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Propaganda gestern und heute

baldurIn Deutschland herrscht eine spezielle Form des Western Show-Down. In Deutschland hat gewonnen, wer am schnellsten „Du Nazi“ ruft. An diesem Show-Down beteiligen sich unter anderem die Gegner des DEMO FÜR ALLE-Aktionsbündnisses „Für Ehe und Familie – gegen Gender-Ideologie und Sexualisierung unserer Kinder“. Beim Kampf gegen die „DEMO FÜR ALLE“ kommen nicht nur Beschimpfungen, Drohungen und Spott, sondern auch Brandanschläge zum Einsatz.

Gruppen wie der Antifa gilt der DEMO FÜR ALLE-Einsatz für Ehe und Familie, gegen Gender-Ideologie und gegen Sexualisierung als rechtsextrem und als voll „Nazi“.

Stimmt das? Ist die DEMO FÜR ALLE eine Naziveranstaltung? Das lässt sich leicht anhand der Frage überprüfen: Hätten die Nazis die Ziele der DEMO FÜR ALLE erlaubt? Sind die Nazis für den Schutz von Ehe und Familie und Kindern eingetreten?

Um es gleich vorweg zu sagen: Die Propaganda der Nationalsozialisten ist für den Schutz von Ehe und Familie und Frauen und Kindern eingetreten. Die Nazi-Propaganda war gespickt voll davon. Aber wie sah die Realität aus?

Zur Nazi Propaganda-Maschinerie gehörte die Auszeichnung mit dem sogenannten Mutterkreuz. Mit einigen Ausnahmen wurde der Frau im Dritten Reich die Rolle einer Brutmaschine zugemutet, die dem Vaterland jedes Jahr ein Kind liefern sollte. Dass eine Politik, die von einer Frau viele Geburten fordert, weder dem Schutz der Frau noch ihrer Ehe und Familie dient, sondern nur einer Politik mit Expansionsplänen, die Kanonenfutter möchte, braucht nicht eigens erklärt zu werden.

Zieht man das Mutterkreuz als Beispiel heran, dann war der wahre Grund dieser Auszeichnung nicht die Unterstützung von Familien, sondern es ging den Nazis darum, Nachschub an Soldaten zu haben. Dieser „Verdienstorden“ war staatliche Propaganda – nichts weiter.

Auch die angebliche „Sittlichkeit“ und Förderung der Familien stellt sich als ein Produkt der Nazi-Propaganda-Maschinerie heraus. Denn eine nicht unwesentliche Facette der nationalsozialistischen Umgestaltung der Gesellschaft war die Freizügigkeit der Sexualisierung, wie eine jüdische Zeitzeugin Ende 1935 schildert.

„Für die Mädchen ist ein halbes Jahr Arbeitsdienst verpflichtend geworden. Meine Freundin Margarete hat versucht, ihre Tochter Hilda so lange dies möglich war, davon fern zu halten. Alle Mütter fürchten diesen Arbeitsdienst, und die Ausflüge der ‚Hitler Maiden‘, denn die meisten sind keine Maiden mehr, wenn sie zurückkehren, und mindestens 50 Prozent kehren schwanger nach Hause zurück. [..] Als Hilda dann schließlich zum Arbeitsdienst musste, kehrte sie zurück und erwartete ein Baby. Margarete war verzweifelt. Jedoch Hilda sagte: ‚Ich bin stolz, dass ich ihm (Hitler) ein Baby geben kann. Ich hoffe, es wird ein Junge, der für ihn [Anm: im Krieg] sterben kann.‘ Zu mir gewandt sagte sie: „Nennen Sie mich bitte nicht mehr Hilda, und nehmen Sie davon Abstand, das familiäre Du zu verwenden, wenn Sie mit mir reden. Ich bin eine der Bräute des Führers und lege keinen Wert darauf, mit Anti-Nationalsozialisten zu reden.“

Recht interessant sind folgende Aussagen der Herrschenden im Nationalsozialismus: So hatte Hess gesagt: „Deutschland braucht starke, gesunde Nachkommen. Ein deutsches Mädchen ist geehrt, wenn sie uneheliche Kinder zur Welt bringt.“ Und Himmlers Propaganda zu dem Thema, die er in einem Artikel für das Schwarze Korps formulierte, war ähnlich: „Probieren Sie den zukünftigen Ehepartner aus“, forderte er die jungen Deutschen auf.

Mit dieser Haltung waren die Nazis für heutige Begriffe jedenfalls auf der modernen Seite. Und wie sah die Haltung der Nationalsozialisten gegenüber Kindern und deren Erziehung aus?

Die Antwort lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Kinder wurden als formbares Material betrachtet, das die Eltern zur Verfügung zu stellen hatten und über das die Nazis für sich die Oberhoheit beanspruchten.

