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Protest vor der EKD-Zentrale in Hannover

„Kirchen brennen in Deutschland – Warum schweigt die EKD? – Warum schweigt Nikolaus Schneider?“ – mit diesem Plakat protestierte gestern eine Gruppe engagierter Christen vor der EKD-Zentrale in Hannover gegen das peinliche Schweigen der EKD-Führung zu den aktuellen Kirchenbrandstiftungen in Deutschland. Mit dem Pressesprecher der EKD kam es zu einem anregenden Meinungsaustauch.

(Von Tobias)

Wenn eine Moschee der DITIB niedergebrannt würde, würde die DITIB die Tat mit Sicherheit verurteilen – ganz gleich, ob die Täter bekannt sind oder nicht. Wenn eine jüdische Synagoge abgefackelt würde, würde der Zentralrat der Juden die Brandstiftung mit klaren Worten verdammen. Aber wenn eine evangelische Kirche abgebrannt wird, ist von den höchsten Repräsentanten der evangelischen Christen in Deutschland, dem Rat der EKD und ihrem Vorsitzenden Nikolaus Schneider, kein Pieps zu hören.

Warum ist das so? Warum fehlt über vier Monate nach der Niederbrennung der evangelischen Kirche von Garbsen noch immer ein offizielles Wort des Bedauerns von Seiten der EKD-Spitze? Kein einziges Wort der Trauer, des Entsetzens, der Erschütterung – nichts, rein gar nichts war bislang zu hören. Hinter den hohen Mauern der EKD-Zentrale in Hannover-Herrenhausen hüllt man sich zum Thema Garbsen in eisernes Schweigen.

Über die Gründe für dieses Schweigen lassen sich nur Vermutungen anstellen: Zu riskant vielleicht erscheint jede Kritik an der Tat, solange der Verdacht im Raum steht, bei den Tätern könnte es sich um türkische Gastarbeiter handeln. Solange dieser Verdacht besteht, könnte Kritik an der Brandstiftung leicht missverstanden werden als Kritik an den Brandstiftern – und den mitverantwortlichen Politikern. Mit einer Kritik an der Brandstiftung würde man sich also jede Menge politischen Ärger in sein edles Gemäuer holen – das weiß man auch in Herrenhausen. Statt mutig den Mund aufzumachen, wenn evangelische Kirchen in Deutschland abgefackelt werden, haben sich die Biedermänner der EKD-Spitze daher offenbar für die Taktik des Mundhaltens entschieden.

Diese Stillhaltetaktik der EKD-Führung hinterfragte am gestrigen Montag Mittag eine Gruppe engagierter Christen, darunter einige PI-Aktivisten, im Rahmen einer Mahnwache gegen Christenverfolgung, direkt vor der EKD-Zentrale in Hannover. „Kirchen brennen in Deutschland – warum schweigt die EKD? Warum schweigt Nikolaus Schneider?“ – so lautete die Aufschrift auf einem fünf Meter langen selbstgemalten Stoffplakat, das von den Demonstranten präsentiert wurde.

Zur allgemeinen Überraschung zeigte sich nach stundenlangem Ausharren im hannoverschen Nieselregen gegen Mittag der Pressesprecher der EKD, um das Gespräch mit den Demonstranten zu suchen – das war anerkennenswert. Es entwickelte sich ein lebhafter Meinungsaustausch: über Kirchenschändungen und Kirchenbrandstiftungen, über „ausländische Jugendliche“ und das Selbstverständnis der EKD: Versteht man sich nur als Verein zum Einsammeln von Spenden für „Brot für die Welt“, oder besitzt man auch eine politische Schutzfunktion für die evangelischen Christen in Deutschland, hat man also nicht sogar die politische und moralische Pflicht, sich zu Wort zu melden, wenn evangelische Kirchen brennen? Für die Aktivisten besonders interessant: Auch in der EKD-Zentrale in Hannover liest man PI. Die mehrfachen PI-Artikel zur beschämenden Mundhaltepolitik der EKD-Führung nach der Niederbrennung der Kirche von Garbsen sind bekannt.

In der Sache kam man sich trotzdem nicht näher. Warum es über vier Monate nach der Brandstiftung in Garbsen immer noch keine offizielle Presseerklärung der EKD-Führung gibt, in der diese abscheuliche Tat mit klaren Worten verurteilt wird, und warum sich EKD-Chef Nikolaus Schneider seit Monaten um dieses heiße Thema herumdrückt, konnte den Teilnehmern der Mahnwache auch der EKD-Pressesprecher nicht erklären.

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