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Spiegelreporter nach Erdogankritik bedroht: „Wir schneiden Dir die Kehle durch!“

scher_dich_zum_teufel_spiegel [1]Wie wenig die Türkei in die zivilisierte westliche Welt zu passen scheint, beweist dieser Tage nicht nur der Umgang Erdogans und seiner Schergen mit den Hinterbliebenen und Opfern des Grubenunglücks in Soma [2], sondern auch die Art und Weise, wie auf öffentliche, berechtigte Kritik daran reagiert wird. Der Spiegelreporter Hasnain Kazim (Foto) wird seit Veröffentlichung seines Artikels: Grubenunglück in der Türkei: „Scher dich zum Teufel, Erdogan!“ [3], wo er einen Bergmann in Soma zitiert hatte, mit dem Tod bedroht.

(Von L.S.Gabriel)

Hasnain Kazim gab in seinem Spiegelartikel sehr plastisch wieder, was sich vor Ort zugetragen hatte, die Verzweiflung der Angehörigen, die Wut der Bergleute über die Zustände und das Entsetzen über den Umgang der Regierungstruppen mit den geschockten Menschen in Soma.

Hasnain Kazim [3] schrieb:

[..] Alle paar Minuten ein neuer Toter. Die Zahl 238, die noch am Nachmittag verkündet wurde, als Premierminister Recep Tayyip Erdogan vor Ort war, gilt schon lange nicht mehr. Es müssen viel mehr Leichen da unten sein.

Ansonsten ist es ruhig am Bergwerk. Die meisten haben die Rede von Erdogan gehört. „Ich bin zu geschockt von der Situation, deshalb habe ich die Rede nur mit einem Ohr gehört“, sagt ein geretteter Arbeiter. „Aber was ich gehört habe, scheint ziemlicher Unsinn gewesen zu sein.“ Andere pflichten ihm bei. Einer sagt: „Ich hätte so etwas bis jetzt nicht geäußert, aber nun möchte ich Erdogan nur sagen: Scher dich zum Teufel!“ Ihnen stößt auf, dass Erdogan versucht hat, die Katastrophe herunterzuspielen, als sei so etwas normal in Bergwerken.

Ein paar Festnahmen gab es weiter oben, es waren aufgebrachte Demonstranten. Für Verärgerung sorgt, dass die Polizei mit großen Transportern anrückt, mit Helmen und Schutzschilden. „Vermutlich haben die auch Tränengas dabei“, sagt Metin, ein Elektriker aus dem Ort. Im ganzen Land kommt es zu Demonstrationen, auch woanders kommt es zu Festnahmen. Die Menschen hier, an der Grube, verstehen das nicht. „Dürfen wir unserer Trauer und unserer Wut nicht Ausdruck verleihen?“

Kazim hatte anfänglich auf die aufkeimende Kritik mit einem auch ins Türkische übersetzten Bericht auf „Spiegel Online“ reagiert. Daraufhin warf ihm, das Regierungspropagandablatt „Yeni Safak [4]“ vor, Erdogan zu beleidigen. In türkischen Nachrichtensendungen wurde er als „jüdischer Feind“ Erdogans bezeichnet.

Seither wird er mit Hassmails und Todesdrohungen via Twitter und Facebook überschüttet. Die Blindwütigen schieben das Zitat des Bergmannes dem Autor unter und benutzen es, um ihn als Verräter, Hetzer und Nazi zu diffamieren. Schon während der Proteste rund um den Istanbuler Gezipark [5] war von regierungsnahen Kreisen eine wahre Hatz auf kritische Berichterstatter ergangen, weiß Kazim. Unter dem Hashtag #ScherDichZumTeufelDerSpiegel gibt es eine richtige Kampagne gegen den Autor und den Spiegel. Mehr als 10.000 Einträge in den sozialen Netzwerken lassen sich mittlerweile finden. Drohungen nach bester Islamtradition wie „Wenn wir Dich auf der Straße sehen [6], schneiden wir Dir die Kehle durch“, sind fixer Bestandteil dieser Hetzkampagne. Auch ein Bild Angela Merkels in Nazipose [7] am mit einem Judenstern versehenen Spiegelcover wird weiterverbreitet. Selbst wenn einige sich bloß freuen, dass der linke Spiegel selber einmal Opfer einer solchen Hexenjagd wird ist dennoch an der Art und Weise zu erkennen wes Geistes Kinder dahinter stehen.

Der Journalist selber vermutet organisiertes Vorgehen hinter all den Anfeindungen: „Das sieht man auch daran, dass einige Twitter-Accounts nur mir folgen und sonst keine Kontakte haben“, folgert er.

Am kommenden Samstag, den 24.5.2014 tritt Erdogan in der Kölner Lanxess-Arena auf. Ob die 300 Security-Kräfte, den Despoten vor Anfeindungen zu schützen, ausreichen werden, darf bezweifelt werden. Der Islamofaschist, auf dessen Besuch ein Großteil der Deutschen und mittlerweile wohl auch so mancher Türke gut verzichten könnte, wird wohl mit hohem Steuermittelaufwand abgeschirmt werden müssen.

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