1

Wie sich Martin Schulz Hilfeschreie vorstellt

[…] Am 7. Oktober eröffnete er die Sitzung des Europa-Parlaments mit einer Schweigeminute für die Toten der Katastrophe von Lampedusa. So weit, so gut. Wenig später konnte man auf der Homepage des EU-Parlamentspräsidenten lesen, was er während der Schweigeminute empfunden hat, nämlich: In the silence, Mr Schulz imagined hearing the screams of children seeing their parents drown, of parents unable to save their children. The screams of people lost in a raging sea, in sight of a continent they had looked to for protection and hope.

Das ist so hemmungslos und pietätlos, dass es einem schwindelig wird. Emotionale Trittbrettfahrerei der übelsten Art. Dass die Toten von Lampedusa ihr Unglück nicht nur der stürmischen See, sondern auch der Politik der EU verdanken, hat Schulz nicht davon abgehalten, sich die Hilfeschreie der Ertrinkenden vorzustellen – um gleich danach mit der regulären Tagesordnung fortzufahren. Wohlfeiler geht’s nimmer. (Berlusconi hatte damals schon recht mit der charakterlichen Einschätzung von Schulz! Fortsetzung des Broder-Artikels in der WELT)