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Was hat Nordirland mit dem Islam zu tun?

Eigentlich nichts, denkt man, und es ist ja auch nur logisch, wenn von ein paar Kopftuchmädchen in Belfast abgesehen wird. Denkt man, aber nichts ist logisch. Seit den Jahrzehnten der „Troubles“ zwischen den schottisch- und englischstämmigen Unionisten und den irischstämmigen Nationalisten, wurde Nordirland in Aberhunderten von unterbelichteten Zeitungsartikeln hierzulande bis heute – siehe z.B. taz hier – als Beweis gebracht, daß der Islam gar nicht so rückständig sei, denn in Belfast und Londonderry würden immer noch Katholiken gegen Protestanten kämpfen und umgekehrt. Die christlichen Kritiker des Islams könnten also ihre Klappe halten, das Christentum sei nicht besser als der Islam.

Deshalb, um es nochmals klar zu sagen: Schotten und Engländer haben den Iren ihr Land und die ganze Insel seit 500 Jahren gestohlen, erobert und besetzt. Um die Religion ging es dabei nicht. Als zum Beispiel der Lordprotektor Oliver Cromwell Irland im Jahr 1649 blutig besetzte und durch seine Truppe 400.000 Iren den Tod fanden, ging es nicht um die Luther-Bibel oder Kardinal Ratzinger, sondern um die Inbesitznahme und die Macht im Lande. Und das gilt für alle irischen und nordirischen Konflikte seither gleichermaßen. Erst seit 1948 ist Südirland ein selbständiger Staat, vorher gehörte die ganze Insel London, um es verkürzt zu sagen. Nachlesen könnte man das überall, nicht einmal das linke Wiki schreibt etwas anderes. Aber nein: Hunderttausende von dummen Artikeln haben in dummen Köpfen bis heute die Meinung gefestigt, Nordirland habe etwas mit Religion zu tun und sei der Beweis für die Gewalttätigkeit des Christentums. So steht Nordirland für eine islamische Geschichtsfälschung zu Lasten der Christen in einer Reihe mit den Falschdarstellungen über die Kreuzzüge und dem angeblich „friedlichen“ Al Andalus.