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Karolina R. und das Scheitern ihres Traums

karolina_sNirgendwo in Deutschland gibt es so viele aus- und rückreisende von Allah beauftragte Kopfabschneider und bislang inaktive Dauer-Residenzler (sogenannte Schläfer) wie an Rhein und Ruhr. In der Antwort auf eine kleine Anfrage des CDU-Landtagsabgeordneten Gregor Golland sprach NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) von einer „quantitativen Problembetroffenheit“ beim extremistischen Salafismus. Begründung: „Als ein stark von Industrie geprägtes Land hat es seit den 1960er Jahren einen beträchtlichen Teil aller Personen aufgenommen, die im Zuge von Arbeitsmigration bundesweit aus muslimischen Ländern eingewandert sind.“ Da im Islam Gleichberechtigung herrscht, gibt es dementsprechend auch nirgendwo so viele heilige Kriegerinnen und Dschihad-Unterstützerinnen wie in Nordrhein-Westfalen.

(Von Verena B., Bonn)

Aus den bisher unveröffentlichten Zahlen des Ministeriums geht hervor, dass die Hälfte aller aus Deutschland nach Syrien oder in den Irak ausgereisten Frauen aus NRW stammen. 37 Ausreisen von 35 Dschihadistinnen (gegenüber 140 Männern) stellten die Landesbehörden seit 2012 fest – Tendenz steigend.

In NRW ist der weibliche Anteil der Heiligen Krieger doppelt so hoch wie im Bundesschnitt (20 Prozent gegenüber ca. elf Prozent). „Die Zahlen sind auffallend und erschreckend. Schon lange gibt es Zweifel, ob die NRW-Sicherheitsbehörden die Lage wirklich im Blick haben. Das gilt jetzt umso mehr für weibliche Dschihadisten“, kritisierte CDU-Experte Golland.

Allein von den sechs Personen aus NRW, denen zwischen Januar bis Ende März 2015 die Ausreise gelang, waren fünf Frauen. Terrorismusforscher Peter Neumann (King’s College London): „Die jungen Mädchen fallen auf eine uralte romantische Idee herein: Hier der strahlende Ritter, dort die erwählte Prinzessin an seiner Seite.“

Von einer „immensen Propagandamaschinerie“ spricht Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen. Vor allem über Facebook, WhatsApp, virtuelle Heiratsmärkte und andere soziale Medien würden die Frauen (40 Prozent unter 25) angesprochen. Maaßen: „Frei nach dem Motto: Auch du kannst als Frau in den Dschihad ziehen, auch du bist verpflichtet, was zu tun.“

Eine von ihnen, die auch was tun wollte, ist die Deutsch-Polin und Konvertitin Karolina Rafalska (Foto oben) aus Bonn, die aus Dummheit und Liebe zur Terrorhelferin wurde.

Jetzt steht die 26-Jährige vor den Scherben ihres großen Traums, denn ihr Leben nach den islamischen Regeln wurde zum Albtraum!

Karolina ging gleich in die Vollen: Wie eine Zeugin in einer Verhandlung vor dem 6. Strafsenat des Düsseldorfer Oberlandesgerichts schilderte, heiratete sie kurz nach ihrer Konvertierung vom Katholizismus zum Islam den rechtgläubigen Fared S. nach strengem islamischem Ritus, und zwar in der Wohnung der Zeugin, wo Männer und Frauen räumlich getrennt gewesen seien – selbst Braut und Bräutigam. Im Flur sei Karolina dann gefragt worden, ob sie Fareds Frau werden wolle. Eigentlich geben sich heutzutage Eheleute bei islamischen Hochzeiten gemeinsam vor einem Imam das Ja-Wort, aber der sammelte vielleicht gerade selber Spenden für den Dschihad und war somit verhindert.

Schon vor einigen Prozesstagen hatte eine andere Zeugin geschildert, dass Fared S. auf Vorschlag seiner Frau eine zweite Frau nach islamischem Recht heiratete. Alle drei wollten dann nach Syrien reisen. Doch diese zweite Ehe hielt nicht lange. Da sich Fared nach der ersten Nacht mit seiner zweiten Frau nicht mehr auf das fünfmalige Gebet konzentrieren konnte, wurde die Zweitfrau laut Zeugenaussagen der Hexerei beschuldigt und kurzerhand von Karolina der Wohnung verwiesen. Die Scheidung erfolgte Stunden später per SMS durch Fared S. Im Islam verschwendet man keine Zeit mit lästigem Bürokratismus, es gibt schließlich Wichtigeres zu tun. Aber auch als einzige Frau hatte Karolina viele Eheprobleme. So durfte zum Beispiel der gemeinsame Sohn, zu diesem Zeitpunkt noch ein Kleinkind, nicht zu den im selben Haus wohnenden Großeltern, weil diese Alkohol tranken.

Vor dem Staatsschutzsenat im Oberlandesgericht Düsseldorf muss sich Karolina nun seit September vergangenen Jahres wegen der mutmaßlichen Unterstützung der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) verantworten.

Der Bonner General-Anzeiger berichtet:

Es ist die erste faustdicke Überraschung im Prozess gegen die 26-jährige Karolina R. aus Bonn. Nicht nur, dass die jüngsten Verhandlungstage vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Düsseldorf das Attribut „turbulent“ verdienen. Karolina R. äußerte sich jetzt erstmalig im Prozess zu den Vorwürfen gegen sie. Erstmals äußert sich die Angeklagte, die sich seit September wegen der mutmaßlichen Unterstützung der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) verantworten muss, jetzt zur Sache – und eröffnet dabei einen Einblick in die Welt der aus Deutschland in die Bürgerkriegsgebiete ausgereisten Dschihadisten.

