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MediNetz fordert anonymisierten Krankenschein

[1]Hohe Krankheitskosten für die steigende Zahl der geduldeten Asylbewerber werden für die Kommunen in NRW immer häufiger zur untragbaren Belastung (PI berichtete) [2]. Transplantationen, Klinikaufenthalte für Bluter, Schwangerschaften, Geburten und langwierige Behandlungen überschreiten oft die Leistungsfähigkeiten von Kommunen. In Einzelfällen werden Kosten von 500.000 Euro fällig. Um sicherzustellen, dass auch wirklich jeder Asylbetrügerbewerber eine adäquate medizinische Behandlung erhält, hat die Institution MediNetz in Bonn eine hervorragende Idee: den anonymisierten Krankenschein! [3]

(Von Verena B., Bonn)

MediNetz, eine medizinische Beratungs- und Vermittlungsstelle für Flüchtlinge ohne Papiere, feierte kürzlich in Bonn im linken „Kult 41“ ihr zehnjähriges Bestehen. Für MediNetz-Mitglied Sigrid Becker-Wirth (kl. Foto oben r.) allerdings nicht nur ein Grund zur Freude. Sie schildert den Fall einer jungen Frau ohne Pass aus Ecuador, die Probleme mit ihrer Schwangerschaft hatte und immer mit der Abschiebung rechnen musste, was die Schwangerschaft noch zusätzlich erschwerte. „Es kann nicht sein, dass für Menschen wie diese Familie aus Ecuador Krankheit in Deutschland zur Katastrophe wird (Schwangerschaft ist bekanntlich eine schwere Krankheit, AdV). Deswegen wollten wir damals aktiv werden. Aber unser Ziel, uns auf lange Sicht überflüssig zu machen, haben wir leider nicht erreicht. Noch gibt es keinen anonymisierten Krankenschein in diesem Land.“

Auch wenn die großen politischen Folgen ihres Engagements bislang ausgeblieben seien: Das Netz, das Sigrid Becker-Wirth in den Folgejahren um den Verein gesponnen hat, ist immer dichter geworden, das zeigt schon die große Zahl der Besucher und Unterstützer an diesem Abend. Inzwischen seien es in und um Bonn rund 70 Praxen mit über 80 Medizinern und Heilberuflern, die bereit sind, Menschen ohne Papiere zu behandeln. So hätten etwa 4000 Flüchtlinge medizinische Hilfe erfahren, 56 Schwangerschaften konnten begleitet werden, wöchentlich kämen immer noch bis zu zehn Menschen in die Sprechstunde des MediNetz.

Hanna Liese, Bonner Allgemeinmedizinerin, kann die Frage aus dem Publikum, warum sie sich im Verein beteilige, einfach beantworten: „Wir haben einen Eid geschworen. Es gibt keine Menschen zweiter Klasse, wir müssen allen helfen“. Ziel sei immer gewesen, den Menschen Würde zurückzugeben und ihnen zu ihrem Grundrecht auf medizinische Versorgung zu verhelfen. Damit Behandlungen Illegaler nicht augenblicklich in Abschiebungen resultierten, berät Rechtsanwältin Barbara Pitzen den Verein. In Deutschland dürften die erkrankten Flüchtlinge meist nur bleiben, wenn sie nicht transportfähig seien oder wenn eine Behandlung im Herkunftsland unmöglich ist. „Dass sich in der Gesetzgebung bald etwas bewegt, sehe ich nicht. Deshalb ist MediNetz umso wichtiger – als Stachel im Fleisch einer allzu bequemen Gesellschaft“.

Erfolge des Vereins gebe es aber dennoch: So hat sich zum Beispiel auch ein Runder Tisch für Menschen ohne Papiere in Bonn etabliert. Aber „es gibt noch so viel zu verändern in diesem Land, für diese Menschen“, so Ulrich Kortmann, der erste Vorsitzende, zum Abschluss der Diskussion. „Man ist nicht krank und muss nicht zum Arzt gehen, wenn man da noch Visionen hat.“ Bei MediNetz hätten die Ärzte die Visionen.

Liebe linke MännerInnen, wir unterstützen euren Wunsch nach einem anonymisierten Krankenschein voll und ganz. Bitte dehnt eure Vision in eurer unendlichen Barmherzigkeit ebenso auf deutsche Kranke aus, damit auch diese wieder adäquat medizinisch behandelt werden können!

» Kontakt: info@medinetzbonn.de [4]

(Hinweis an unsere Leser: Wir bitten Sie bei Schreiben an die Kontaktadresse trotz aller Kontroversen in der Sache um eine höfliche und sachlich faire Ausdrucksweise)

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