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Aufrechter Gang

imageStellen Sie sich vor, eines Tages stehen Schergen der Regierung vor Ihrem Haus und verschaffen sich gewaltsam Zutritt. Ohne Sie gefragt zu haben, setzt man Ihnen allerlei fremdes Volk in die Hütte. Ihnen wird eröffnet, dass Ihre Geldanlagen, die Sie sich als verantwortungsvoller Bürger zugelegt haben, auf Anweisung von oben künftig keine Erträge mehr abwerfen. Indessen wird von Ihnen erwartet, dass Sie Ihr Erspartes ausgeben, auch wenn Sie gar keine akuten Konsumbedürfnisse haben. Ihnen wird ein Leitfaden vorgelegt, der beschreibt, was über welches Thema zu denken und wie darüber zu sprechen ist. Sie sollen unterschreiben, alles gelesen und zur Kenntnis genommen zu haben. Man empfiehlt Ihnen, an einem Workshop „interkulturelle Kommunikation“ teilzunehmen. Sie müssen nicht. Aber besser wäre es.

(Von Marcus)

Sollten Sie zu murren beginnen, werden Kommunikationsexperten Ihre Nachbarschaft darüber aufklären, dass Sie ein dubioser, kaltherziger Eigenbrötler sind, der sich einem großen gemeinsamen Projekt verweigert. Man wird es allerdings auch im Guten versuchen und Ihnen verdeutlichen, dass Sie Teil eines ungemein komplexen Geschehens sein dürfen, das Sie nur nicht durchschauen, das aber ganz zu Ihrem eigenen Besten von einer weisen Regierung orchestriert wird. Wenn Sie dann immer noch motzen, werden Sie vernehmen, wie „Experten“ Ihr Seelenleben analysieren und sich über Ihre „Ängste“ auslassen. Sollten Sie jetzt erst recht in Rage kommen und gegen diese Zumutungen protestieren, dann heißt es: „Ach, sind Sie negativ, Sie sind ja immer nur gegen alles. Das ist aber nicht hilfreich“.

In der Tat, wer sich gegen geballte Zumutung wehrt, ist im Widerstands-Modus und zunächst ganz auf „Anti“ gebürstet: Gegen Zuwanderungsdiktat, gegen Willkommenszwang, gegen schleichende Enteignung, gegen Umverteilung, gegen Ausverkauf deutscher Interessen, gegen Bevormundung und gegen die Lügenpresse. Was aber vordergründig so aussieht, als sei man „gegen alles“, ist tatsächlich zutiefst eine „Pro“-Haltung, die so selbstverständlich in all dem „Anti“ steckt, dass man sie als solche gar nicht mehr ausdrücklich benennt. Was sich regt, ist das schlichte Anliegen der Selbst-Erhaltung – der individuellen, wie auch der kollektiven als Gemeinwesen, als Volk. Das Gut, für das man ist, wenn man scheinbar gegen alles ist – das ist das Selbst, das Eigene.

Der Impuls zur Verteidigung des Selbst und des Eigenen reicht indes tiefer als die „Angst“ vor dem Verlust materieller Sicherheit, ja selbst die „Sorgen“ um die eigene Existenz. Wir Menschen mögen es einfach nicht, manipuliert, belogen, betrogen, über den Tisch gezogen und für dumm verkauft zu werden. Wir sträuben uns dagegen, dass man uns etwas aufzwingt und aufschwatzt. Wir wehren uns gegen herablassende Behandlung – namentlich dann, wenn jene, die sich in die Pose von Volkspädagogen und Komplexitäts-Deutern werfen, so offenkundig mediokre Gestalten sind. Das Ehrgefühl spielt also mit und überholt das nüchterne Kalkül der nackten Bestandssicherung.

Wir sind es uns als vernunftbegabte Wesen, als Personen, als freie Menschen quasi „schuldig“, dass wir uns „nicht alles bieten“ und „nicht alles gefallen“ lassen. Tiefer und menschlicher als der nur animalische Selbsterhaltungsinstinkt ist der natürliche Wunsch, nicht wie ein Hund behandelt zu werden oder sich als Versuchskaninchen in einem gigantomanischen Gesellschaftsexperiment übergeschnappter Ideologen und Technokraten wieder zu finden. So vertieft sich das Motiv der Selbst-Erhaltung zu dem der Selbst-Achtung. Aus Selbst-Achtung demonstrativ gegen Zumutungen spazieren zu gehen – das ist eine, wenn auch im Anfangsstadium vielleicht noch taumelnde und tastende, Demonstration des aufrechten Gangs und aufglimmenden Bürgerstolzes.

Selbst-Erhaltung, Selbst-Achtung – das kollidiert zwingend und dialog-unversöhnlich mit einem totalitären Politikverständnis, demnach alle Bereiche des Lebens „gestaltender“ staatlicher Intervention offen stehen. Der Zustrom frischen Menschenmaterials aus aller Herren Länder bietet den „Transformatoren“ gewaltige Optionen, die wie vom grünen Tisch weg planend den alten Adam und die alte Welt aufheben und „alles neu machen“ wollen – eine neue Gesellschaft, eine neue Zivilisation, einen neuen Menschen. Massenzuwanderung der „edlen Armen“ erzeugt Sachzwänge und liefert moralische Legitimation für immer tieferes dirigistisches Eindringen in das Innerste der Lebenssphäre der Menschen – vom Übergriff auf das Eigentum bis hin zur Regulierung des Sprechens, des Denkens und der Wahrnehmung.

Man wird gefragt: „Was ist denn Ihr Anliegen, wofür demonstrieren Sie hier eigentlich“. Die Antwort dürfte den Fragesteller verblüffen. Denn die politische Botschaft des aufrechten Gangs ist, man höre und staune, nichts Geringeres aber auch nichts Spektakuläreres als eine – freie und offene Gesellschaft. Ein Gemeinwesen, dessen elementare Glieder freie Personen sind, die als Herren im Haus ihrer Lebenssphäre für ihr eigenes Leben Verantwortung tragen und mit anderen freien Personen – auch über Landes- und Sprachgrenzen hinweg – in freien nicht bevormundeten Austausch ihrer Wahl treten. Freie Personen, die also selbst entscheiden, mit wem sie in welcher Weise zusammenwirken und zusammenleben wollen und mit wem nicht.

Wie sich ein solches – freies – Gemeinwesen als Gesamtgebilde darstellt, wie es in einer volatilen globalen Wirklichkeit durchhält, wie es sich unter Wahrung der Kontinuität und seiner Identität freilich auch verändert, ist das Resultat tausend-, millionen- und milliardenfacher Entscheidungen, Aktivitäten und Austauschbeziehungen einzelner freier Individuen, nicht aber das Produkt eines „politischen Designs“ von Technokraten und Ideologen, die unser Leben für größenwahnsinnige Gesellschaftsprojekte in Beschlag nehmen, an denen sie sich – siehe „Euro“ – hoffnungslos überheben.

Wir sehen uns am Montag!