Die Unterstützung des IS gründet nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft darin, dass die Bonnerin Geld und Kameras an ihren Mann Fared S. geschickt habe, der in den Reihen des IS kämpft.

Ja, so bestätigt die Frau nun über ihre Verteidiger, sie sei gemeinsam mit ihrem Mann und ihrem kleinen Sohn in Syrien gewesen. Auch räumt sie ein, von Bonn aus Geldtransfers in die Krisenregion veranlasst zu haben. Inwieweit ihre Aussagen nun der Anklage in die Hände spielen, ist offen.

Denn: Soweit ihr bekannt, habe das Geld nur der Bestreitung des Lebensunterhalts gedient, lässt Karolina R. übermitteln. Zu den Brillen- und Helmkameras für Fared S. sagt die in Polen geborene Frau auf der Anklagebank: „Was er damit machen wollte, hat er mir nicht gesagt.“ Von den Taten und der Ideologie des IS distanziert sie sich.

Zum Ende der Schulzeit sei sie zum Islam konvertiert; über die Gründe dafür möchte sie nicht reden. Dann habe sie Fared S. geheiratet und ein Kind von ihm bekommen. Fared S. machte zuletzt mehrfach durch martialische „Grußbotschaften“ aus dem syrischen Kriegsgebiet von sich reden. Zu sehen ist er etwa, wie er gemeinsam mit dem bekannten Islamisten Denis Cuspert stolz inmitten getöteter Männer posiert.

Sie habe, teilt die 26-Jährige mit, ein „Leben nach islamischen Regeln“ führen wollen und „wohl zu romantische Vorstellungen gehabt“. Etwa die, dass das Leben in einem islamischen Land leichter fallen würde, berichtet sie. Dass die Wahl auf Syrien fiel, lag nahe, denn dort kämpfte bereits ihr Mann gegen die Assad-Regierung. Im Dorf Atera habe Fared S. Kontakte zu Tschetschenen gepflegt und sich während eines Deutschlandaufenthalts von Karolina R. dort eine Zweitfrau genommen. „Nach islamischem Glauben hat er das Recht, mehrere Frauen zu haben. Das war ein Grund für mich, zum zweiten Mal nach Syrien zu gehen, um um meinen Mann zu kämpfen“, erinnert sie sich.

Inzwischen hatte sich Fared S. einer Gruppe namens Daula angeschlossen – was schlicht ein Synonym für den Islamischen Staat ist. Von diesem distanziert sich Karolina R. sodann klar: „Ich hatte keine Ahnung, dass mein Mann für eine Organisation wie den IS in einem solchen Ausmaß im Internet auftreten könnte. Ich will nicht unterstützen, was er da macht. Heute weiß ich, dass dort Muslime andere Muslime niedermetzeln.“ Für sie gehe es nun ausschließlich darum, sich um ihren Sohn zu kümmern, der seit einem Jahr mit ihr im Gefängnis lebt – „damit er in Frieden und Sicherheit aufwachsen kann“.

Eine ungewöhnliche Situation ist zum Zeitpunkt ihrer Aussage bereits passé: Am Morgen hatte sich eine Gruppe Demonstranten vor dem Gericht zu einer Solidaritätskundgebung für Metin Kaplan versammelt. Der als „Kalif von Köln“ bekannt gewordene und vor zehn Jahren in sein Heimatland abgeschobene Islamist verbüßt dort eine lebenslange Haftstrafe. Nach Beendigung der Kundgebung schauten knapp 30 der überwiegend türkischstämmigen Teilnehmer, unter ihnen mehrere voll verschleierte Frauen, noch als Zuschauer im Gerichtssaal vorbei. Als ein Großteil von ihnen bei Eintreten des Senats sitzen bleibt, lässt die Vorsitzende Barbara Havlitza den Saal räumen.

Ob Karolina aus den gemachten Erfahrungen mit dem Islam etwas gelernt hat? Allzu lange wird sie nach dem Urteil wohl nicht im Gefängnis bleiben müssen, denn ihr Unterstützer, Bernhard Falk (Foto l.), ehemaliger linksextremistischer Terrorist und deutscher Islamist, wird schon dafür sorgen, dass Karolina nur eine milde Strafe erhält. Falk nimmt Deutschland übrigens nach 13 Jahren Haft neu ins Visier und droht mit einem Glaubenskrieg. Nach Recherchen der WAZ hat er auch bereits ein potenzielles Anschlagsziel ins Auge gefasst: den US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein. Der Dortmunder wird somit zum nationalen Sicherheitsrisiko. Aber auf ein „gefühltes“ Sicherheitsrisiko mehr oder weniger kommt es ja nun auch nicht mehr an. Gehandelt werden kann nämlich immer erst dann, wenn ein Anschlag auch wirklich durchgeführt oder wenigstens (Bonner Bombe, abgewendeter Mordanschlag auf PRO-NRW-Chef Beisicht) versucht wurde. Schließlich wollen wir ja im Sinne der Religionsfreiheit niemanden, der einer bestimmten Glaubensrichtung angehört, unter Generalverdacht stellen, denn das könnten Rechtspopulisten und –extremisten (auch „Nazis“ genannt) für ihre miesen Zwecke ausnutzen!