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„Hass“ – Korrektur einer verzerrten Kampagne

maasmaennchen [1]Unzählige Artikel in der deutschen Lückenpresse sowie Beiträge in Radio und Fernsehen beschäftigen sich seit Monaten mit dem Phänomen „Hass“ in den sozialen Medien des Internets, aber auch bei Veranstaltungen, Demonstrationen und Kundgebungen politischer Kräfte, die pauschal als „Rechtspopulisten“ gebrandmarkt werden.

(Von Wolfgang Hübner, Frankfurt)

Dagegen spielt der unverhohlene Hass seitens der Linksextremen und radikalen Linken gegen Volk, Nation und Staat keine oder nur eine sehr untergeordnete Rolle in dieser Diskussion. Offenbar, das ist höchst aufschlussreich, wird dieser Hass als weit weniger gefährliche Bedrohung für die derzeit herrschenden Kreise in Deutschland eingeschätzt.

Doch was ist das eigentlich: „Hass“? Was unterscheidet diesen von Wut, Verachtung oder Abneigung? Gemeinhin wird Hass, eine sehr starke individuelle oder kollektive Emotion, als das extreme Gegenteil von Liebe begriffen. Verletzte, unerwiderte, enttäuschte oder betrogene Liebe kann und wird oft in Hass umschlagen. Doch in dem hier behandelten Zusammenhang interessiert Hass nur als kollektives, reaktives Phänomen.

Der linke Tiefenpsychologe und Sozialphilosoph Erich Fromm erkannte im Hass das Ergebnis einer tiefen Verletzung oder einer schmerzlichen Situation, der man ohnmächtig gegenübersteht, da man sie aus eigener Kraft nicht verändern kann. Erich Fromm schrieb:

„Unter reaktivem Hass verstehe ich eine Hassreaktion, die entsteht aufgrund eines Angriffs auf mein Leben, meine Sicherheit, auf meine Ideale oder auf eine andere Person, die ich liebe oder mit der ich identifiziert bin. Reaktiver Hass setzt immer voraus, dass jemand eine positive Einstellung zum Leben, zu anderen Menschen und zu Idealen hat. Wer stark lebensbejahend ist, wird entsprechend reagieren, wenn sein Leben bedroht ist.“

Wenn sich auch nur einer der vielen Autoren oder Politiker, die sich so sorgenvoll mit dem Hass in Teilen der Bevölkerung beschäftigen und vor diesem warnen, ja ihn sogar unter Strafe stellen wollen, mit Fromms Verständnis von reaktivem Hass einmal näher auseinandergesetzt haben sollte, müsste zumindest dieser eine Politiker oder Autor stark verunsichert worden sein. Denn dann hätte er darüber nachzudenken, warum immer mehr Menschen das Gefühl haben, einer Situation ohnmächtig gegenüber zu stehen, die sie aus eigener Kraft oder mit der Stimmabgabe für eine der etablierten politischen Kräfte nicht mehr ändern und noch nicht einmal merklich beeinflussen zu können glauben.

Donald Trumps Überraschungssieg bei den amerikanischen Präsidentenwahlen ist wohl vorrangig der Tatsache geschuldet, dass sich ein Großteil der sich ohnmächtig und ausgeliefert fühlenden Menschen in den USA in ihm einen Politiker erhoffen, der sie nicht länger ignoriert und verachtet. Genau das aber hat seine Rivalin Hillary Clinton mit ihrer zutiefst arrogant-abfälligen Bemerkung über die mangelnde Qualität der Anhänger und Bewunderer Trumps getan. Es spricht vieles dafür, dass dieses Zitat aus ihrer Rede auf dem demokratischen Nominierungsparteitag Clinton das Amt im Weißen Haus gekostet hat.

Doch viel schlimmer als in den USA ist die Situation in Merkel-Deutschland. Hier sind sich bislang alle etablierten Parteien, die weitgehend gleichgeschalteten Massenmedien und die wichtigsten Institutionen, Verbände und Amtskirchen der Gesellschaft einig in der Verdammung und Verachtung all jener Kräfte, die als „Rechtspopulisten“ gebrandmarkt werden. Diesen drohen sogar Praktiken der sozialen Ausgrenzung, von Einschüchterungs- und Gewaltaktionen der staatlich subventionierten linksfaschistischen „Antifa“ mal ganz abgesehen. Dazu werden beharrlich die Nöte und Probleme von sozialen Gruppen und Bevölkerungsschichten ignoriert, die nicht von der Globalisierung profitieren, die aber erleben, welches Spannungspotential die politisch geförderte Invasion kulturfremder Massen enthält.

Diese Gruppen und Schichten müssen mitansehen, wie die dominierende „Elite“ alle möglichen Minderheiten hofiert und anbetet, jedoch den die Hauptlasten tragenden und den gesellschaftlichen Wohlstand hart erarbeitenden Teil des Volkes nur als geduldiges Stimmvieh und allzeit willigen Konsumenten schätzt. Gleichwohl hat sich in Deutschland dieser ignorierte Teil des Volkes bislang nur ansatzweise zur Geltung gebracht. Aber sowohl Pegida, kritische Internet-Foren als auch Analysen der AfD-Wählerschaft haben aufgezeigt, dass sich etwas bewegt.

Nach den Schocks von Brexit und Trump-Wahl mangelt es nun in den Massenmedien nicht an Artikeln und Überlegungen über das Problem der sogenannten „Vergessenen“, die sich immer spektakulärer bemerkbar machen. Aber es ist noch nichts zu lesen oder zu hören, was selbstkritisch und einsichtig erklärt, wie sehr der so geschmähte „Hass“ ideelle und materielle Ursachen hat, die in der Ignoranz und Verachtung der herrschenden und vielfältig profitierenden Kreise zu finden sind.

Deswegegen ist die gesamte „Hass“-Diskussion ein ebenso hilfloses wie selbstherrliches Selbstgespräch der noch Mächtigen. Es mag ihnen vielleicht noch einige Zeit das wohlige Gefühl der moralischen Selbstbefriedigung vermitteln, nutzt jedoch nichts und löst erst recht nichts. Nach der Wahl in den USA wäre es in Deutschland allerhöchste Zeit, nicht mehr über den berechtigten reaktiven Hass der gesellschaftlich Gebrandmarkten, Ausgegrenzten und Vergessenen zu palavern, sondern über die Verachtung und Ignoranz der Mächtigen zu sinnieren. Denn diese sollten selbst im für gesellschaftlichen Konformismus so anfälligen Deutschland keine Ewigkeitsgarantie ihrer Dominanz erwarten.

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