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Ulrich Schacht über linke BRD und EUdSSR

Der in einem DDR-Frauengefängnis auf die Welt gekommene Schriftsteller Ulrich Schacht gab dem ef-Magazin (November 2013) ein aufschlußreiches Interview. Es ist wichtig, daß es noch Menschen wie Schacht gibt. Wir bringen einen Auszug:

ef: 1989 war der Kommunismus in Ihren Augen ein „Synonym für Schande“.

Schacht: Trotz allen Wissens um die gigantischen Verbrechen des systemisch gewordenen Kommunismus im 20. Jahrhundert, der in seinen letzten Reservaten wie Nordkorea oder den gemäßigten Varianten in Vietnam, Laos und Kuba immer noch sein Unwesen treibt, hat der Kommunismus im Westen, vor allem im Westen, immer noch nicht die Tiefenerschütterung in den Menschen ausgelöst, die notwendig wäre, um auch intellektuell so zu ihm auf Distanz zu gehen, wie es der Fall im Verhältnis zum Nationalsozialismus ist.

ef: Warum eigentlich?

Schacht: Das hat, pauschal gesagt, mit der ideologischen Kontaminierung der westlichen 68er und der ihr noch ausgelieferten Nachgeneration zu tun, von der Gerd Koenen vor vielen Jahren einmal sehr präzise gesprochen hat. Die westlichen Gesellschaften, besonders die deutsche Gegenwartsgesellschaft, kranken an dieser geistigen Vergiftung, auch wenn die damit verbundenen Entstellungen sich inzwischen als Normalität camouflieren. Wobei wiederum nur noch wenige der Beteiligten sagen würden, sie hingen irgendeinem kommunistischen Glauben oder gar System an. Er ist vielmehr in Gestalt der grün schillernden Antifa-Ideologie präsent, die ja inzwischen den dezidiert antitotalitären Grundkonsens der alten Bundesrepublik so gut wie abgelöst hat.

ef: Dazu passt, dass Sie kurz nach der Wende „kein Pardon für das Gesindel der Stunde“ forderten? Hat in Ihren Augen wenigstens eine Entstasifizierung stattgefunden?

Schacht: Eine „Entstasifizierung“, wie Sie das nennen, hat in einem gewissen Umfang durchaus stattgefunden; aber genau darin liegt das Problem: Es hat damit, provokativ gesagt, zwar keine Unschuldigen, aber vor allem die Falschen getroffen. Denn die eigentlichen Verantwortlichen der zweiten deutschen Diktatur, wenn es um ihre Verbrechen geht, waren natürlich die ideologischen und machtpolitischen Auftraggeber des Ministeriums für Staatssicherheit: die Funktionäre der SED. Aber da hat das bundesrepublikanische Establishment ja wie ein vollkommen verschreckter Gaul zurückgescheut: Was? Unsere Verhandlungs- und Gesprächspartner in den schönen Tagen der Entspannungspolitik vor Gericht stellen? Ihre Partei verbieten? Ihren Besitz beschlagnahmen, verkaufen und an die Opfer des Regimes auszahlen? Also das Selbstverständlichste vom Selbstverständlichen in einer solchen historischen Situation tun? Das sind aber Horrorvorstellungen nicht nur der damals führenden Sozialdemokraten gewesen, sondern auch von Kohl, vor allem aber von Schäuble — die wollten ja sogar alle Stasiakten vernichten, bevor die Opfer in sie hineingucken konnten. Ich hab das mal in kleinem Kreis mit Schäuble selbst diskutiert. Zuletzt lächelte er mir ziemlich zynisch entgegen und sagte nur noch: „Herr Schacht, wenn ich Ihre Biographie hätte, wäre ich auch dafür!“ Die Vernichtung jedoch konnte zum Glück verhindert werden. Und insofern, auch insofern, ist die Aufarbeitung der SED-Diktatur zwar publizistisch und wissenschaftlich erfolgt; aber eben nicht gesellschaftspolitisch. Stattdessen hat es die SED-Nachfolgeformation geschafft, dass die Antifa-Ideologie jetzt in die Hirne auch der genuin westdeutschen Parteien und ihrer Mitglieder eingedrungen ist.

ef: Ein ganz besonders sinniger Vereinigungsprozess…

Schacht: … der natürlich für Leute wie mich nur noch zum Kotzen ist!

ef: Sie warnen in vielen Ihrer Werke vor politischem Extremismus. Gibt es in Ihren Augen ein einendes Element der verschiedenen Gruppierungen, die sich ja oft gegenseitig bis aufs Blut bekämpfen?

Schacht: „Der Sinn von Politik“, sagt Hannah Arendt, „ist Freiheit“. Die Politik von Extremisten ist die Unfreiheit, ganz gleich unter welchem Befreiungssymbol und welcher Emanzipationsideologie auch immer sie an- oder auftreten. Die Unterscheidung ist ganz einfach; man muss sie nur machen. Und dann die Konsequenzen ziehen, als Individuum wie als Staat. Der Staat Bundesrepublik hat es einmal gekonnt: im Kampf gegen die RAF unter Helmut Schmidt. Da war die Bundesrepublik noch mein Staat. Der heutige Linksextremismus ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen, wenn es um seine anti-deutschen und anti-faschistischen Legitimationsmythen geht. Aber das hat auch seine kuriosen Seiten: Wenn man zum Beispiel CSU-Politiker beim Stammeln von Antifa-Sprech zuhört, weiß man doch zugleich, dass es ihnen bei den ganz harten „Antifaschisten“ rein gar nichts nützt. Ich finde das fast schon wieder „gerecht“.

ef: Welche aktuellen Tendenzen des politischen Extremismus machen Sie aus?

Schacht: Der einzige politische Extremismus, der Deutschland in seiner staatlichen Existenz zur Zeit bedroht, ist offenbar der EU-Extremismus einiger führender Politiker. Die immer wieder einmal behauptete Bedrohung der Republik durch den wirklich unappetitlichen Parteikadaver NPD ist natürlich eine ganz dünne Inszenierung. Aber auch deshalb wird diese Partei aus dem Quellgebiet des Verfassungsschutzes am Leben erhalten: Man braucht Statisten in einer Aufführung, die ablenken soll von den eigentlichen Bestrebungen, die verfassungsmäßige Ordnung endgültig zu suspendieren und in einer Art scheinlegalem Ermächtigungsprozess die Macht des deutschen Souveräns ein für allemal nach Brüssel zu überführen und damit auszuschalten…


PI hat bereits vor einem Jahr zwei Texte von Ulrich Schacht gebracht:

» Ulrich Schacht und Auschwitz als Tarnung für rote Faschisten!
» Linke Gesellschaftsveränderer landen immer im Blut!

Wir können diesen Schriftsteller, der Deutschland verlassen hat, nur empfehlen!