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Frankreich: Weihnachtskrippen aus Rathäusern

Wenige Tage nach den Terrorattacken von Paris hat der Verband der Bürgermeister Frankreichs (AMF) seinen Mitgliedern empfohlen keine Weihnachtskrippen mehr in den Rathäusern aufzustellen. Diese seien nicht mit dem Laizismus vereinbar. Er rief außerdem den Gesetzgeber zu einer Klärung auf.

Frankreich ist stark katholisch geprägt, rund 75 Prozent der Bürger sind katholischen Glaubens. Über die Krippen wurde bereits letztes Jahr heftig gestritten. In Béziers gingen damals Gegner des Brauchs, darunter die Menschenrechtsliga, vor Gericht, weil sich Bürgermeister Robert Ménard (Front National, Foto oben) geweigert hatte, die Krippe wieder abzubauen.

Das Gericht wies die Klage jedoch ab. Der Aufbau einer Weihnachtskrippe im Rathaus verletze nicht „die Prinzipien der Laizität und Neutralität“. Im Oktober 2015 sprach hingegen ein Gericht im französischen Melun ein Verbot aus, nachdem ein „Freidenkerverband“ gegen eine Krippe im Rathaus geklagt hatte.

Der AMF, der rund 36.000 Mitglieder hat und mehr als 90 Prozent der Bürgermeister Frankreichs vertritt, beschloss bereits nach dem Attentat auf „Charlie Hebdo“, einen Arbeitskreis zur Laizität einzusetzen. Dieser entwickelte einen Leitfaden, in den auch die Verzichtsempfehlung für die Krippen aufgenommen wurde.

Präsident des Verbands ist François Baroin, ein ehemaliger Politiker und Journalist. In der Regierung Sarkozy war er Finanzminister, er gehört der republikanischen Partei „LR“ (vormals UDF) an. Von seiner eigenen Partei schlug ihm nun heftiger Protest entgegen. Verschiedene Abgeordnete des LR stellten sich gegen die Empfehlung.

Die meisten Bürgermeister dürften der Empfehlung des Verbands allerdings nicht folgen. Mehrere von ihnen kündigten sogar an, aus dem Verband auszutreten. Der Bürgermeister von Nizza teilte mit, der Brauch sei uralt und gehöre zum kulturellen Erbe der Franzosen, egal welcher Konfession sie seien. Ähnlich äußerten sich andere.

Ebenso kam Gegenwind vom Front National. Marion Maréchal-Le Pen, die Nichte von Marine Le Pen, bezeichnete die Empfehlung in einem Interview mit dem Sender „france info“ als „Provokation“. Laizität bedeute nicht, dass alle Traditionen mit religiösem Bezug aus dem öffentlichen Raum verschwinden müssten.

Außerdem sei es gerade im Hinblick auf den Islam wichtig, klarzumachen, woher wir kämen und wer wir seien. Aber heute sei das französische Volk leider „psychisch und moralisch entwaffnet“, weil man ihm erklärt habe, dass es „entweder keine Identität habe oder wenn doch, eine Identität der Schande“.