Für die meisten Deutschen verkörpert Richard von Weizsäcker zweifellos das Ideal eines Bundespräsidenten, und in der Tat hat keiner seiner Vorgänger oder Nachfolger die Bundesrepublik auch nur annähernd mit dem Stilgefühl und der royalen Aura repräsentiert, die für Weizsäckers‘ Habitus charakteristisch waren und sind. Weizsäcker hat die heimliche Sehnsucht nach einem Monarchen befriedigt, zu dem man aufschauen kann – und zwar so sehr, dass Kritik an ihm vielen Menschen buchstäblich als Majestätsbeleidigung erscheinen muss. Thorsten Hinz hat mit „Der Weizsäcker-Komplex. Eine politische Archäologie“ (Edition JF, Berlin 2012, 353 S., € 24,80) eine der ersten kritischen Würdigungen des ehemaligen Bundespräsidenten vorgelegt und ihn dabei ein wenig entzaubert.

Es war höchste Zeit, dass dieses Buch erschien. Für ein demokratisches Gemeinwesen ist die kritiklose Verehrung eines Politikers nämlich auch dann fragwürdig – und kann sogar gefährlich sein -, wenn der Betreffende persönlich ein honoriger Mann ist. Die Autorität des Präsidenten von Weizsäcker war zwar „nur“ geistiger und moralischer Natur, die Art, wie er sie ausübte, hat aber bis heute nachwirkende Folgen.

Insbesondere „die Rede“, also seine Rede zum 40. Jahrestag der Kapitulation der deutschen Wehrmacht, die von großen Teilen der deutschen Öffentlichkeit wie ein geschichtspolitisches Evangelium aufgenommen wurde, hat die Debatte über die jüngere deutsche Geschichte auf ein Gleis geschoben, von dem sie bis heute nicht heruntergekommen ist. Hinz betrachtet sie zu Recht als den Auftakt zum „Historikerstreit“ der achtziger Jahre, in dessen Folge das Reden über Geschichte in immer engere Schablonen gepresst wurde: Die deutsche Geschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis zurück zu Wilhelm II. hörte auf, Gegenstand wissenschaftlicher Erkenntnis und öffentlicher Debatte zu sein, ihre Deutung wurde zu einer Art Staatsreligion, über deren Themen faktisch nur noch in vorgegebenen rituellen Formeln gesprochen werden darf, von denen abzuweichen als Blasphemie gilt.

Die Bundesrepublik betrachtet sich seit ihrer Gründung als Gegenentwurf: bis 1989 in erster Linie als Gegenentwurf zum Kommunismus und der DDR, seither primär als Gegenentwurf zum Dritten Reich – und man möchte fragen, was für ein Staatswesen das eigentlich ist, das es offenbar nötig hat, sich durch den Bezug auf möglichst schwarze Kontrastfolien zu legitimieren. Die wirkliche Geschichte der Deutschen, die sich vor achtzig Jahren irgendwie mit dem damaligen Regime arrangieren mussten, verschwindet unter solchen Umständen hinter einer Geschichtsideologie, die erkennbar aus staatspolitischen Gründen nachträglich konstruiert wurde. Dieser Ideologie zufolge muss Jeder, der kein ausgewiesener Widerstandskämpfer war, ein Nazi und ein Verbrecher gewesen sein.

Weizsäcker dürfte diese Entwicklung kaum gewollt haben, aber er hat ihr unfreiwillig Vorschub geleistet. Hinz arbeitet mit bestechender analytischer Schärfe die komplexen Motive heraus, die seiner Rede zum 8. Mai zugrundelagen:

