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Nationalfeiertag – 17. Juni oder 3. Oktober?

Berliner bewerfen am 17. Juni 1953 einen sowjetischen Panzer mit Steinen nahe des Potsdamer Platzes in Berlin.

Die Deutschen sind ein seltsames Volk. Mit dem 17. Juni hatten sie einen wunderbaren Nationalfeiertag: mitten im Sommer, bestes Grillwetter und dazu eine wunderbare Botschaft, freiheitlich, antisozialistisch, patriotisch, kämpferisch. Dann kam Helmut Kohl und hat ihnen diesen Tag weggenommen: die Erinnerung an einen Tag, an dem das Volk Steine gegen Panzer der Staatsmacht wirft, wollte man sich auch in der neuen Bundesrepublik lieber nicht antun. Seitdem „feiern“ die Deutschen an einem langweiligen Herbsttag ganz brav den Tag der Offenen Moschee. Aber brauchen die Deutschen eigentlich immer einen Befehl „von oben“, wann sie sich selbst und ihre eigene Nation feiern? Und war der 17. Juni nicht schon immer ein Nationalfeiertag „von unten“?

(Von Marcus)

Vergleicht man den 17. Juni mit dem 3. Oktober, fallen einem beim 17. Juni schnell die Stärken dieses Tages ein, während man beim 3. Oktober eher an die Schwächen denkt.

Der 17. Juni war ein Tag des Kampfes, ein Tag, an dem sich die Arbeiter und später auch große Teile des ganzen Volkes, gegen das Unrechtsregime der „DDR“ erhoben. Er war ein Tag des Mutes, den viele mit dem Leben oder jahrelangem Zuchthaus bezahlten. Aber er war auch ein Tag des Sieges. 36 Jahre später wurden die Kommunisten endlich vom Hof gejagt. 36 Jahre später wurde Deutschland wieder unser einig Vaterland. 36 Jahre später hatten die Arbeiter des 17. Juni eben doch gesiegt. Und die Bande, die eine ganze Generation von Menschen zwischen Ostsee und Erzgebirge betrogen hatte, konnte die Koffer packen.

Der 17. Juni aber war von Anfang an kein allein ostdeutscher Tag, er war immer ein gesamtdeutscher Tag. Völlig richtig erklärte in Bonn ein damals noch freiheitlich und patriotisch denkender Deutscher Bundestag den 17. Juni zum Nationalfeiertag: als Zeichen der gesamtdeutschen Solidarität und als Bekenntnis zur Einheit in Freiheit. Der 17. Juni war daher immer ein gesamtdeutscher, verbindender Nationalfeiertag, auch – oder gerade weil – er seine Wurzeln im Osten hatte, aber nur in Westdeutschland gefeiert werden durfte.

Gerade aufgrund dieser verbindenden, jahrzehntelangen Tradition hätte der 17. Juni auch nach der Wiedervereinigung unser gemeinsamer Nationalfeiertag bleiben müssen. Aber 1990, in Zeiten einer ideologisch bereits veränderten Bundesrepublik, wurde die eigentliche Stärke des 17. Juni, das Kämpferische, seine Verankerung im Volk und nicht in der Obrigkeit, dem Tag zum Verhängnis. Der 17. Juni war ja letztlich ein Tag des Aufstands, der Erhebung gegen „die da oben“. Eine solche Erhebung kann sich natürlich jederzeit wiederholen – warum also sollte die politische Elite der neuen, wiedervereinigten Bundesrepublik die Erinnerung an einen solchen Tag lebendig halten? Ahnte die politische Führung der Bundesrepublik 1990 bereits, dass ihr eigener, damals schon erkennbar multikulturalistisch dogmatisierter Staat, eines Tages mit denselben inneren Spannungen, derselben Distanz zwischen Staat und Volk, denselben Vorwürfen einer „Herrschaft des Unrechts“ konfrontiert sein würde, wie 1953 die „DDR“?

Auch der antisozialistische Charakter des 17. Juni dürfte der 1990 bereits stark linkslastigen Bundesrepublik ein Dorn im Auge gewesen sein. Zentraler inhaltlicher Schwerpunkt des 17. Juni war immer der Aufstand gegen die Unrechtsherrschaft des Kommunismus. Wie kaum ein anderer Tag der deutschen Geschichte betont der 17. Juni also die freiheitsliebende Seite der Deutschen, er betont die Ablehnung des Totalitären. Das Thema Wiedervereinigung steht beim 17. Juni erst an zweiter Stelle.

Beim 3. Oktober ist es genau umgekehrt: Die Erinnerung richtet sich in erster Linie auf die Wiedervereinigung. Die am 3. Oktober gefeierte Zeremonie der Vertragsunterzeichnung zwischen Helmut Kohl und „DDR“-Chef Lothar de Maiziere erweckt den Anschein, es handele sich wirklich nur um die Vereinigung von zwei Staaten, völlig unabhängig von ideologischen Unterschieden. Auch fehlt dem Datum jeder Bezug zu den Schlüsselereignissen der vorangegangenen Erhebung gegen das Regime der SED/„Die Linke“. Weder die Leipziger Demonstrationen noch der Mauerfall haben irgendeinen Bezug zum Datum 3. Oktober. Die gesamte antisozialistische Komponente der Revolution von 1989 tritt also in den Hintergrund. Dieser wichtige Aspekt, den Sozialismus in der Erinnerung zu schonen, dürfte 1990 die Entscheidung gegen den 17. Juni und stattdessen für den belanglosen, aber historisch neutralen 3. Oktober erheblich mitbestimmt haben.

Und nicht zuletzt spielte wohl auch Kohls persönliche Eitelkeit eine Rolle. Durch die Unterzeichnung des Vertrages mit der „DDR“ am 3. Oktober rückte ja auch er selbst in den Mittelpunkt der Erinnerungsrituale. Nicht mehr das aufständische Volk, nicht mehr der einfache Arbeiter, der mit Steinwürfen gegen Panzer am 17. Juni für die Freiheit, für ein gemeinsames Deutschland sein Leben riskierte, nicht einmal die Leipziger Demonstranten von 1989, sondern der Herr Bundeskanzler höchstpersönlich wurde mit dem 3. Oktober zur Hauptfigur des nationalen Erinnerns. Insgesamt also ein geschickter Schachzug des politischen Christian Establishments: indem man den 17. Juni abschaffte und durch den 3. Oktober ersetzte, nahm man den Deutschen zugleich den Nationalfeiertag des Volkes und schuf sich seinen eigenen Nationalfeiertag der Elite.

In dieser Tradition eines Nationalfeiertags der Elite steht der 3. Oktober bis heute. Diese Tradition wird sogar jedes Jahr deutlicher: „Tag der offenen Moschee“, die Proklamation der „Bunten Republik Deutschland“ durch Präsident Christian Wulff, seine Aussage, die Gewaltideologie Islam gehöre ohne Wenn und Aber zu Deutschland – auch für diese fatalen Traditionen unserer verlogenen, de facto totalitär regierenden Elite steht heute der 3. Oktober.


Hinweis: Am 17. Juni 2016 findet in Berlin unter dem Motto „Aufstand gegen das Unrecht und für unsere Zukunft“ eine Demonstration der Identitären Bewegung Deutschland statt. Mehr Informationen dazu hier!

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