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Wie Interrailer Europa erkunden

imageIn einer Amazon-Werbung steht über eine Interrail-Broschüre: Das Interrailticket, ein Dauerbrenner seit über fast vierzig Jahren, stellt eine der günstigsten und nettesten Reisemöglichkeiten zum Kennenlernen Europas dar. Interrail ist eine Phase im Leben, die jeder einmal durchläuft. Mit dem Rucksack unterwegs, neugierig, fremde Länder zu entdecken… und so weiter. Und wie sieht die Praxis – zumindest manchmal – aus? Auf der Fahrt von Dresden nach Prag schliefen irgendwo neben mir drei Schweizerinnen fast durchgehend mit Stöpseln im Ohr, offensichtlich schon seit Berlin. Eine wollte noch ihre Füße auf meinen Sitz legen, vom malerischen Elbsandsteingebirge sahen sie nichts, falls gerade eine wach war, glotzte sie nur auf ihr Handy, nie aus dem Fenster.

In Prag wachten dann alle auf, eine sah den Fluß und fragte, ob das die Donau sei oder die Wolga. Die richtige Antwort suchten sie nicht, und es war ihnen egal. Wenig später in einem anderen Zug: ein Däne fragt ein spanisches Pärchen, wo sie herkommen. Salamanca war die Antwort. Wo ist das, fragte der Däne und danach, wieviele Einwohner hat es. Die Spanier wußten keine Antwort, was die Bevölkerungszahl anging, obwohl sie offensichtlich in Salamanca studierten. Das war auf den letzten Metern, bevor der Zug hielt, sonst hatten sie auf der ganzen sechsstündigen Fahrt von Budapest bis Zagreb kein Wort miteinander gesprochen.

Irgendwie hatte ich mir das Kennenlernen Europas per Interrail anders vorgestellt. Aber zu einem Job bei der EU wird es reichen! Die in Brüssel wissen auch nicht mehr!