Da ist das Motiv, seinen Vater Ernst von Weizsäcker zu rehabilitieren und damit zugleich jene Familienehre wiederherzustellen, die seit dessen Verurteilung im sogenannten Wilhelmstraßenprozess der Alliierten angekratzt war. Der Vater wird zwar in der Rede nicht erwähnt, aber dieser familiäre Hintergrund ist der Schlüssel zum Verständnis von Weizsäckers Rhetorik. Ernst von Weizsäcker war unter Ribbentrop Staatssekretär im Auswärtigen Amt gewesen. Er hatte den Nationalsozialisten durchaus kritisch gegenübergestanden, aber ein „Widerstandskämpfer“ war er nicht gewesen. Er war dabei weder ein Nazi noch ein Landesverräter. Er diente dem Regime einerseits aus Patriotismus und Verantwortungsgefühl – man konnte das Schicksal Deutschlands schließlich nicht einfach den Nationalsozialisten überlassen – wie auch aus Ehrgeiz für sich und seine Dynastie. Für solche Grautöne ist im heutigen Geschichtsdiskurs freilich kaum noch Platz, wie allein das unsägliche Machwerk „Das Amt“ beweist, in dem das AA pauschal als Verbrecherorganisation diffamiert wird.

Da ist das Motiv, den Führungsanspruch der traditionellen deutschen Eliten (der ebenfalls durch die Zusammenarbeit mit Hitler in Frage gestellt war), zu denen die Familie Weizsäcker ohne Zweifel gehört, fortzuschreiben.

Und da ist das Motiv, Deutschlands Platz unter den westlichen Nationen dadurch zu sichern, dass die BRD das Geschichtsbild der Siegermächte in toto übernimmt und sich dadurch sozusagen moralisch unter die Sieger einreiht – freilich um den Preis einer Politikauffassung, wonach Politik in der Vertretung bestimmter Werte und Ideologien besteht, sodass die Vertretung „westlicher Werte“ im Zweifel Vorrang vor der Verfolgung eigener nationaler Interessen gewinnt. Unnötig zu sagen, dass diese Politikauffassung außerhalb Deutschlands kaum geteilt wird.

Diese Motive widersprachen einander: Wenn Weizsäcker den Vater und die deutschen Eliten rehabilitieren wollte, musste er der manichäischen Schwarzweißmalerei des Siegerdiskurses widersprechen, dessen Grundlinien keineswegs antifaschistisch, sondern antideutsch sind. Die Alliierten hatten sich geweigert, mit dem deutschen Widerstand zusammenzuarbeiten, weil sie nicht primär Hitler loswerden, sondern Deutschland als Großmacht ausschalten wollten. Unter diesen Umständen war Widerstand kaum anders möglich als um den Preis des Landesverrats. Darüber war Ernst von Weizsäcker sich im Klaren – anders als manche Widerstandskämpfer, die sich darüber hinwegtäuschten -, und diesen Preis war er nicht bereit zu bezahlen.

Da sein Sohn den Prämissen des Siegerdiskurses einerseits nicht widersprechen konnte, andererseits aber dessen Konsequenzen entgehen wollte – wonach sein Vater und mit ihm die deutschen Oberschichten Verbrecher gewesen seien und Deutschland auf alle Ewigkeit für deren Verbrechen zu bluten habe -, blieb ihm in seiner berühmten Rede nur die Flucht in eine Doppelbödigkeit und intellektuelle Unaufrichtigkeit, die sich hinter blendender Rhetorik verbarg und deshalb zunächst kaum jemandem auffiel. Hinz analysiert die entscheidenden Passagen der Rede Punkt für Punkt. Er zeigt, wie Weizsäcker dabei mit zum Teil unlauteren rhetorischen Mitteln Denkfiguren suggeriert, zu denen er dann wieder nicht steht: Da weist er den Vorwurf der Kollektivschuld zurück – dadurch immunisiert er sich gegen Kritik -, um dann eine Argumentationskette aufzubauen, die auf just diesen Kollektivschuldvorwurf hinausläuft.