Die Nazis taten alles, um die Erziehung der Kinder zu übernehmen und das Denken der Kinder zu prägen. Von frühestem Alter an wurden die Kinder dem Schutz des Elternhauses entrissen. Und seit dem sechsten Lebensjahr wurden sie in den verschiedenen Abteilungen der Hitlerjugend indoktriniert. Die Erziehungspolitik diente nicht dem Schutz der Familie, sondern den finsteren Absichten des nationalsozialistischen Staates.

Die Kinder sollten den Eltern entfremdet werden und sich nur noch den Idealen des Staates, in diesem Fall des national-sozialistischen Staates, verpflichtet fühlen.

Die elternunabhängige staatliche Einflussnahme ging mit einer Verachtung des Elternhauses einher. Der Bericht der jüdischen Zeitzeugin schildert die geistige Verrohung, die staatlicherseits beabsichtigt war. Ein befreundetes Ehepaar, das drei Söhne im Alter von zwölf, neun und sieben Jahren hatte, hatte ihrer Bekannten folgendes mitgeteilt:

„Wir sind furchtbar besorgt. Die Jungen wollen nicht mehr auf uns hören. Günther musste der Hitlerjugend beitreten. Die anderen beiden dem Jungvolk. Margarete [Anm.: die Mutter der Jungen] bat Günther einen Strauß Rosen aus unserem Garten zu deinem Haus zu bringen. Er weigerte sich. Als Margarete darauf bestand, dass er gehorchen sollte, zog er das Messer [Anm. Bestandteil der Ausrüstung der Hitlerjugend] und griff sie an, seine eigene Mutter! Er schrie: ‚Ich gehöre zuerst dem Führer! Die Familie kommt an zweiter Stelle. Wenn du deine Freundschaft mit Tante Bella [Anm. Name der jüdischen Bekannten] fortsetzen möchtest, werde ich dich der Partei melden müssen! [..] Sie stehlen die Herzen und das Vertrauen unserer Kinder. Sie versuchen, sie als Spartaner auszubilden, als Kanonenfutter für ihren nächsten Krieg.“

Für den Fall, dass Kinder für den nationalsozialistischen Judenhass und die hasserfüllte Nazi-Propaganda nicht zugänglich waren und sich stattdessen am Vorbild ihrer Eltern orientierten, spionierten die Lehrer an den Schulen die Kinder aus.

In diesen Fällen konnte es geschehen, dass die Gestapo deren Väter in der Nacht verhaftete. So berichtet die jüdische Zeitzeugin:

„[..] Herr Runge [Anm.: Der Lehrer] diskutierte wieder die jüdische Frage. ‚Inge’ fragte er, ‚stimmst du zu, dass alle Juden verdammenswert und bösartig sind?’ ‚Nein’, beharrte Inge.“

In derselben Nacht war die Gestapo aufgetaucht und hatte Inges Vater abgeholt.

Sieht so eine Förderung von Ehe und Familie aus? Wohl eher nicht.

Das Ziel war nicht nur, die Kinder und Jugend mit Brutalität und Hochmut gegenüber Juden und Nicht-Nationalsozialisten zu erfüllen. Sondern zusätzlich mit einer Verachtung gegenüber der Institution der Familie.

Das geht unverblümt aus einer Rede des Führers der Hitlerjugend, Baldur von Schirach (Foto oben) hervor. Dieser hatte folgendes gesagt:

„Das Familienleben ist eine altmodische Vorstellung. Wir haben dafür keine Notwendigkeit in unserem neuen Leben, das den Staat über alles stellt. Vertraut niemandem. Beobachtet eure Ehefrau. Beobachtet eure Kinder. Beobachtet jeden. Und berichtet über ihre Aktivitäten der Regierung.“

Diese Art Ethik würde über kurz oder lang zu einem kompletten Zusammenbruch der menschlichen Gesellschaft führen, wie die jüdische Zeitzeugin Bella Fromm treffend kommentierte.

Betrachtet man die obigen Informationen, dann ist klar, dass die Nationalsozialisten keine Freunde der „DEMO FÜR ALLE – Für Ehe und Familie – gegen Gender-Ideologie und Sexualisierung unserer Kinder“ gewesen wären. Und dass ihre Nazi-Schläger dieser Entwicklung schnell ein Ende bereitet hätten.

Und hätten sich zur Zeit des Nationalsozialismus dennoch Leute zu einer DEMO FÜR ALLE zusammengefunden, dann wäre es ihnen mindestens so ergangen wie einer Gruppe, die am Sonntag, den 28. Februar 2016 an einer „Demo für Alle“ teilgenommen hat. Nach Kundgebungsende wurden sie von den Antifa-Schlägern bis zum Hauptbahnhof verfolgt. Am Hauptbahnhof wurde ein Mann dieser Gruppe von den schwarzvermummten Antifas zusammengeschlagen.