- PI-NEWS - https://www.pi-news.net -

Simon Faddoul, Caritas Libanon, zu Syrien

Es ist immer zehnmal besser, den Leuten vor Ort zuzuhören, welche auch die Landessprachen beherrschen, als den Sesselpupsern in unserer Presse oder beim unfähigen Auswärtigen Amt. Der Präsident der Caritas Libanon, Simon Faddoul, sprach mit dem weltweit tätigen katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ über Syrien. Auszug:

… Man kann nicht gerade sagen, dass die Menschen dort ihr Leben genießen. Wir hören von Misshandlungen durch Rebellengruppen. In manchen Regionen sind islamistische Gruppierungen an der Macht, die von der christlichen Bevölkerung „Dschizya“ verlangen – das ist eine Zwangssteuer für „Ungläubige“, eine Art „Schutzgeld“. Die Christen und alle anderen Nicht-Muslime sind in diesen Regionen heute Bürger zweiter Klasse. Ein Bischof sagte mir, dass er Geld von den Wohlhabenden sammelt, um das Leben der ärmeren Christen zu retten. Das alles ist sehr traurig…

Ich sehe ehrlich gesagt ziemlich schwarz. In Syrien setzt sich ein Dominoeffekt fort, der bereits im Irak, in Libyen und in Ägypten stattgefunden hat, und von dem ich hoffe, dass er nicht auch noch auf Jordanien und den Persischen Golf übergreift. Ich glaube, dass irgendjemand da draußen die Landkarte des Nahen Ostens ohne Rücksicht auf Menschenleben und Schicksale neu zeichnet…

Ich weiß nicht, wem oder was das dienen soll. Ich kenne die Motive nicht, die dahinterstecken. Vielleicht geschieht es, um einige Nachbarländer zu entlasten. Vielleicht, um die Region von seinen Minderheiten und insbesondere von seinen Christen zu säubern. Ich weiß es nicht, denn ich bin kein Politiker. Ich möchte hier keine Hypothesen ohne Faktengrundlage aufstellen.

Aber was ich feststellen muss, ist, dass wir Christen die größten Verlierer und Sündenböcke dieser ganzen Entwicklung im Nahen Osten sind. Solange die westlichen Mächte das nicht wahrhaben wollen und weiter ihre eigenen Interessen verfolgen, statt die Bedürfnisse der Menschen unserer Region an die erste Stelle zu setzen, kommen wir nicht weiter.

Das Engagement des Westens im Nahen und Mittleren Osten ist widersprüchlich. Auf der einen Seite wollen sie Demokratien fördern, aber auf der anderen Seite unterstützen sie Theokratien. Auf der einen Seite predigen sie den Laizismus und die Trennung von Staat und Religion. Aber auf der anderen Seite unterstützen sie Länder, deren Staatsreligion der Islam ist. Warum ist das so? Das können wir im Nahen und Mittleren Osten nicht verstehen. Ich sage Ihnen: Amerika und Europa halten die Zukunft der ganzen Welt in ihren Händen. Was machen Sie mit dieser Verantwortung?

(Das ganze Interview lesen Sie hier! [1])

Beitrag teilen:
[2] [3] [4] [5] [6] [7] [8] [9]
[10] [3] [4] [5] [6] [7] [8] [9]