Dieser unausgesprochene, aber desto wirkungsvoller suggerierte Kollektivschuldvorwurf an die Adresse des gesamten deutschen Volkes entlastet nicht nur dessen Oberschichten – was hätten sie denn schon machen sollen, wo sie doch zwischen Hitler und dem deutschen Volk gleichsam eingeklemmt waren? -, sondern macht sie zu tragischen Helden, die die bessere Einsicht ja gehabt hätten, aber nicht zum Zuge gekommen seien – weswegen es nun erst recht auf sie zu hören gelte. Auch diese Suggestion schwang in Weizsäckers Rede mindestens unterschwellig mit. Sie ist, wie Hinz zeigt, schon seit 1945 Teil einer Kollektivstrategie deutscher Eliten, die sich beizeiten bei den Alliierten als sozusagen von der Geschichte berufene Kolonialverwalter andienten, deren Aufgabe es sei, die Deutschen mit moralischem Pathos an die Kandare zu nehmen. Hinz nennt dafür einige Beispiele, am prominentesten sicher das von Marion Gräfin Dönhoff, der langjährigen Grande Dame der „Zeit“.

(Wie sich heute herausstellt, war dies für die traditionellen Eliten freilich ein schlechtes Geschäft, wofür wiederum exemplarisch Weizsäckers Versuch steht, den Vater auf Kosten des Volkes reinzuwaschen. Der „antifaschistische“ Diskurs ist schließlich nicht dazu da, die traditionellen Eliten zu konservieren und zu legitimieren – bei aller Unterwerfungsbereitschaft sind sie aus der Sicht des globalistischen Systems eben doch unsichere Kantonisten -, sondern sie zu ersetzen.)

Überhaupt gehört zu den großen Stärken des Buches die Art, wie Thorsten Hinz mit Bezug auf die Weizsäckers das komplexe Beziehungsgefüge zwischen den Deutschen, ihren traditionellen Eliten, den Nationalsozialisten, der politischen Klasse der BRD und den westlichen Alliierten analysiert. Er zeichnet dadurch das Handeln und die Charaktere Ernst und Richard von Weizsäckers mit großer Tiefenschärfe und macht es verstehbar. Zugleich schreibt er damit ein beeindruckendes Stück Sozialgeschichte der deutschen Eliten. Wie auch schon Hinz‘ vorheriges Buch „Die Psychologie der Niederlage“ ist „Der Weizsäcker-Komplex“ eines jener Werke, die man gelesen haben sollte, wenn man verstehen will, warum unser Land in seiner jetzigen misslichen Lage ist, und wer es warum dorthin geführt hat.

Thorsten Hinz (2012): Der Weizsäcker-Komplex. Eine politische Archäologie. Berlin: Edition JF, 353 Seiten, 24,80 Euro.

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21 KOMMENTARE

  1. Ich bin nie auf seine schleimige Art reingefallen.
    Gilt im Prinzip für alle, die dieses völlig unnötige, verschwenderische Amt besetzen.

  2. Manchmal findet man auch unerwartet Wahres und Richtiges an Orten, wo man es wenigsten vermutet.

    Das Thema Weizsäcker hat schon vor langer Zeit einmal Deniz Yücel in der taz angesprochen:

