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Türken-Wahl: Verbandschef Sofuoglu undankbar

tuerken-wahlAb heute können Türken unter Ausschluss der Presse vier Tage lang an der Wahl des türkischen Staatspräsidenten teilnehmen. Und das mitten in Deutschland, denn es werden in sieben deutschen Städten türkische Wahllokale betrieben. Zum Beispiel in 51 VIP-Logen des Olympia-Stadions Berlin (Bild oben). Oder in der Sporthalle Frankfurt-Hoechst, wo 69 Urnen aufgestellt sind, flankiert von türkischen Beamten und Parteivertretern. Wer gedacht hat, die Türken zeigten sich dankbar, dass die Deutschen mehrtägig große Versammlungsstätten zur Verfügung stellen, der irrt. Dass die Türken hier an einer Türkei-Wahl teilnehmen, wird vom Verbandsvertreter der Türken zum Abwatschen der Deutschen verwendet.

Die Süddeutsche Zeitung berichtet:

sofuogluDie Türkeipolitik hat für die Türken in Deutschland mehr Gewicht als die Politik hierzulande – zu diesem Schluss kommt der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde, Gökay Sofuoglu (Foto), kurz vor der türkischen Präsidentschaftswahl.

«Das große Interesse an der Wahl ist ein Beleg dafür, dass die Politik versäumt hat, die Leute einzugliedern», sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

Vom kommenden Donnerstag an können in Deutschland lebende Türken erstmals über den Präsidenten ihrer Heimat abstimmen. Die Türkische Gemeinde rechnet mit einer Beteiligung von etwa 70 Prozent der 1,4 Millionen türkischen Staatsbürger.

«Die Wahl wird mit großer Spannung erwartet – viele Türken werden zum ersten Mal wählen gehen», sagte Sofuoglu. Der 52-Jährige lebt seit 34 Jahren in Deutschland. Vor der Reform des türkischen Wahlgesetzes 2012 mussten türkische Staatsbürger wie er wenigstens bis an die Grenze der Türkei reisen, um in ihrem Herkunftsland ihre Stimme abzugeben.

«Wie die Wahl durchgeführt wird, enttäuscht jetzt viele», sagte er. Das Prozedere sei kompliziert, die Zugangsbarrieren seien hoch: «Nehmen wir einen, der in Ulm wohnt: Der muss erst mal nach Stuttgart reisen, um sich im Konsulat zu registrieren. Dann muss er sich für einen Wahltermin anmelden und pünktlich in Karlsruhe erscheinen. Wenn er zu spät kommt, hat er’s verpasst.» Das kann Sofuoglu zufolge nur diejenigen an die Wahlurne locken, die ein großes Interesse am Ausgang der Wahl haben, die entweder für oder gegen den amtierenden türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan (AKP) stimmen wollten.

An die deutsche Politik sende die Wahl ein klares Signal, sagte Sofuoglu. «Als deutscher Politiker muss man sich Gedanken machen, warum fast eineinhalb Millionen Menschen in Deutschland plötzlich ein großes Interesse an einer Wahl irgendwo in der Welt haben, die sie gar nicht direkt beeinflusst.» Hätte man den Türken die Einbürgerung erleichtert, wäre das Interesse an der Wahl in der Türkei längst nicht so groß. In Zukunft müssten die Menschen stärker in die Politik mit einbezogen werden, auch auf kommunaler Ebene. «Sie betrifft doch das tägliche Leben, da wünsche ich mir schon mehr Beteiligung und frage mich: Wo haben wir Fehler gemacht?» […]

Wir Deutschen haben tatsächlich einen großen Fehler gemacht: Wir haben die Vereinbarungen zum Anwerbeabkommen mit der Türkei nicht konsequent durchgezogen. Dann wäre jeder Gastarbeiter nach zwei Jahren in die Türkei zurückgekehrt. Türkische Importbräute wären gar nicht erst nach hier gekommen. Kopftücher und Kiezdeutsch wären uns erspart geblieben. Wir bräuchten keine türkischen Wahllokale zu betreiben, könnten 1,87 Mrd. Euro Hartz IV einsparen. Vor allen Dingen müssten wir uns keine Vorhaltungen von impertinenten Türken-Vertretern anhören.

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