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Panik-Propaganda im Ersten

Gestern Abend zeigte der GEZ-Sender ARD eine Sendung mit dem Titel „Die Story im Ersten: Vertrauen verspielt?„. Story ist genau der richtige Ausdruck. Den Zuschauern wurde eine rührselige Geschichte aufgetischt. Sie handelt von ausgewogenen, selbstkritischen, rührend bemühten Journalisten, die sich völlig zu Unrecht als Lügenpresse diffamiert sehen.

In den Hauptrollen eine Handvoll dauerbetroffener und pseudoselbstkritischer Medienfreaks. Als Themen, die das Vertrauen zu den Medien nachhaltig erschütterten, macht die Sendung die „Flüchtlinge“, die Ukraine, Christian Wulff und Langzeitsarbeitlose aus. Ja, das waren noch Zeiten, als ein arbeitsscheuer Deutscher zur Volkserziehung in den Medien herumgereicht wurde! Heute wäre das angesichts der illegalen Masseneinwanderung in unsere Sozialsysteme die Lachnummer schlechthin.

Bei Minute 21 erfahren wir in einem Schlüsselsatz:

„Und das macht die Situation heute so brisant: Wer früher den Massenmedien nicht glaubte, hatte keine Alternative. Jetzt schon.“

Zur Erinnerung: Die Sendung erweckte zunächst den Anschein, die Mainstreammedien kritisch unter die Lupe nehmen zu wollen. Nun kommt der eigentliche Zweck zum Vorschein. Die Sendungsmacher greifen Heiko Maas‘ Lieblingswort auf und reden von „Hetze“.

Es wird eindringlich vor diversen Autoren gewarnt. In einem Mitschnitt sagt der ehemalige FAZ-Journalist Udo Ulfkotte: „Ich war 25 Jahre lang Journalist. Mir wurde beigebracht zu lügen, zu betrügen und der Öffentlichkeit nicht die Wahrheit zu sagen.“

Das geht natürlich gar nicht. Deswegen schiebt man schnell hinterher:

„Seither präsentiert er seine wirren Inhalte immer wieder.“

Dann wird Ulfkotte mal eben mit Ken Jebsen in einen Topf geworfen und zusammen mit diesem als „Pseudo-Journalist“ bezeichnet. Wobei Ken Jebsen das Pseudonym von Moustafa Kashefi ist. Dieser bereicherte den rbb auf iranische Weise bis er aufgrund antisemtischer Äußerungen nicht mehr haltbar war.

Als nächstes wird RT Deutsch als „russischer Propaganda-Sender“ gebrandmarkt. Vergessen die anfängliche Selbstkritik beim Stichwort Ukraine…

Nun kommen wir zum eigentlichen Erziehungsauftrag der Sendung: AfD-Bashing.

„Die Partei startet eine Volksinitiative gegen den Rundfunkbeitrag. Hier wird das Misstrauen gegen Medien zur Politik.“

Das geht natürlich gar nicht, dass eine Partei gegen die Pfründe unserer unersetzlichen, ausgewogenen, selbstkritischen Sender vorgeht!

Die Rettung naht in Person der ARD-Vorsitzenden Karola Wille:

„Sie will um Glaubwürdigkeit beim Publikum kämpfen. Deswegen fordert sie auch mehr Vielfalt im ARD-Programm“

… berichten die Sendungsmacher vollkommen objektiv über ihre Vorgesetzte.

Man wolle sich zukünftig „auch ausdrücklich außerhalb der Mainstreamposition bewegen“, sagt die Programm-Chefin vor laufender Kamera. Die Sendungsmacher geben sich betont kritisch, fragen extra noch einmal sechs Monate später nach! Schließlich sind sie nicht leichtgläubig gegenüber ihrer Chefin, sondern verstehen etwas von seriösem, kritischen Journalismus. Beruhigt nehmen sie zur Kenntnis: „Heute sind wir viel breiter aufgestellt“. Und jetzt bitte noch einmal kritisch nachhaken: Hat der Wandel was mit Silvester in Köln zu tun? Jaja, das war ein Katalysator. Nun „sitzt die Gesellschaft mit am Medientisch“ fasst die ARD-Chefin zusammen.

Was für eine billige Nummer!

Jetzt darf sich selbstverständlich auch das ZDF noch schnell beweihräuchern. Wir sind ja ausgewogen. Es wird erklärt, warum Dunja Hayali Hausbesuche bei medienkritischen Bürgern macht:

„Sie kämpft um jeden einzelnen.“

In wessen Auftrag und von welchem Gehalt, wird nicht mitgeteilt.

Als nächstes darf WeLT Vize-Chef Ulf Poschard ran. Es wird betont, dass die Medienleute von ihrer Bildung und ihrem Einkommen her natürlich in einer anderen Welt leben als das schnöde Publikum. Trotzdem gibt sich der Springer-Verlag natürlich Mühe, auch den letzten Deppen zu erreichen. Für jeden Geschmack ist etwas dabei. Man gibt ein paar Denkrichtungen vor und lässt es dann laufen. Nur nicht festlegen. Der mündige Bürger soll selbst entscheiden, sagt Poschard. Springer setzt wie immer auf Quote. Genauso wie die Kanzlerin. Übereinstimmungen sind rein zufällig.

Wegen der neuen Ausgewogenheit der ARD kommen in der Sendung auch Redakteure aus dem Ausland zu Wort. Aus Dänemark heißt es, die deutsche Presse sei von politischer Korrektheit beseelt. Ulrik Haagerup, der Nachrichten-Chef des dänischen Fernsehens, hält den deutschen Journalismus für ein Risiko. Statt Journalismus würden deutsche Medien Politik betreiben. Das Vertrauen sei zu Recht dahin. Da Haagerup anders als z.B. Ulfkotte Däne ist, darf er deutsche Medien kritisieren ohne als Populist oder Verschwörungstehoretiker diffamiert zu werden. Wir sind ja ausgewogen!

Zum Schluss fährt man ins benachbarte Österreich, weil da alles noch viel schlimmer ist:

„Auch in Österreich kämpfen Journalisten um ihre Glaubwürdigkeit. Das Land ist gespalten. Politisch und medial. Hunderttausende informieren sich beim Medienangebot der rechtspopulistischen Partei FPÖ. Der öffentlich-rechtliche Sender ORF stemmt sich gegen diese einseitigen Berichte.“

„Wir können doch die Leute nicht einfach irgendwelchen Propagandisten überlassen“

… sagt der Propaganda-Chef der Nachrichten im ORF und schreibt täglich höchstpersönlich und bis tief in die Nacht in den sozialen Netzwerken. Er ist offenbar das österreichischen Pendant zur penetranten Hayali.

Man will uns sagen: Die braven Öffentlich-Rechtlichen opfern sich für ihre Zuschauer auf, wollen es jedem Zuschauer recht machen, notfalls mit Hausbesuch oder auf Facebook. Sorgen macht aber die Jugend, die sich partout nicht öffentlich-rechtlich informieren lassen will. Sie will neue Formate. Daher wird zum Schluss der Medienkonzern „Vice“ beworben. Vice schickt junge Reporter in Krisenregionen los, gerne mit Drogenhintergrund, gerne mitten ins Ebola-Gebiet oder in den syrischen Bürgerkrieg. „Ehrlich“ und „authentisch“ lautet das Urteil der ARD. Würdig des deutschen Fernsehpreises. So wissen nun auch junge Leute, was sie zu gucken haben. Erziehungsauftrag erledigt.

Was in der Sendung noch vergessen wurde:

Haltet euch fern von PI!