    http://www.taz.de/Blamable-Bundespraesidenten-/!87006/

    Von Deniz Yücel

    […]
    Der Saubermann
    Richard von Weizsäcker, CDU, 1984 bis 1994: Mitte der Sechziger gehörte Weizsäcker der Geschäftsleitung des Chemieunternehmens Boehringer Ingelheim an, wo seinen Biografen Werner Filmer und Ernst Schwan zufolge „keine wichtige Unternehmensentscheidung“ ohne ihn fiel. Als bekannt wurde, dass die Firma Bestandteile des Entlaubungsmittels Agent Orange, an dessen Einsatz die Vietnamesen bis heute leiden, in die USA geliefert hatte, ließ Weizsäcker wissen, er habe davon nichts gewusst. Als Adjutant des Regimentkommandeurs war Weizsäcker am Überfall auf die Sowjetunion beteiligt. Vom Treiben der SS-Einsatzgruppen hinter der Front, so ließ er später wissen, habe er nichts gewusst.
    Als 1991 ein Mitarbeiter des Sterns eine Geschichte über Kriegsverbrechen recherchierte, die Soldaten von Weizsäckers 23. Infanteriedivision begangen hatten, ließ dieser wissen, er habe davon nichts gewusst – ebenso wie er nichts darüber wusste, warum der Stern die Geschichte plötzlich nicht mehr drucken wollte. Dabei verdankt Weizsäcker seinen tadellosen Ruf vor allem der Rede, die er zum 40. Jahrestag des Kriegsendes hielt: „Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“, sagte er, und man möchte ihm heute noch zurufen: Potzblitz, darauf muss man erst mal kommen!
    Befreit wurde nach Weizsäckers Lesart auch sein Vater Ernst, SS-Brigadeführer und wegen der Deportation von 6.000 französischen Juden nach Auschwitz zu fünf Jahren Haft verurteilter Staatssekretär im Auswärtigen Amt. Richard stand seinem Vater als Hilfsverteidiger zur Seite, und hält das Urteil immer noch für ungerecht. Ernst von Weizsäcker hatte sich übrigens in Nürnberg damit verteidigt, von den Vorgängen in Auschwitz habe er nichts gewusst.

  3. „…warum unser Land in seiner jetzigen misslichen Lage ist, und wer es warum dorthin geführt hat.“

    Damals war es genau die „Elite“, die Weizäcker (in meinen Augen ein Heuchler) reinwaschen wollte, heutzutage ist es tatsächlich „das Volk“, denn es wählt unter mannigfaltigen Alternativen eben wieder und wieder die Verursacher der „misslichen Lage“ völlig freiwillig an die Macht.

    Damals wußte „das Volk“ doch gar nicht, unter anderem mangels Medien, was ablief.
    Im Gegensatz zu den gestaltenden, wissenden und führenden „Eliten“, zu denen eben auch Weizäckers Vater gehörte.
    Wenn der ach so aufrichtig gewesen wäre, hätte er nicht „mitmachen“ dürfen, brauchen und müßen.
    Wobei damals nicht alles so schlecht war, wie es heute geredet wird.

    Weizäcker junior ist eine DER Ursachen, weshalb Deutschland ständig „zu Kreuze kriecht“ und sich selbst verleugnet.
    Unfähig ist, seine und die Interessen der eigenen Bevölkerung zu vertreten.

    Im übrigen sollte jeder das Buch von Herrn Rhonhof „Der Krieg der viele Väter hatte“ lesen. Da bekommt man ein völlig neues Verständnis der damaligen Geschichte, das mit der heutigen, offiziellen Position gänzlich unvereinbar ist.

  4. „Da ist das Motiv, seinen Vater Ernst von Weizsäcker zu rehabilitieren und damit zugleich jene Familienehre wiederherzustellen, die seit dessen Verurteilung im sogenannten Wilhelmstraßenprozess der Alliierten angekratzt war.“

    …ich glaube nicht was ich da lese…Ernst von Weizsäcker war TATSÄCHLICH ein Kriegsverbrecher!!!! Der zweifelhafte Verdienst seines Sohnes lag in Wahrheit darin, dem Vater Rechtfertigung zu verschaffen nach dem Modell „…ich musste die Deportationsbefehle unterschreiben, sonst hätte es ein anderer gemacht… und der wäre vom GEISTE her vielleicht kein Widerstandskämpfer gewesen so wie ich“.

    Ich habe mich mit dieser Sache mal näher befasst… abenteuerlich und abzulegen in der Rubrik „die geistige Elite ist niemals schuld“.

  5. Die Bundesrepublik betrachtet sich seit ihrer Gründung als Gegenentwurf: bis 1989 in erster Linie als Gegenentwurf zum Kommunismus und der DDR, seither primär als Gegenentwurf zum Dritten Reich

    die DDR hat sich sicherlich als Gegenentwurf zum ‚Imperialismus‘ verstanden, den sie, wie heutige Sozialisten auch, mit dem Nationalsozialismus gleichsetzte, jedoch hat sich die BRD niemals als Gegenentwurf zum Statthalterregime von Moskaues Gnaden der DDR verstanden und versteht sich heute auch nicht als Gegenentwurf zum NS oder was auch immer.

