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Istanbuler Gezipark brutal geräumt

Von L.S.GABRIEL | Die türkische Polizei hat mit größtmöglicher Brutalität den von Demonstranten für die Freiheit und wider die Islamisierung der Türkei besetzten Gezipark am Istanbuler Taksimplatz geräumt. Gleich zu Beginn wurden Wasserwerfer eingesetzt und der Versammlungsplatz gewalttätig von Menschen gesäubert.

Danach rückten Erdogans Polizeitruppen, mit Gasmasken geschützt wie im Kriegseinsatz, Richtung Park vor, um dort Zelte niederzureißen und die Menschen unter Einsatz von Schlagstöcken, Tränengas und Gummigeschoßen von ihren Protestplätzen zu vertreiben.

Das Militär hatte schon während der vergangenen Tage Gasmasken an die Demonstranten verteilt (PI berichtete). Trotzdem forderte der massive Einsatz von Reizgas wieder viele Verletzte.

Zahlreiche Menschen flüchteten sich in das nahe dem Taksimplatz gelegene Hotel Divan, das schon seit Beginn der Proteste seine Pforten für Verletzte und Schutzsuchende geöffnet hat. Doch diesmal fanden die Menschen auch dort keine Deckung vor Erdogans Schergen. Eine bewaffnete Truppe stürmte das Hotel und attackierte die sich sicher wähnenden Menschen:

Danach pumpten die AKP-Handlanger gnadenlos Reizgas in das Hotel. Für die Menschen im Inneren gab es kaum ein Entkommen. Im Nu war die Lobby mit dem Gas geflutet, dramatische Szenen waren die Folge:

Die ohnehin schon durch Wasserwerfer, Gummigeschoße und Tränengas verletzten Menschen flüchteten sich durch die reizgasvernebelten Gänge des Hotels in die oberen Etagen, denn auch nach draußen war die Flucht nicht möglich, da auf der Straße vor dem Gebäude die Luft vom Tränengas geschwängert war.

Seit zwei Wochen wird die Türkei von einer Protestwelle erschüttert. Der Auslöser, das Schleifen eines Parks zugunsten eines Einkaufszentrums, hat sich in eine Widerstandsbewegung gegen den despotischen Islamisierungskurs der Regierung Erdogan gewandelt.

Nur Stunden bevor die Polizei den Gezi-Park stürmte, hatte Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan den Demonstranten ein Ultimatum zum Abzug bis Sonntag gesetzt: „Ich sage es klar: Räumt den Taksim. Wenn er nicht geräumt ist, werden die Sicherheitskräfte dieses Landes wissen, wie er zu evakuieren ist“, rief er ihnen während einer Rede vor zehntausenden Anhängern zu, berichtet der Standard.

Zahlreiche westliche Partner kritisierten Erdogan bereits wegen des harten Vorgehens der Polizei. Laut dem türkischen Ärztebund wurden bei Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten seit Ende Mai vier Menschen getötet und fast 7500 weitere verletzt.

Erdogan hat wieder einmal bewiesen, dass er auch schon mal ganz unverfroren lügt, wenn er seine Macht demonstrieren will. Denn das von ihm gesetzte Ultimatum bis Sonntag war nun wohl doch schon am Samstagmorgen abgelaufen.

Auch wenn der korantreue Despot vermutlich immer noch die Mehrheit des Volkes hinter sich hat, kann die nach Freiheit und Säkularität strebende Minderheit wohl nicht mehr zum Schweigen gebracht werden. Erdogans Autorität ist in Frage gestellt und beschädigt, auch wird ihn dieses Vorgehen der EU nicht näher bringen. Es ist zu hoffen, dass aus der Mehrheit seiner verblendeten, islamgläubigen Anhänger genug Menschen wegbrechen, um ihn am Ende zu Fall zu bringen und eine weitere Islamisierung der Türkei zu verhindern.

Hier noch ein Video des Polizeieinsatzes: