1

Im Gutachten gegen Khorchide steht:

Zwischen dem Leben Jesu und der Niederschrift durch die Evangelisten und erst recht den Briefen der Apostel bestanden nicht nur Jahrzehnte, sie fanden jeweils an verschiedenen Orten, zu verschiedenen Zeiten statt und waren an Adressaten verschiedener Hintergründe vornehmlich gerichtet. Zwischen den verschiedenen alttestamentlichen Büchern und ihrer Niederschrift lagen mutmaßlich sogar Jahrhunderte.

Ihre örtliche Entstehung erstreckte sich auf ein Gebiet, das in der West-Ost-Ausdehnung mindestens von der palästinischen Mittelmeerküste bis nach Mesopotamien, in den heutigen Irak, und auch in der Nord-Süd-Ausdehnung mindestens von Zentralsyrien bis ins heutige Saudi-Arabien reichte. Der Koran aber ist von Erzengel Gabriel vollständig und ausschließlich dem letzten Propheten und Gesandten Mohammed vermittelt worden, dies zudem in extrem kurzer Zeitspanne.

Die Herabsendung und Verkündigung der Offenbarung fanden mutmaßlich mit Mekka und Medina sogar im Wesentlichen an zwei Lokalitäten statt. Eine an der Theologie Bultmanns orientierte historisch-kritische Textanalyse käme dementsprechend bezogen auf den Koran für alle – auch für die sich auf den ersten Blick zu widersprechen scheinenden Verse – nahezu auf das gleiche Ergebnis. Die wissenschaftliche Aussagekraft wäre damit erstens nicht mehr gegeben und die historisch-kritische Kontextualisierung zweitens ad absurdum geführt.

Aber selbst die grundsätzlich mögliche graduelle Unterscheidung zwischen mekkanischen und medinensischen Suren könnte nicht den gleichen methodischen Stellenwert bekommen wie eine kontextuelle Gegenüberstellung verschiedener Bibelstellen beispielsweise aus den Apostelbriefen, bei denen selbst die Autoren eine verbale Inspiration für sich zurückwiesen.

Soweit Khorchide sich dennoch an historisch-kritischer Methodik Christlicher Theologen orientiert, beweist er damit, dass seine Methodik eben nicht darauf hinauszielt, die Islamische Theologie zu „modernisieren“, sondern bei einem majoritär dem christlichen Kontext entstammenden Publikum, dass mit der islamischen Lehre und Historie wenig vertraut ist, auf Akzeptanz zu treffen. Gerade an einer Institution wie der Westfälischen Wilhelms Universität Münster, in der bereits seit Jahrhunderten die Christliche Theologie eine bedeutende Stellung inne hat, scheint das legitime Ziel Khorchides darin zu bestehen, zu demonstrieren, dass die Islamische Theologie der Christlichen Theologie methodisch ebenbürtig ist oder zumindest sein kann. Dieses Ziel lässt sich jedoch nicht durch eine unreflektierte Antizipation der islamwissenschaftlichen oder christlich-theologischen Methoden, sondern nur über eigene islamtheologische Methoden erreichen, die bezogen auf die Islamwissenschaft ebenso wie auf das Christentum und die Christliche Theologie möglicherweise ungeeignet sind, jedoch garantieren, dass die Grundaussagen des Islam einerseits nicht zur Disposition stehen und andererseits in Beziehung zum Kontext der Gegenwart gebracht werden.

(Deutsch etwas wacklig, aber genau! Das gilt im Islam! Link zum Gutachten steht hier! Alles klar! Khorchide muß weg!)