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Bopfingen: Moscheepläne überraschen die Stadt

Bopfingen ist eine Stadt im Ostalbkreis im äußersten Osten von Baden-Württemberg und hat 11.810 Einwohner. Bopfingen hat Kultur, Tradition und bereits eine DITIB-Moschee. Doch das ist nicht genug. Der türkische Kulturverein will eine weitere Moschee im Stadtkern bauen. Die muslimische Umma will jetzt schließlich auch leben wie Gott in Frankreich. Auf dem Areal des ehemaligen Kinos in der Nördlinger Straße (Foto) soll ein neues Gebetshaus mit Minarett sowie eine Versammlungsstätte und weitere Gruppenräume entstehen. Das war so aber nicht geplant. Die Verantwortlichen im Rathaus sind „not amused“.

Das jetzige Gebetshaus in der Bachgasse ist für die aktuell rund 230 aktiven Vereinsmitglieder zu klein. Der Verein sieht sich seit langem schon nach größeren Räumlichkeiten um und hat im März 2013 das alte Kino in der Nördlinger Straße gekauft. Jetzt soll dort ein komplett neues Gemeindezentrum für die türkischen Bürger in Bopfingen entstehen.

Kernstück ist eine neue Moschee. Das neue, zwei- bis dreistöckige Gebetshaus soll inklusive Minarett eine Gesamthöhe von 16 Metern haben. „Im Gebetsraum im Inneren der Moschee soll im Erdgeschoss ein Männerbereich mit einer Gesamtfläche von 180 Quadratmetern entstehen. Im ersten Obergeschoss schließt dann der Frauenbereich mit rund 130 Quadratmetern Fläche an“, erklärt Zafer Özdemir aus Bopfingen, der die Pläne zur Gestaltung des Moscheeinneren entworfen hat.

Im ehemaligen Kino, das gerade von freiwilligen Helfern entkernt wird, will der Kulturverein neue Gemeinschaftsräume inklusive einer Großküche bauen. Im ehemaligen Zahnarztgebäude nebenan wird eine Wohnung für den Imam hergerichtet. Auf dem zusätzlich erworbenen Areal der Firma Hilkert sollen 23 neue Stellplätze entstehen.

Finanziert wird das geschätzt eine Million Euro teure, neue muslimische Gemeindezentrum allein durch Spenden und Beiträge der Vereinsmitglieder. Ein Großteil der Kosten soll durch Eigenleistungen der Mitglieder der türkischen Kommune abgedeckt werden.

„Zuschüsse von Seiten der Ditib gibt es keine“, sagt Önder Üstün, Mitglied im Vorstand des türkischen Kulturvereins. Mit den aktuell vorgelegten Plänen hat der türkische Kulturverein die Stadtverwaltung überrascht. „Es war schon immer im Gespräch, dass wir ein Gebetshaus bauen wollen. Es war auch von Anfang an die Alternative im Gespräch, das Kino zum Versammlungsraum umzubauen. Wir brauchen einen solchen Raum, wo wir uns vor und nach dem Gebet treffen können. Ansonsten hätten wir die Moschee höher bauen müssen. Das wollten wir mit Rücksicht auf die Anwohner nicht“, sagt Üstün.

Größere Veranstaltungen sollen dort nicht stattfinden. „Es war zu keinem Zeitpunkt geplant, dort Hochzeiten zu feiern. Von Seiten unseres Vorstandes war das nie im Gespräch und kann nur als Gerücht bezeichnet werden“, meint Üstün, der betont, dass die Räume nur religiösen Veranstaltungen dienen sollen. Zum Beispiel dem Fastenbrechen an Ramadan. Zwischenzeitlich hat die Stadt auf die gesamte Baufläche eine Veränderungssperre gelegt. Jegliche bauliche Veränderung oder ein Abriss sind ohne Zustimmung des Bauamtes im Rathaus nicht erlaubt.

Jetzt ist die Stadt überrascht: Das Gebetshaus soll nun auf einmal doch umfangreicher werden als geplant. Die Schwäbische Zeitung berichtet:

Mitte vergangener Woche hat der türkische Kulturverein Bopfingen die ersten konkreten Pläne für den Neubau einer Moschee in der Stadt vorgelegt. Aufgrund formaler Fehler hat die Stadtverwaltung das Baugesuch zurückgewiesen.

„Das ist richtig, uns wurde ein entsprechendes Baugesuch durch den türkischen Kulturverein zugestellt. Allerdings hat auf den Plänen die Unterschrift eines verantwortlichen Architekten gefehlt. Aufgrund dessen mussten wir das Baugesuch zurückweisen“, sagt Bürgermeister Dr. Gunter Bühler. Das Bopfinger Stadtoberhaupt zeigt sich überrascht über die neuen Pläne. „Bislang sind wir immer vom Bau eines Gebetshauses ausgegangen. Gegen dieses Vorhaben kann man im Grunde auch nichts haben. Allerdings verwundert uns jetzt die Nachricht über weitere geplante Nutzungsabsichten des Bauherren. Wenn es dort künftig noch Veranstaltungen, Feste und mehr Aktivitäten als nur die des Gebets geben soll, dann sehe ich den jetzigen Standort als problematisch an“, sagt Bühler.

Die vorgesehene Baufläche liegt im Stadtkern und ist als Mischgebiet ausgewiesen, das heißt, für Wohn- und Industrienutzung vorgesehen. „Diese jetzt avisierte intensive Form der Nutzung war uns bis dato nicht bekannt“, sagt Bühler. Die aktuellen Planungen sind anders, viel größer und umfangreicher. Die CDU-Fraktionsschefin Gisela Knobloch hofft auf eine rasche Aufklärung durch den türkischen Kulturverein. „Mitglieder des Vereins, unter anderem auch die Frauen, haben bereits Kontakt zu mir aufgenommen und baten um ein Gespräch mit mir. Ich begrüße ausdrücklich die Aufnahme eines Dialogs. Nur so können wir die Dinge auf einen Nenner bringen“, meint Knobloch.

Auch Gemeinderätin Andrea Ziegler ging bislang von ganz anderen Voraussetzungen aus. „Das hat mit den ursprünglichen Plänen und Informationen zum Neubau einer Moschee in Bopfingen nichts mehr zu tun. Ich bin überrascht über die Dimension des Bauvorhabens. Sicher werden wir in den hoffentlich nun stattfindenden Gesprächen mit allen Beteiligten nach Kompromissen suchen müssen“, sagt Ziegler.
Die Verantwortlichen im Rathaus und die Bürgervertreter wollen alle Betroffenen mit ins Boot holen. Mittlerweile ist auch das Kreisbauamt tätig geworden. „Nach meinem neuesten Kenntnisstand ist Kreisbaumeister Alfons Hug an der Ausarbeitung eines detaillierten Fragekatalogs an die Bauherren. Dieser wird uns anschließend dabei helfen, das Bauvorhaben richtig einzuordnen“, meint Bühler.

Schön für die Bopfinger, dass sie jetzt eine „richtige“ Moschee bekommen. Das ist gut für den Tourismus. Und ist erst mal das Minarett da, das die Landnahme der Türkei auf deutschem Boden dokumentiert, dann wird auch bald der Muezzin krähen. Und wenn der Muezzin ruft, dürfen keine Kirchenglocken mehr läuten. Herzlichen Glückwunsch, liebe Bopfinger! (VB)