  6. Es waren die Eliten,die Victor Klemperer an den Laternenmasten baumeln sehen wollte, nicht das deutsche Volk, dass er als Verfolgter, keineswegs als monolitisch böse erlebte.

    Der oben beschriebene Versuch der Reinwaschung der Elite und der Behauptung eines elitären Führungsanspruches über ein Volk bösartiger Volltrottel unterstützte den Wechsel der Vorzeichen des linken Antifaschismus.

    War das Proletariat in der alten marxistischen Analyse noch Opfer Hitlers, so obsiegte später die auf die Zersetzung (west)Deutschlands und des Westens gerichtete Kollektivschuldthese mit anschließender, formvollendeter Rassifizierung des Bösen, der zu Folge die immanente Intoleranz der weißen Rasse,der ihr eingeborene Rassismus, ja die gesamte westliche Kultur zur Voraussetzung für den Holocaust und zur dauerhaften Gefahr herbei halluziniert wurde.

    So ist jeder kontemporäre Weiße (ja, männlich) immer nur ein falsches Wort entfernt davon, die Züge nach Auschwitz fahren zu lassen.
    Die gesamte Islamophobie Propaganda speist sich inzwischen aus dieser marxistisch/dekonstruktivistischen „Analyse“ und der Konstruktion der ewigen weißen Bestie.

    Das Recht auf Selbstbestimmung und eigene Gesellschaften wird unter dieser, alle Parteien Medien,Universitäten und Zivilgesellschaft durchdringenden bösartigen Verleumdung allen Weißen abgesprochen.

    Was in Deutschland so gut geklappt hat, hat längst auch andere weiße oder mehrheitlich weiße Nationen erreicht und wird als Werkzeug für die Globalisierung und die mit ihr einhergehende Zerstörung westlicher Nationen angewendet.

    Der Artikel macht den Wendepunkt, den die Weizäcker Rede darstellt ausgezeichnet verständlich.

    Zur Einschätzung der abgelehnten Versuche des deutschen Widerstandes, den Krieg zu beenden, weise ich nochmal auf Diana West hin, die in einem neuen Buch beschreibt, wie die Sowjetunion vor und in der Zeit des 2.Weltkrieges die US Politik durch Infiltration für ihre Zwecke nutzte und sie durch die daraus folgenden Lügen und Verstrickungen sowohl in ihrer Selbstwahrnehmung, wie auch auf dem Feld der Geschichtsschreibung noch immer, über das Grab hinaus, im Griff hat.

    Sehenswert! Buchvorstellung „American Betrayal“:

    http://www.dianawest.net/Home/tabid/36/EntryId/2550/Presenting-American-Betrayal-at-Heritage-June-14.aspx

    Stöbern im gesamten Blog dringend anempfohlen!

  7. Das o.g. Buch ist derzeit zu teuer für mich…

    Dafür habe ich was anderes kostenlos, etwas das man öfter mal wiederholen muß und das ein paar edle Steinchen aus der Krone der Eliten bricht:

    „“Missbrauchsskandal“Protestantische Mafia“

    Im Missbrauchsskandal an der Odenwaldschule schauen das aufgeklärte, liberale Deutschland und seine Elite in den Abgrund

    Der sechzigste Geburtstag war eines der schönsten Feste seines Lebens. Die engsten Freunde waren im September 1985 gekommen:
    die Weizsäcker-Brüder Richard und Carl Friedrich, Marion Gräfin Dönhoff ebenso wie der Jurist und Bildungspolitiker Hellmut Becker, der Verleger Ernst Klett, der amerikanische Diplomat George Kennan mit seiner Frau und viele andere.
    Sein Lebensgefährte Gerold Becker(ev. Vorzeigetheologe) überreichte dem Jubilar Hartmut von Hentig eine Festschrift mit dem Titel Ordnung und Unordnung.

