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FAZ-Karikatur verhöhnt Sex-Opfer von Köln

[1]Sehr geehrte FAZ-Herausgeber, die FAZ ist keine billige Zeitung, trotzdem leiste ich mir seit vielen Jahren das Abonnement Ihrer „Zeitung für Deutschland“. Ich lese dort viele Artikel, die mich informieren, anregen und manchmal auch begeistern. Und es gibt genug Texte in der FAZ, die mich irritieren, ärgern, ja sogar in einen gewissen Zorn versetzen können. Das halte ich alles ganz gut aus. Heute ist aber auf der Titelseite der Ausgabe vom 13. Februar 2016 eine Karikatur von „Greser&Lenz“ zu sehen, die mit der Überschrift „Tag der Liebenden“ Bezug nimmt auf den sogenannten Valentinstag, der Blumengeschäften von Flensburg bis Konstanz einen kleinen Boom beschert.

(Von Wolfgang Hübner, Frankfurt)

Auf der Karikatur ist in einem herzförmigen Goldrahmen ein verliebtes Paar auf dem Sofa zu erkennen, sie blond und auf seinem Schoß sitzend, er dunkelhaarig mit schwarzem Schnauzer – offensichtlich ein bi-nationales Paar, worauf auch die Namen Chantal und Mustafa hinweisen. Das ist nicht besonders witzig, könnte bei einigem guten Willen aber als eine leicht ironische Anspielung auf die „Willkommenskultur“ verstanden werden. Doch da gibt es leider auch noch die dem Paar zugeordnete Sprechblase folgenden Inhalts: „Wir haben uns an Silvester in Köln kennengelernt und wollen heiraten“!

faz2 [2]Ich fürchte, das Karikatur-Duo konnte über seinen zynischen Einfall gar nicht genug lachen. Und offenbar wurde diese „Heiterkeit“ von den für die textliche und bildliche Gestaltung der Titelseite verantwortlichen FAZ-Redakteuren geteilt. Ist keinem der an diesem moralischen Tiefpunkt beteiligten Personen bewusst gewesen, dass dieser Sprechblasentext ein Schlag ins Gesicht all jener Frauen ist, die an Silvester in Köln und anderswo sexuell belästigt, unfreiwillig angefasst, in ihrer Würde verletzt und zutiefst gedemütigt wurden? Silvester in Köln war kein Heiratsmarkt, sondern Horror für hunderte Frauen, ob blond oder brünett.

Satirische Karikaturen dürfen viel und sollen keineswegs zimperlich sein, besonders nicht mit den Mächtigen. Aber die Ohnmächtigen so verächtlich zur Zielscheibe einer völlig verkommenen Belustigung zu machen, das sollte all den Zeitungen und Zeitschriften überlassen bleiben, für die ich mit guten Gründen kein Geld ausgebe. Ich werde trotz dieses samstäglichen Attentats auf meine Toleranzgrenze die FAZ nicht abbestellen und weiter, wenngleich nicht unbeschränkt tapfer sein. Gleichwohl fordere ich um Rücküberweisung von 2,80 Euro (Tagesverkaufspreis) auf mein bekanntes Konto plus einen Brief mit Ihrer Stellungnahme zu der Karikatur samt vierwöchiger „Greser&Lenz“-Sperre.


» Kontakt: leserbriefe@faz.de [3]

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