroristen

terrorspaEin Rehabilitationszentrum für Al-Qaida Kämpfer, gewissermaßen eine Dschihad-Entzugsklinik, ist der neue Coup Saudi-Arabiens, um dem Westen zu zeigen, dass man Seite an Seite gegen den Terrorismus „kämpfe“. Am 9. April waren lokale und internationale Medien geladen, das neue „Zentrum für Rehabilitation von mutmaßlichen Terroristen und potentiellen Al-Qaida-Rekruten“ in Riad zu besichtigen.

(Von L.S.Gabriel)

Der Sprecher des saudischen Innenministers Mansour al-Turki erklärte, dass Saudi-Arabien hoffe, die Al-Qaida-Kämpfer mit Beratung, Spa-Behandlungen und viel Bewegung vom religiösen Extremismus zu erlösen. Man biete den Inhaftierten zwischen den Beratungen und Gesprächen über Religion, die Möglichkeit das Hallenbad in Olympiadimension, sowie eine Sauna und einen Fitnessraum zu nutzen, zur Entspannung gebe es auch einen Fernsehsaal.

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Das Riad-Zentrum erstreckt sich über eine Fläche in der Größe von rund zehn Fußballfeldern und soll jeweils 228 Häftlinge aus der „abweichenden Gruppe“ (so die offizielle Bezeichnung der saudischen Behörden für Al-Qaida) beherbergen können. Jedes der 12 Gebäude wurde für maximal 19 Gefangene konzipiert und verfügt über spezielle Suiten, wo die Inhaftierten Zeit mit ihrer Familie verbringen können. Bei gutem Verhalten wird ihnen ein zweitägiger Urlaub vom luxuriösen „Straflager“ gewährt, den sie mit ihren Frauen verbringen können.

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Ersonnen und umgesetzt wurde dieser Luxus-Knast für Terroristen von Prinz Mohammed bin Nayef, um den Mitgliedern, des durch die saudische Regierung niedergeschlagenen lokalen Al-Qaida Zweiges, die Möglichkeit zur Rehabilitation zu bieten. „Knapp 3000 islamistische Gefangenen werden dieses Zentrum über sich ergehen lassen müssen, bevor sie wieder freigelassen werden können“, erklärte Mansur al-Turki.

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Es gebe bereits ein gleichartiges Zentrum in der westlichen Hafenstadt Jeddah und drei weitere seien für den Norden, Osten und Süden des Wüsten-Staates geplant. Die neue Anlage in Riad, sei jedoch die erste, die ihren Insassen einen Hauch von Luxus biete, um so einen Ansporn zu geben ihren Glauben zu mäßigen.

Die Zentren tragen den Namen des aktuellen Innenministers, der nach mehreren Anschlägen zwischen 2003 und 2006, denen mehr als 150 Saudis und Ausländer zum Opfer fielen, das scharfe Vorgehen gegen die Gruppe angeordnet hatte.

Al-Qaida-Dschihadisten hatten Saudi Arabien ins Visier genommen, nachdem das Königreich den US-Truppen, während des Golf-Krieges gestattet hatte Militärbasen zu errichten. Als Saudi Arabien gegen die militanten Islamisten vorging flohen viele von ihnen in den Süden und Südosten des Jemens, von wo aus sich der radikalste Zweig des Al-Qaida-Netzwerkes ausbildete. Prinz Mohammed selbst überlebte im August 2009 nur knapp einen Selbstmordanschlag.

Während des Tages müssen die Gefangenen an Seminaren zu religiösen Angelegenheiten teilnehmen. So sollen sie von den Gedanken an den Dschihad befreit werden. „Um den Terrorismus zu bekämpfen, müssen wir sie, durch Dialog und Überzeugungsarbeit in ein geistiges und seelisches Gleichgewicht bringen“, sagte der Direktor der Reha-Zentren, Said al-Bishi. Er erklärte, dass insgesamt 2336 Al-Qaida-Gefangene schon dieses Programm durchlaufen hätten. „Der Anteil derer, die sich wieder der „abweichenden Minderheit“ anschließen, ist nicht höher als 10%“, erläuterte Bishi und bezeichnete diesen Erfolg als „ermutigend“.

AFP versuchte ehemalige Al-Qaida-Häftlinge, die nach durchlaufener Rehabilitation entlassen worden waren, zu befragen aber sie haben es abgelehnt über ihre Erfahrungen zu sprechen.

Auch gelingt es offenbar nicht immer zu überzeugen. Einige sehr hochkarätige Dschihadisten kehrten zurück in die Reihen von Al-Qaida. Wie der stellvertretende Al-Qaida-Führer Saeed al-Shehri, nachdem er angeblich „rehabilitiert“ worden war.

Die Liberalen sind gegenüber dem religiösen Inhalt des Programms besonders kritisch, sie sagen, es stütze sich auf eine ultrakonservative Version des Islams, der sich eigentlich kaum von jener Al-Qaidas unterscheide. „Wir wissen nicht, ob dieses Programm es schaffen kann Terrorismus und Extremismus auszurotten,“ sagte der Sozialwissenschafter Khaled al-Dakheel. Und weiter: Um das Problem an der Wurzel zu packen, sollte man den Dschihad-Gedanken mit einer erleuchteten Philosophie und nicht mit den Ideen anderer Salafisten herausfordern, die nur ein bisschen weniger radikal sind. Es muss Pluralismus und eine Anerkennung der Rechte anderer geben, eben anders zu sein.“