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Dänische Polizei besucht Kollegen in Rosengård

Die Fachzeitschrift der dänischen Polizei „Dansk Politi“ besuchte das große schwedische Ghetto-Gebiet Rosengård in Malmö, um zu erfahren, wie man auf der anderen Seite des Öresunds mit den besonderen Herausforderungen umgeht – in einem Land, wo der Ton in der Einwanderungsdebatte noch einmal ein ganz anderer ist als in Dänemark.

(Von Alster, PI-Hamburg)

dansk-politi.dk schreibt:

Dabei sind es nur 40 km Wegstrecke, eine Brücke und eine offene Grenze zwischen dem Mjoelnerpark in Kopenhagen und Rosengård in Malmö. Rosengård erinnert an die dänischen Ghettos Vollsmose in Odense oder Gellerup in Aarhus, der Unterschied ist jedoch, dass Rosengård mindestens doppelt so groß ist wie z.B. Gellerup. Experten meinen sogar, dass dort vier mal so viele Menschen wohnen, das heißt bis zu 40.000 und das, obwohl Rosengård nur für 9.000 Bewohner konzipiert ist. Es wohnen dort offiziell 23.000, aber inoffiziell kommen zwischen 7.000 und 20.000 Papierlose/Illegale oder unregistrierte Bewohner dazu, und fast alle sind Zuwanderer.

Es sind große Familien mit Einwanderer-, Flüchtlings-, oder papierlosem Hintergrund. Primär kommen sie aus Nahost, Afrika und Afghanistan. 60 Polizisten arbeiten in der Station, die wie eine nagelneue kleine Festung wirkt, die durch Drahtzäune, Panzerglas, Kameras und Schlösser umgeben ist. Die Privatfahrzeuge der Mitarbeiter sind hier eingesperrt, um Vandalismus zu verhindern. Um Kollegen anzulocken, gibt es dafür viele Annehmlichkeiten: eine große Turnhalle, eine Dachterrasse mit Grill, große Badezimmer und
vieles mehr.

Das Blatt bekam Einblicke in die kolossalen Probleme des Ortes, wo die fehlgeschlagene Integration zum Himmel schreit, und in die schwedische politische Korrektheit, die es unmöglich macht, offen über die Probleme zu reden, ohne sofort des Rassismus beschuldigt zu werden. Das veranlasst die Polizei vor Ort davon abzusehen, ihre Erlebnisse und Bewertungen öffentlich zu machen.

”Wenn wir über die Dinge reden würden, die wir sehen, müssten wir uns am nächsten Tag eine neue Arbeit suchen.“

„Ich bin überzeugt, dass hier in Rosengård sehr viel Gewalt in den Familien vorkommt. Aber wir können diese Probleme nicht nennen, dann werden wir blitzschnell als Rassisten gebrandmarkt. So können wir auch keine Strategie entwickeln, wie man Probleme lösen kann“, sagt Martin, ein Polizist in Rosengård in Malmö, der seinen ganzen Namen nicht nennen will.

Er nennt Fälle, in denen junge Frauen nach dem Sturz von einem Balkon gestorben sind. Nachfolgende Untersuchungen konnten nicht klären, ob sie selbst sprang, oder ob sie gestoßen wurde. Die Bewohner unterliegen offensichtlich einer streng religiösen Kontrolle. Sein Gefühl, dass viel hinter den verschlossenen Türen der geschlossenen Gesellschaft passiert, das nicht der Polizei gemeldet wird, muss er jeden Tag mit nach Hause nehmen.

Die Kriminalität im Ghetto ist hoch, ebenso wie die Arbeitslosigkeit und der Mangel an sprachlichem und pädagogischem Hintergrund. Drogenhandel, Gewalttaten, Raubüberfälle, Unruhen, Steinwürfe gegen Ambulanzen und Autobrände bestimmen den Alltag.

Schon 2009 vergab die schwedische Regierung deshalb einen Untersuchungsauftrag. Der Forscher Magnus Ranstorp beschrieb die o.a. Zustände, in denen die Bewohner zunehmend unter religiöse Kontrolle gerieten; dass Mädchen ab der 9. Klasse in die Heimat zur Verheiratung geschickt wurden, dass es immer mehr religiöse Schulen in den Kellern gab, die die Kinder geprägt haben usw.

