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Irak: Frauen demonstrieren gegen neues Gesetz

irak-Es mag nur ein Anfang sein, aber so manch kleiner Funke wurde schon zum Flächenbrand. Am Internationalen Tag der Frau nahmen eine Hand voll Irakerinnen all ihren Mut zusammen gingen gegen ein Schariagesetz, das auf den Weg gebracht werden soll, auf die Straße. „An diesem Tag der Frauen sind irakische Frauen in Trauer“, riefen die Demonstrantinnen. Denn ab nun soll im Gesetz verankert werden, dass Mädchen mit neun Jahren verheiratet werden können und der Vater das alleinige Sorgerecht über seine Kinder erhält.

„Wir glauben, dass dies ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist“, sagte Hanaa Eduar, eine prominente irakische Menschenrechtsaktivistin und Frauenrechtlerin. „Es würde Mädchen ihres Rechtes auf eine normale Kindheit berauben.“

Schon seit dem Sturz von Saddam Hussein im Jahr 2003 versuchen die Schiiten die Scharia Schritt für Schritt und mit Nachdruck als alleinige Gesetzgebung durchzusetzen.

Das aktuelle irakische Recht beinhaltet auch Rechte der Frauen in Bezug auf Ehe-, Erb- und Sorgerecht, und zählte bisher als eines der fortschrittlichsten im Nahen Osten. Den Koranhörigen aber ist das ein Dorn im Auge, denn sie meinen, dass die gegebenen Gesetze das für sie gültige Schariagesetz eben verletzten. Argumentiert wird in typisch islamischer Tradition, unter Verdrehung der Tatsachen. Hussein al-Mura’abi ein schiitischen Politiker und Parteichef der Fadila sagt, dass das eben „der Kern der Freiheit“ wäre, dass jeder das Recht habe, seinen „persönlichen Status in Übereinstimmung mit den Instruktionen seiner Religion und der Doktrin“ zu regeln.

Das ist ja wohl so ziemlich das Gegenteil von Freiheit, zumindest für all jene, die sich dieser Doktrin nicht unterwerfen wollen.

Der Gesetzesentwurf wider die Rechte von kleinen Mädchen und Frauen von Justizminister Hassan al-Shimari, einem Mitglied der schiitischen islamistischen Partei Fadila, wurde am 25. Februar vom Kabinett gebilligt. Nun muss er vom Parlament überprüft werden. Aber es ist anzunehmen, dass man damit bis nach den nationalen Wahlen am 30. April warten wird, um sich davor den lautstarken Widerstand der Säkularen zu ersparen.

Wie das ausgehen wird, ist nur unschwer zu erraten. Den irakischen kleinen Mädchen ist nur zu wünschen, dass die Frauen stärker werden und auch zunehmend, wie oben im Bild von der Demonstration zu sehen, von Männern unterstützt werden, damit sich irgendwann gesunde gesellschaftliche Werte gegen die Schariagesetzgebung durchsetzen.