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Diskussionsrunde ohne Diskussion

Professor Dr. Wolfgang Reinbold (Foto r.) hat unlängst der Ahmadiyya-Sekte, die in Buxtehude eine Moschee bauen will, eine Unbedenklichkeitserklärung ausgestellt (PI berichtete). Gegenüber der Kreiszeitung äußerte er sich ungewöhnlich lobend über den Bauherren, die Gemeinde der muslimischen Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ): „Das ist eine freiheitsliebende und dem Fortschritt zugewandte Gruppe.“ Für Reinbold steht außer Frage, dass die AMJ für einen friedlichen Islam und damit „auf dem Boden der Verfassung“ stehe. Der Theologe hat viele Diskussionsrunden zum Thema Christentum und Islam absolviert, und er sagt auch: „Es gibt Punkte, die man kritisch sehen kann.“

(Von rotgold)

Eine solche „Diskussionsrunde“ fand am 6. Februar 2014 im Haus der Religionen in Hannover statt (siehe Video am Ende dieses Beitrags). Um es vorweg zu sagen, es spricht fast nur Reinbolds „Diskussionspartner“, der Sprecher der deutschen Ahmadiyya, Dr. Mohammad Dawood Majoka, während sein mitgebrachtes Weibchen dazu mit dem Kopf nickt und Reinbold geduldig auf seinen Einsatz wartet. Majoka beginnt seinen Vortrag wie folgt:

„Das ist eben die Frage, ja, wie diese Verse über Dschihad und Krieg usw. Es gibt da mehrere Interpretationen. Das ist ja eben das, was wir als Reformgemeinde sagen: Die Verse des heiligen Korans sind im Einklang mit der Vernunft zu interpretieren, ja? Und genauso wie diese Verse mit dem Krieg usw. Die Ahmadiyya Muslim Jamaat sagt, und das sagen auch alle anderen Muslime, die handeln aber leider nicht danach: Das Beispiel eines Moslems, so wie es im Koran steht, ist der heilige Prophet (…) selbst. Und dann für uns als Ahmadiyyas der Gründer unserer Gemeinde. Wenn man das Leben der beiden betrachtet, so sieht man, dass sie beide niemals eine Frau geschlagen haben, sie haben niemals zugelassen, dass jemand seine Frau schlägt usw.

Ein Idyll. Ob es überhaupt so war, wissen wir nicht. Aber darf man das so stehen lassen, bei einem Propheten, der einen Nebenbuhler foltern und ermorden ließ, um anschließend dessen Witwe zu „heiraten“? Der eine Sechsjährige heiratete, um Sex mit ihr zu haben, als sie neun war? Was ist mit den seelischen Schmerzen dieser Frau, dieses Kindes? Reinbold nimmt die Ausführungen seines Gesprächspartners in Demut hin und lässt ihn weiter dozieren:

„Die Frage ist nur, wie interpretiert man diese Verse? Und da gibt es verschiedenene Interpretationen, die von diesem Vers also gemacht worden sind in der Geschichte des Islam. Unter anderem z.B. hier ist im Plural die Rede. Und deshalb ist damit eine Gesellschaft gemeint, und nicht der Mann, also nicht der Ehemann, oder Vater oder Sohn etwa, sondern die Gesellschaft, das heißt die Regierung darf dann eben bestimmte Maßnahmen ergreifen usw.“

An dieser Stelle der „Diskussion“ geht es offensichtlich um Sure 4, Vers 34 des Koran. Dort steht geschrieben:

Und jene, deren Widerspenstigkeit ihr befürchtet: ermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie!

Majoka gibt vor, dass hier Männer nicht gemeint sein können, weil „im Plural“ die Rede ist, also „Schlagt sie!“ Seiner Interpretation nach muss deshalb die Gesellschaft gemeint sein, die „dann bestimmte Maßnahmen ergreifen“ soll. Auch hier drängen sich bestimmte Fragen geradezu auf:

1. Tauchen Männer niemals im Plural auf? Schlagen sie niemals zusammen, Bruder und Vater, gegen die Tochter? Oder als „die Männer“ einer Gesellschaft?

