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Bonnerin aus Liebe zur Dschihadistin geworden

Am Montag, dem 31. März 2014, um sechs Uhr wurde die deutsch-polnische Familie Rafalska um sechs Uhr morgens unsanft aus dem Schlaf gerissen, als bewaffnete und mit Schutzwesten bekleidete Männer der GSG 9 in die Wohnung stürmten und die 25-jährige Tochter Karolina wegen des Verdachts der Unterstützung der ausländischen terroristischen Organisation „Islamischer Staat im Irak und Großsyrien (ISIGS)“ verhafteten und zusammen mit dem 18-Monate alten Sohn Luqman die Fahrt zum Bundesgerichtshof in Karlsruhe antraten (PI berichtete). Die Mutter war entsetzt und fassungslos.

(Von Verena B., Bonn)

Wie der FOCUS nun anhand abgehörter Telefonate herausfand, hatte die junge Muslimin (k)ein erstaunliches Motiv für ihr Handeln: Aus Liebe zahlte die gebürtige Polin ihrem Mann, von dem sie sich inzwischen getrennt hat, neue Waffen für den „Heiligen Krieg“ in Syrien und überwies zu diesem Zweck 4.800 Euro. Geld, das die Familie eigentlich für den Erwerb einer Ferienwohnung mit Palmen in der Türkei gespart hatte.

Im Herbst 2013 hatte Ehemann Fared S. die Wohnung in Bonn verlassen und war in den Dschihad gegen das Assad-Regime in Syrien gezogen. Im Dezember hatte sich der 25-jährige Deutsch-Algerier den Ermittlungen zufolge den berüchtigten ISTIGS-Einheiten angeschlossen. Versprochen hatte Fared S. außerdem, dass die Freundin „Stücke meines Körpers im Internet sehen“ werde.

Weiter informiert der FOCUS:

Höchst brutale Gruppierung

Die Aktion ist Teil einer Offensive der deutschen Justiz gegen die wachsende Unterstützung der IStIGS-Milizen durch deutsche Salafisten. Den Traum von der Errichtung eines islamischen Kalifats auf syrischem Boden verfolgt die Gruppierung auf höchst brutale Weise: Sprengstoff- und Selbstmordanschläge, Folterungen, Massenerschießungen, ethnische Säuberungen gegen die andersgläubige Zivilbevölkerung im Norden gehören ebenso dazu, wie der Kampf gegen gemäßigte Rebellentruppen.

So sollen IStIGS-Kämpfer Anfang Dezember 2013 Dutzende Kurden aus der Stadt Minbej in der Provinz Aleppo entführt haben. In der Provinz Latakia drangen die militanten Islamisten in zehn alawitische Dörfer ein und töteten 150 Einwohner.

Selbst Al-Qaida missfallen die Aktionen

Inzwischen distanzieren sich selbst die Al-Qaida-nahen Brigaden „Jabhat al-Nusra“ von den Gräueltaten der islamistischen Konkurrenten. Sogar der Chef des Al-Qaida-Terrornetzwerks Ayman Al-Zawahiri hat das Vorgehen der IStIGS in Syrien inzwischen in einer Erklärung scharf kritisiert.

All dies tut dem Nimbus der Terrortruppe in Westeuropa keinen Abbruch. Im Gegenteil. Mit Sorge verfolgen deutsche Sicherheitsbehörden den wachsenden Zulauf zu den großsyrischen „Gotteskriegern“. Inzwischen sollen sich bereits 300 deutsche Fanatiker dem Dschihad in der Levante angeschlossen haben, viele von ihnen gingen zur IStIGS. Vor diesem Hintergrund hatte Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) am 6. Januar die hiesigen Justizbehörden ermächtigt, gegen deutsche Helfer und Unterstützer der IStIGS zu ermitteln.

Bonn – Hotspot der Muslime

Bonn gilt seit langem als Hotspot für radikale Muslime. Da es viel einfacher ist über die Türkei nach Syrien zu gelangen als in andere Dschihad-Regionen wie Afghanistan/Pakistan oder Somalia, zieht es auch viele junge Eiferer aus dem Rheinland inzwischen ins Krisengebiet in der Levante. Dazu zählt auch der Mann der inhaftierten Bonnerin Karolina R.. Laut Bundesanwaltschaft unterstützte die junge Frau den „Heiligen Krieg“ ihres Mannes mit 4800 Euro. Dies geht nach FOCUS-Online-Informationen aus abgehörten Telefonaten der Eheleute hervor.

Im Herbst 2013 hatte der Ehemann Fared S. die Wohnung in Bonn verlassen und war in den „Heiligen Krieg“ gegen das Assad-Regime in Syrien gezogen. Im Dezember hatte sich der 25-jährige Deutsch-Algerier den Ermittlungen zufolge den berüchtigten ISTiGS-Einheiten angeschlossen. Anfang Januar erreichte Karolina R. die Nachricht, dass ihr Mann und etliche Mitstreiter Truppen der gemäßigten Freien Syrischen Rebellenarmee in die Hände gefallen seien.

Für die Mutter von Karolina Rafalska ist das alles ein Drama: Sie ist sicher, dass ihre Tochter nichts mit der Salafistenszene zu tun hat. Karolina sei keine Terroristin, das sei alles Quatsch, sagte sie dem Bonner General-Anzeiger. Ihre Tochter sei zwar vor vier Jahren zum Islam konvertiert und habe sich dann auch streng islamisch gekleidet, aber radikale Ansichten habe sie nicht vertreten, so wie das die Lehrer des Robert-Wetzlar-Berufskollegs behaupten, das Karolina besuchte.

Mutter und Tochter verstanden sich gut, auch als sich Karolina von ihrem muslimischen Mann trennte und in die elterliche Wohnung zurückkehrte. Sie wollte nach dem Abitur eigentlich Sozialpädagogik studieren, entschied sich dann aber dafür, bei ihrem Kind zu bleiben und gleichzeitig den Beruf der Dschihadistin zu ergreifen, um so Job und Familienleben besser miteinander vereinbaren zu können.

Jetzt ist das Leben von Mutter Rafalska zerstört und sie kann nachts nicht mehr schlafen, und daran sind die Polizisten schuld. „Sie haben nicht nur unseren Computer, sie haben unser ganzes Geld mitgenommen“, jammert sie. „Außerdem haben sie hier ganz viel durcheinandergebracht.“ Alles ist unordentlich in der Wohnung des Mehrfamilienhauses.

Wir sind ganz sicher, dass Rafalska, die auf gar keinen Fall in der Zeitung stehen wollte, sofort psychologische Betreuung erhält, damit sie über den schweren Schock hinwegkommt, den ihr die deutschen Behörden versetzt haben. Sicher klärt sich das Missverständnis bezüglich Karolina mithilfe der vom Ex-Terroristen und jetzt zum Salafismus konvertierten Falk bezahlten Anwälte bald auf und die Familie bekommt ihr Geld zurück. Dann können die Rafalskas endlich ihre Ferienwohnung kaufen und sich in der Türkei erholen. Nach all diesen Aufregungen hat sich die Familie das ja wohl auch redlich verdient!