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Putin-Unterstützer soll in München nicht dirigieren

Der russische Dirigent Valery Gergiev (Foto l.) ist ein weltweit anerkannter und begehrter Künstler. Gergiev ist Chef des berühmten Marinsky-Theaters in St. Petersburg, Leiter des renommierten London Philharmonic Orchestra und soll ab 2015 Chefdirigent der Münchner Philharmoniker werden, was für diese mindestens ebenso ehrenvoll ist wie für den russischen Maestro. Erwähnt sei außerdem, dass so prominente Sängerinnen wie Anna Netrebko ihre Karriere nicht zuletzt Gergiev verdanken.

(Von Wolfgang Hübner, Frankfurt)

Die Musikjournalistin Eleonore Büning ist international weit weniger gefragt, hat aber dafür eine starke Stellung im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Sie darf für die FAZ quer durch Deutschland und Europa Opern- und Konzerthäuser besuchen und darüber in langen, oft durchaus fachkundigen und lesenswerten Artikeln berichten. Politisch ist Frau Büning grün-linksliberal einzuordnen, sie liebt das moderne Regietheater auf den Opernbühnen und hat eine erkennbare Abneigung gegen alles, was als traditionell und konservativ betrachtet werden könnte.

Nun hat Frau Büning am 14. März 2014 einen denunziatorischen Artikel mit der Überschrift „Er schließt seinen Pakt mit der Macht“ auf der Titelseite des FAZ-Feuilletons veröffentlicht. In dem Text greift die Musikjournalistin Gergiev wegen dessen Unterstützung der russischen Regierung und des Präsidenten Putin in der Ukraine-Krise scharf an. Büning fordert unverblümt die Auflösung des Vertrags der Stadt München mit dem künftigen Generalmusikdirektor. Dabei vergisst die FAZ-Schreiberin nicht zu erwähnen, Gergiev habe sich ohnehin bereits um eine eindeutige Stellungnahme zu dem angeblichen „Anti-Schwulen-Gesetz“ in Russland gedrückt.

Offenbar war schon das für Büning ein unverzeihlicher Verstoß gegen die „Politische Korrektheit“, in deren engen Grenzen Journalisten wie sie ihr Berufsleben fristen. Gergievs Unterschrift unter eine Erklärung von rund dreihundert russischen Künstlern zur Unterstützung der Moskauer Führung in der Ukraine-Krise hat nun Bünings grün-linksliberale Toleranzgrenze endgültig überschritten und sie giftet: „Beschworen wird die Treue zu Schicksal, Volk, Gemeinschaft, Wurzeln, Zukunft, zur Stärke der Nation.“

Mit – sicher unfreiwilliger – Offenheit zählt Büning alles auf, was ihr und ihresgleichen, also sicher 70 bis 80 Prozent aller sogenannten Medienschaffenden in Deutschland zutiefst zuwider ist: „Treue“ (igitt!!) „Schicksal“ (alles ist machbar!), „Volk“ (kann nur faschistisch sein!), „Gemeinschaft“ (kann auch nur faschistisch sein!), „Wurzeln“ (die reißt man/frau nur ganz schnell raus!), „Zukunft“ (was kümmert uns die!), „Stärke der Nation“ (schon wieder faschistisch!!)

Folglich charakterisiert Büning den politischen Übeltäter Gergiev so: „Dieser Mann ist ein Selbstherrscher, ein Glanz, sein Wille geschehe.“ Mit anderen Worten: In Russlands Politik regiert, wie Büning schreibt, „Zar Putin“, in Russlands Musik, das schreibt sie so nicht, meint sie aber, „Zar Gergiev“. Die FAZ-Journalistin hat allerdings weder Macht über Russlands Politik noch über Russlands immer noch vorbildliches Musikleben, dem deutsche Opernhäuser und Orchester so viele großartige Künstler zu verdanken haben. Frau Büning hat jedoch Macht im deutschen Gesinnungsimperialismus, von dem sie mit der arrogant-selbstherrlichen Attitüde ihrer geistig verwahrlosten Zunft auch reichlich Gebrauch macht.

Allerdings ist Büning zu feige, sich eindeutig allein zu ihrer Anmaßung zu bekennen, die Wirkungsmöglichkeit bedeutender Künstler wie Gergiev von deren politischer Meinung abhängig zu machen. Deshalb bemüht die Journalistin am Ende des widerwärtigen Dokuments einer Denunziation, die tatsächlich jedoch die Selbstdenunziation von Bünings zutiefst intoleranter Gesinnung ist, den ansonsten so verachteten Mob: „Zu Recht fragen Münchens Musikfreunde auf Facebook: Kann dieser Mann nicht einfach mal nur dirigieren? Nein. Das kann er offenbar nicht.“ Damit ist die bundesdeutsche Hatz auf Valery Gergiev eröffnet. Der Verfasser dieses Textes geht jede Wette ein, dass Gergiev schon sehr bald seinen Vertrag von der Stadt München gekündigt bekommt.