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Die salafistische Gefahr vor unseren Toren

Die Puzzleteile fügen sich zusammen und es tritt ein, wovor einige seit Jahren gewarnt hatten und viele davon nichts hören wollten. Auch heutzutage verschließt noch ein großer Teil die Augen vor den Gefahren, die Europa durch radikale Salafisten drohen. Es geht längst nicht mehr nur um Hessen oder Deutschland, inzwischen hat sich die salafistische Gefahr in allen westeuropäischen Gesellschaften breit gemacht und dort ihre Logistik- und Rekrutierungszentren verankert. Das wiederum wird zunehmend eine Gefahr für unsere freiheitliche, demokratische und rechtsstaatliche Grundordnung.

(Ein Kommentar von Ismail Tipi zum Vormarsch radikaler Salafisten)

Seit dem Ausbruch des Syrienkonflikts hat sich die Spirale des salafistischen Extremismus immer schneller zu drehen begonnen und es wird deutlich, dass ein Großteil der salafistischen Kampfaktivitäten in Syrien, dem Libanon und dem Irak in Europa entwickelt und vorbereitet wurden. Alle Kampagnen, die von den Salafisten in Europa durchgeführt wurden, alle „Spendensammlungen“ und alle Kundgebungen hatten meiner Meinung nach nur ein Ziel: Die Vorbereitung eines Feldzuges gegen alles westliche, gegen alle Andersgläubigen im Nahen und Mittleren Osten. Dafür wurden im Herzen von Europa gut ausgebildete Jugendliche rekrutiert, um einerseits die Werbe- und Propagandatrommel der Salafisten, hauptsächlich über das Internet, zu schüren und um andererseits charismatische Anführer auszubilden. Bereits vor über einem Jahr wurde in den Internetforen der Salafisten nach gut ausgebildeten und jungen IT-Experten gesucht. Heute sind es genau diese Jugendlichen, die hier angeworben wurden, die als IT-Spezialisten und Logistiker den Krieg in Syrien und Irak befehligen. Diese Anführer sind außerdem willkommene Multiplikatoren, um weitere frustrierte Jugendliche zu rekrutieren.

Der Plan der Salafisten ging aber noch weiter. Bereits vor dem Ausbruch des Syrienkonflikts konnte man beobachten, dass viele junge Männer in terroristische Ausbildungscamps zogen und manche danach in ihre europäischen Länder zurückkehrten. Die salafistischen Organisationen in Europa sind, ob verboten oder nicht, komplett militärisch durchstrukturiert. Es gibt genaueste Anweisungen für jedes europäische Land, wie man vor Ort am besten unbehelligt von Justiz und Sicherheitsbehörden operieren kann. Seit dem Ausbruch des Syrienkonflikts haben es die europäischen Kader der Salafisten geschickt verstanden, tausende junger Männer und Frauen für ihre hasserfüllte Ideologie einzuspannen. Wir sprechen hier europaweit inzwischen mit Sicherheit von 4.000 Jugendlichen und mehr, die rekrutiert und direkt ins Kampfgebiet nach Syrien oder Irak geschickt wurden. Dort zählen sie inzwischen zu den Elitekämpfern und zeichnen sich durch besondere Brutalität und Gewalt aus.

Die Zielrichtung der Salafisten ist klar, sie wollen das Kalifat, ihr Kalifat, im Nahen Osten verwirklicht sehen. Das letzte Kalifat im Nahen Osten fand am 3. März 1924 mit dem Abgang des Kalifen Abdülmecit II. sein Ende. Die neue Türkei wurde durch Kemal Atatürk, ihren ersten Präsidenten, konsequent laizistisch und lies die Vergangenheit und Rückständigkeit des Kalifats hinter sich. Die Salafisten haben das bis heute nicht verwunden und versuchen deshalb auf verschiedensten Wegen, mal politisch, wie die Muslimbrüder in Ägypten, mal gewalttätig, wie Isis in Syrien, dieses Erbe wiederzubeleben.

Der Kampf und die Gewalt sind ihnen dabei nur Recht und billig. Erschreckend sind die Erfolge, welche die Salafisten, die sich zur Terrorgruppe Isis „Islamischer Staat im Irak und in Syrien“ zusammengeschlossen haben, zurzeit in Irak feiern. Durch das Internet, das für die Salafisten die Propagandamaschine Nummer Eins ist, können sie ungehindert ihre Wahrheiten verbreiten. Ich befürchte, dass wir in Europa erst am Anfang einer enormen Rekrutierungs- und Propagandawelle der Salafisten stehen, die mit jedem Erfolg der barbarischen Kämpfer in Syrien und Irak neue Jugendliche anlockt und ins Verderben zieht.

Deshalb dürfen wir uns, als europäische Politiker, nicht hinter den Floskeln von Multikulti und falsch verstandener Toleranz verstecken und den Salafisten und ihren Kumpanen das Feld überlassen, sondern müssen uns zusammensetzen und eine langfristige Gegenstrategie entwickeln, die auch Länder und Gebiete mit einschließt, die nicht innerhalb Europas oder an dessen Grenze liegen. Je länger wir die Augen vor diesem Problem verschließen, desto schwieriger wird es am Ende eine Lösung zu finden. Es ist ein sicherheitspolitischer Alptraum, der sich momentan an der Grenze zur Türkei entwickelt, immerhin an der Schwelle zu Europa.

Es ist nicht einmal vier Wochen her, da mussten wir einen Anschlag auf das Jüdische Museum in Brüssel erleben. Der französische Dschihadist, der ihn begangen hatte, wurde von den Salafisten in Syrien ausgebildet und zurück nach Europa geschickt. Da müssen wir uns vor Augen halten, dass tagtäglich radikalisierte Männer aus den Kriegsgebieten zurückkehren und wir keine Ahnung haben, wie gefährlich sie sind, wenn sie zurück in Europa sind. Bereits im letzten Jahr wurde bekannt, dass die Terrorgruppe Isis deutsche und europäische Pässe einbehält und sie an eigene, gut ausgebildete Kämpfer weitergibt und diese nach Europa schickt. Das sind alles Hinweise darauf, was uns zukünftig erwartet, denn für mich ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Isis über die Türkei auch Europa ins Visier nimmt.