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Das Schweigen der Frankfurter Lämmer

Frankfurts Kulturdezernent Felix Semmelroth (l.), CDU, und der neue Rektor der Städelschule, Philippe PirotteAuf wenig anderes ist das offizielle Frankfurt so stolz wie auf sein Kulturleben und die multikulturelle Toleranz, die in der Stadt der Banken herrsche. Doch ist das eine mit den üppigsten Subventionen aller deutschen Städte faktisch erkauft, so ist die vielbeschworene multikulturelle Toleranz in der „Vielfalt“-Metropole für die immer aggressiver auftretenden islamistischen Kräfte das ideale Umfeld zum weiteren Erproben ihres Machtanspruchs.

(Von Wolfgang Hübner, Frankfurt)

Ein besonders spektakuläres Beispiel dafür war vor einigen Tagen die Attacke auf ein Kunstwerk in dem Ausstellungsraum des Portikus auf der Alten Brücke über dem Main. Dort haben nach bislang weder dementierten noch korrigierten Presseberichten drei jüngere Männer offenbar „südländischer“ Herkunft das Portikus-Personal beschimpft und schließlich die mit 150.000 Euro versicherte Installation „God is Great“ des Briten John Latham zerstört und einen in diese Installation integrierte Ausgabe des Koran bei ihrer Flucht mitgehen lassen. Nach den Tätern wird polizeilich weiter gesucht. Soweit die bekannten Tatsachen.

Als weitere Tatsache kann inzwischen betrachtet werden, dass die barbarische Tat von den Geschädigten, also der Städelschule als Betreiber des Portikus, am liebsten vertuscht worden wäre. Denn der neue Rektor der Städelschule, Philippe Pirotte, erklärte am Donnerstag bei seiner Vorstellung im Kulturausschuss der Stadtverordneten, die öffentliche Diskussion um den bislang in Frankfurt beispiellosen Vorfall sei keine, „die wir haben wollen“. Pirotte zeigte sich – mit sichtlicher Zustimmung von Kulturdezernent Semmelroth (CDU) und der meisten Ausschussmitglieder – offen verärgert über die Berichterstattung und Kommentierung der Tat in den Medien und Teilen der Öffentlichkeit. Der Städelschul-Direktor verstieg sich sogar zu der Äußerung: „Wir wissen nicht, ob das etwas mit Salafismus zu tun hat. Das kann sich auch um eine Mutprobe gehandelt haben.“

Für soviel „Besonnenheit“ wurde er von den kulturpolitischen Sprechern von CDU und Grünen ausdrücklich gelobt, auch die SPD-Stadtverordneten und der FDP-Vertreter nickten beifällig. Allesamt haben sie ein großes Interesse, die schändliche Portikus-Attacke herunterzuspielen nach dem Motto, dass nicht sein kann, was nicht sein darf. Immerhin wurde noch nicht die Vermutung verbreitet, die Tat könne eventuell doch auf das Konto von Rechtsextremisten gehen. Denn wenn das gesichert oder auch nur vermutlich der Fall wäre, befände sich Frankfurts Politik und Kulturszene seit zwei Wochen im Ausnahmezustand von Empörung, Aufregung und hunderterlei Aufrufen.

Allerdings sprechen alle Umstände des Geschehens für die Verantwortung islamistisch motivierter Täter. Das wiederum passt überhaupt nicht in das offizielle Bild vom „friedlichen Zusammenleben der Kulturen“ in Frankfurt. Und weil die Portikus-Attacke dieses Bild so hässlich befleckt, doch nach den Presseberichten auch nicht geleugnet werden kann, wird nun vor „vorschnellen Verurteilungen“ gewarnt – die Täter seien noch gar nicht identifiziert und es könne sich ja auch, so bekanntlich der Städelschul-Rektor, „um eine Mutprobe gehandelt haben“. In diesem Zusammenhang der gezielten Verharmlosung darf selbstverständlich nicht der Verweis auf die angebliche Diskriminierung junger Muslime in der Gesellschaft fehlen.

In der Pressemeldung der Freien Wähler-Fraktion vom 2. Juni waren noch entsetzte und empörte Reaktionen der Frankfurter Kunst- und Kulturszene erwartet worden. Das war eindeutig zu optimistisch: Denn diese Szene wäre ebenso wie die herrschende Politik im Römer dazu anscheinend nur bereit gewesen, wenn die Täter die „richtigen“, also Rechtsextreme, gewesen wären. Da es sich aber ganz offensichtlich um eine „Mutprobe“ islamistisch motivierter junger Männer gehandelt haben dürfte, ist das Schweigen der hochsubventionierten Lämmer unüberhörbar.

Die im negativen Sinne denkwürdige Sitzung des Kulturausschusses hat zumindest mir als Ausschussmitglied der Freien Wähler-Fraktion nur zu deutlich gemacht: Diese Lämmer wollen die Realität einfach leugnen, wenn jene nicht ihrem Wunsch- und Weltbild entspricht. Und wenn es nach diesen Lämmern ginge, dürfte noch nicht einmal über einen so dramatischen Vorfall wie im Portikus berichtet werden, weil das zur Brandstiftung an ihren Illusionen von der schönen neuen „Vielfalt“-Welt führen könnte.

Doch Kultur und Kunst, die sich der Wirklichkeit nicht stellen wollen, verdienen keinen einzigen Cent öffentliche Unterstützung. Zwar kann niemand diese Frankfurter Lämmer daran hindern, mit politisch korrekter Gesinnung eines Tages von den neuen Barbaren auch noch zur Schlachtbank geführt zu werden. Doch niemand, der noch bei Verstand und mit klarem Blick auf die gesellschaftlichen Realitäten ist, sollte gezwungen werden, diesen Irrsinn auch noch zu finanzieren.

(Foto oben: Frankfurts Kulturdezernent Felix Semmelroth, CDU, und der neue Rektor der Städelschule, Philippe Pirotte)