2. Und wenn es „die Gesellschaft“ ist, die schlagen soll, was macht denn das besser? Was sind denn „bestimmte Maßnahmen“? Und vor allem:

3. Wofür werden hier Strafen angedroht? Was verbirgt sich hinter der „Widerspenstigkeit“ der Frau? Gibt es auch eine „Widerspenstigkeit“ von Männern? Gibt es dagegen auch „bestimmte Maßnahmen“?

Reinbold sieht keinen Grund einzuhaken, er fragt nicht nach und widerspricht auch nicht, schon gar nicht im „Klartext“, und Majoka wechselt zum eigentlichen Thema, „Hand abhacken“:

„Und welche Umstände das sind, überhaupt das Schlagen als Schlagen zu verstehen, ist, es gibt zum Beispiel einen Vers, wo es heißt, man darf oder sollte bei einem Dieb die Hand abhacken, ja? Genauso gibt es aber einen Vers in dem Koran selbst, wo es heißt: Als Yussuf, – also der Joseph, in der biblischen Geschichte – zu den Frauen kam, haben die Frauen ihre Hände abgehackt. Das gibt es auch, diesen Vers. Damit ist natürlich nicht gemeint, die haben nicht wirklich abgehackt, sondern bedeutet ‚etwas verhindern‘ oder dann verhindern, dass etwas gemacht wird. Also es wird interpretiert…

An dieser Stelle nun kommt endlich Reinbold ins Spiel, aber, weiß Gott, nicht mit Widerspruch. Prof. Dr. Reinbold hat die Stelle gefunden, die er sucht, die „Metapher“, und unterstützt von jetzt an Majoka aktiv in seinen Ausführungen:

Reinbold: „Sie verstehen das als Metapher, als Bild für, man soll es nicht tun, im Grunde…“

Majoka: „Ja genau. Und deshalb, also, man kann das mit verschiedenen Maßnahmen verwirklichen, Gefängnisstrafen, dies, das, also für die Diebe zum Beispiel oder für die Frau [!], die bestimmte Sachen getan hat usw. Also, es gibt verschiedene, eine Reihe von Interpretationen. Grundsatz ist aber, dass das Leben des Propheten und für uns Ahmadyiis das Leben des Gründers unserer Gemeinde, maßgeblich sind. Und beide haben, weder selber jemals eine [wiederholtes zustimmendes Nicken von Reinbold] Frau geschlagen, noch haben sie zugelassen, dass andere das tun und noch haben sie das jemals erlaubt. Von daher interpretieren wir diese Verse metaphorisch…“

Nun wissen wir aus der Bibel, dass auch Jesus geraten hat, eine Hand abzuhacken, bevor sie etwas Böses tun kann (Matthäus 5, 30), es gibt also durchaus die Möglichkeit, so etwas metaphorisch zu verstehen.

Was aber, wenn es in einer Vielzahl von Fällen nicht so geschieht und die direkte Interpretation gewählt wird? Wäre es nicht Aufgabe einer ehrlichen Diskussion, auch hier abschließend nachzufragen, wie oft es zu solchen „Missverständnissen“ kommt und warum?

Viele Fragen bleiben nach dieser „Diskussion“ offen. An einer Stelle blitzt (Selbst-)Kritik auf, ganz kurz (0:44), ansonsten ist es reinste Propaganda für Ahmadiyya, die Reinbold hier besorgt.

Der Zuschnitt dieses Videos (aus der Sendereihe „Religionen im Gespräch“) und seine Länge wurden von Dr. Reinbold festgelegt. Er wollte weder mehr Kontext noch mehr Nachfrage. Was wir hier von ihm sehen, ist für den promovierten Theologen, den die Kreiszeitung-Wochenblatt ihrern Lesern als objektiven Experten verkaufen will, also „Klartext“.