Bis jetzt, vier Jahre später, gab es keine Reaktionen, außer dass Ranstorp Sarrazin-mäßig von den üblichen Verdächtigen, insbesondere den Medien, kritisiert und beschimpft wurde. Das, obwohl die Flüchtlingsströme und die Anzahl der Familienzusammenführungen in den folgenden Jahren markant gestiegen sind.

M. Ransdorp: „Viele Kritiker drohten mit Untersuchungen, die meine Ergebnisse widerlegen würden. Mir ist nicht bekannt, dass es jemand geglückt ist“, sagt er zur DANSK POLITI vier Jahre nach der Veröffentlichung.

Das kommt uns doch sehr bekannt vor, oder? Wollte man nicht auch Sarrazin „überführen“?

Wie geht ihr denn damit um, dass ihr die Probleme gegenüber der Öffentlichkeit verheimlichen müsst? fragte „Dansk Politi“ ihre schwedischen Kollegen.

Die Antwort: Wir Kollegen tauschen uns aus, können auch mit einem Pastor reden. Wir sind eine gute Gemeinschaft. Kein Schwede, der nicht hier draussen arbeitet, weiß, was hier in Rosengård eigentlich vorgeht. Das ist eben schwedisch, wir riskieren sehr ungern, Minoritäten zu stigmatisieren.

Diese Angst vor dem Rassismusstempel veranlasste „Dansk Politi“ Gunnar Sandelin, einen Autor und früheren Journalisten des schwedischen Fernsehens, zu kontaktieren, der nach eigenen Aussagen einen hohen Preis dafür zahlen muss, dass er aufklären und eine Debatte über die Integration in Bewegung setzen wollte: „Wenn du erstmal als fremdenfeindlich abgestempelt worden bist, verlierst du alles. Ich bin 62 Jahre und im Pensionsalter, darum geht es noch, aber der Preis war hoch – sehr hoch. Ich habe sowohl Freunde als auch Arbeit durch die Debatte verloren. Wäre ich zehn Jahre jünger gewesen, hätte ich das nicht gewagt… die Schweden wollen ganz einfach diese Debatte über die Konsequenzen ihrer Zuwanderungspolitik nicht.“

Zusammen mit Karl-Olov Arnstberg verfasste Gunnar Sandelin das Buch „Invandring och mörkläggning“ (Einwanderung und Verschweigen). Hier ist der Rassismusvorwurf in der Rezension des Buches durch die schwedische Zeitung Aftonbladet: „Samma gamla rasism fast i ny rapport“ (Rechtspopulistische Propaganda bekommt neue Kleider).

Da die oben beschriebenen Probleme der schwedischen Polizei doch sehr an deutsche Verhältnisse erinnern, würden wir uns glücklich schätzen, wenn „DANSK POLITI“ mal unsere Polizei – z.B. im nahegelegenen Kiel-Gaarden – besuchen würde, um dann deren Probleme zu veröffentlichen.

In Dänemark kennt man auch die politische Korrektheit, aber immerhin werden hier Missstände noch veröffentlicht und können so diskutiert werde. Das Blatt „Dansk Politi“ schreibt unter „Wer wir sind“ (OM):

Eigenes unabhängiges Fachblatt der Polizei

DANSK POLITI wird redigiert und von ausgebildeten Journalisten aus der Informationsabteilung des Polizeiverbands geschrieben. Die Prioritäten des Magazins werden nach redaktionellen Prinzipien gesetzt – darunter Offenheit und klarem Anspruch auf Glaubwürdigkeit.
Wir möchten nicht in das gewöhnliche Fachblatt-Grab fallen – nämlich dass man riskiert, nur die halbe Wahrheit abzuliefern.
Wir liefern die Wahrheit über die Polizei – die ganze Wahrheit.
Und wir liefern auch der Polizei gerne die Wahrheit – selbst wenn es weh tut.
Das Magazin entwickelt sich, und wir haben das klare Ziel, dass wir auch die Tagesordnung in der politischen und gesellschaftlichen Debatte setzen werden. Das erfordert Glaubwürdigkeit.

Solche Vertreter der Polizei wären bei uns mehr als willkommen. Möglicherweise auch unserer Polizei?

„Dansk Politi“ bringt am Ende des Berichts noch Zahlen von angezeigten Verbrechen in Malmö 2012:

Gewalt (alle Typen): 4.880
Mord/Mordversuch : 43
Vergewaltigung : 174
Gewalt gegen Polizei: 200
Sexualstraftaten: 491
Autoeinbrüche: 5.998
Übertreten des Waffengesetzes: 556

Kontakt:

» Dans Politi: blad@politiforbundet.dk