    Heute, ein Vierteljahrhundert später, ist die einstige Ordnung dieses Freundeskreises dahin. Es herrscht heillose Unordnung.
    Im Spiegel geriet die Lage zum Symbol: Die Weizsäckers titelte jüngst das Magazin anlässlich des bevorstehenden 90. Geburtstags Richard von Weizsäckers. In der gleichen Ausgabe stieß man unter der Überschrift Planet des Schreckens auf Weizsäckers engen Freund Hartmut von Hentig…(aus Seite 1)
    http://www.zeit.de/2010/13/DOS-Missbrauchsskandal-Deutschlands-Elite
    Hentigs Memoiren, übervoll mit unzähligen Namen, schildern äußerst plastisch ein Netzwerk von bildungsbürgerlichen und adligen Familien, das über Generationen hinweg trägt, hinein in die demokratische Bundesrepublik und dort in einflussreiche Positionen…

    Zu einer Liebeserklärung gerät Hentig die Schilderung seines Abschieds vom im Krankenhausbett sterbenden Greis Carl Friedrich von Weizsäcker 2007; dieser war ihm fünfzig Jahre zuvor ein Mentor gewesen.

    Eros jedoch durfte, nein sollte in der Erziehung sein: Das erklärte der Verleger Ernst Klett dem erstaunten Hentig in den fünfziger Jahren…““(aus Seite 2, zeit.de)

    „“Eine illustre Runde: Einer der einflussreichsten Bildungsforscher und -politiker der jungen Bundesrepublik, Hellmut Becker, empfahl Gerold Becker als Schulleiter, hielt auch noch die schützende Hand über ihn, als sein Patensohn ihm von Missbrauch durch Gerold Becker berichtete. Richard von Weizsäcker schickte seinen Sohn Andreas auf die Schule – in die Fänge Gerold Beckers…““
    http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/odenwaldschule-die-wahrhaftigkeit-und-hartmut-von-hentig-11502178.html

  8. Richard von Weizsäcker als Chef der Chemiefirma Boehringer-Ingelheim, die den Amerikanern das Giftgas ‚Agent-Orange‘ zur Ausrottung der Vietnamesen lieferte:

    „Solange der Vietnamkrieg dauert, haben wir keine Absatzprobleme.“ (Der Spiegel, 31/1991, S. 102 ff.)

    h2so4

  9. Wo wir schon bei Bundespräsidenten sind, dem Bundesgaukler wird jetzt “Feigheit im Amt” vorgeworfen, völlig zu Recht, denn er äußert keinerlei Kritik an den NSA-Bespitzeleien.

    Warum sollte er? Er hat sich doch ein Leben lang mit Bespitzelungen bgeschäftigt und ist nicht schlecht gefahren dabei

  10. Heute abend läuft in der ARD das Dokudrama „George“, in dem Heinrich Georges Söhne Jan und Götz ebenfalls versuchen, ihren Vater vom Nazivorwurf reinzuwaschen. Jan behauptet z.B., ein gemeinsames Foto von George und Goebbels müsse eine Fotomontage sein.
    George starb im ehemaligen Nazi-KZ Sachsenhausen, das von den russischen Kommunisten nahtlos übernommen wurde und ähnlich menschenverachtend betrieben wurde.
    Götz George in der Rolle seines Vaters ist absolut sehenswert.

    http://www.welt.de/debatte/kommentare/article118234239/Goetz-George-waescht-seinen-angebraeunten-Vater-weiss.html

  11. Und sein Bruder hat sich Hitler angedient, ihm die A-Bombe zu bauen. Sein Vater war zu Beginn des Dritten Reiches Legationsrat und er stieg zum Staatssekretär auf. Damals gab es im AA nur einen Staatsekretär. Irgendwie eine ziemlich verkommene Familie.

  12. Mich hat die Selbstinszenierung der besseren Menschen schon immer abgestossen. Wenn ich von den „grossen Moralisten“, „Mahnern“ und anderen unerschrockenen Kämpfern für die Gerechtigkeit höre, wird mir immer ein wenig übel. Kniefall in Warschau, Händchenhalten mit Mitterrand – mir sind die Bauingenieure der Demokratie (Staatssekretäre usw.) lieber als die „Architekten“, die mit waberndem Pathos die „Wende“ proklamieren oder einen „Ruck“ empfehlen.

    Im übrigen waren auch viele wg. ihrer heiteren, freundlichen Art beliebte Promis im Privatleben mindestens hochkompliziert, wenn nicht gar notorische Kotzbrocken. Stellvertetend für viele nenne ich hier nur Peter Sellers und Heinz Rühmann.

    Also Vorsicht,wenn etwas zu schön daherkommt . . .

  13. @ 8 JeanJean: „War das Proletariat in der alten marxistischen Analyse noch Opfer Hitlers, so obsiegte später die auf die Zersetzung (west)Deutschlands und des Westens gerichtete Kollektivschuldthese…“

    Ein gutes Beispiel für diese gegensätzlichen Sichtweisen bilden Thomas Mann und Bertolt Brecht. Der Letztere kritisierte Manns Verständnislosigkeit in folgenden Versen:

    ALS DER NOBELPREISTRÄGER THOMAS MANN DEN AMERIKANERN UND ENGLÄNDERN DAS RECHT ZUSPRACH, DAS DEUTSCHE VOLK FÜR DIE VERBRECHEN DES HITLERREGIMES ZEHN JAHRE LANG ZU ZÜCHTIGEN

    Züchtigt den Gezüchtigten nur weiter!
    Züchtigt ihn im Namen des Ungeists!
    Züchtigt ihn im Namen des Geists!

    Die Hände im dürren Schoß
    Verlangt der Geflüchtete den Tod einer halben Million Menschen.
    Für ihre Opfer verlangt er zehn Jahre Bestrafung, Die Dulder
    Sollen gezüchtigt werden.

    Der Preisträger hat den Kreuzträger aufgefordert
    Seine bewaffneten Peiniger mit bloßen Händen anzufallen.
    Die Presse brachte keine Antwort. Jetzt
    Fordert der Beleidigte die Züchtigung
    Der Gekreuzigten.

  14. Zur Ergänzung: Golo Mann hat allerdings bestritten, daß sein Vater eine derart schroffe Einstellung zum deutschen Volk unter der Hitlerherrschaft gehabt habe, und führt Brechts diesbezügliche Kritik auf falsche Informiertheit zurück. Die Forderung nach „Züchtigung“ der Deutschen hätte zu Thomas Mann nicht gepaßt, so Golo. (Vgl. http://www.zeit.de/1973/09/die-brueder-mann-und-bertolt-brecht)

  15. ich erinnere mich an ein tv-gespräch zwischen exkanzler helmut schmidt und richard von weizsäcker und der moderatorin. diese stellte am ende die frage nach dem glauben gott. schmidt antwortete, im krieg habe er den glauben an gott verloren. wie konnte ein gott dies alles zulassen. weizsäcker verweigerte eine antwort. die moderatorin musste dies erstaunt respektieren. ich dachte, aha, der mann war schliesslich präsident des ev. kirchentages gewesen und gehörte zur synode. und keine antwort.

  16. da gab es das urteil zu -soldaten sind mörder-
    ein junger mann wollte schwerter zu pfugscharen machen. der bundeswehrverband fühlte sich beleidigt und stellte strafanzeige. der richter entschied auf freispruch und wertete die aussage unter meinungsfreiheit. hilfesuchend wandte sich der verband an den herrn bundespräsidenten richard von weizsäcker. dieser antwortete, er könne das urteil auch nicht verstehen. ich dachte, auch wenn alle welt voll des lobes über den herrn ist, bei mir ist er unten durch.

  17. #20 pidding (25. Jul 2013 14:25)
    nachtrag.
    klar, soldaten sind keine mörder, sondern verteidiger. aber ein junger mann darf diese meinung haben,

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