Markus Lanz: Lehrstunde des Postfaktischen

Wie schafft man es, über den islamischen Anschlag in Berlin und etwaige Folgen einen Bogen zum Breivik-Attentat und schlussendlich zu Muslimen als eigentliche Opfer der „hier schon länger Lebenden“ zu spannen? Mit dem stellvertretenden Chefredakteur und „Terrorismusexperten“ des ZDF Elmar Theveßen („Auf einmal war ich dann der Terrorismusexperte des ZDF“), mit Michael Lüders, dem „Politik-und Islamwissenschaftler“ oder geschäftstüchtigen Nah-Ost-Experten für die ZEIT (auf jeden Fall Präsident der Arabischen Gesellschaft) und mit dem Angstforscher Prof. Borwin Bandelow geht das. Die Quasselstrippe Markus Lanz trug das ihrige bei, und Christoph Schwennicke vom Cicero, der immerhin Samuel P. Huntington gelesen hat und dessen „Kampf der Kulturen“ einbrachte, konnte die kruden Ergüsse der Expertisten nicht stoppen.

(Von Alster)

Auch der Angehörige der Polizei(Gewerkschaft GdP), der ausführlich die Ohnmacht der Exekutive durch das Gebundensein an Gesetz und Recht beschrieb, pflichtete den Expertisten bei: Es gibt keinen Krieg – islamische Terroristen sind nur feige Mörder. Der verwirrte Psychiater beschrieb die Korangläubigen als Narzissten mit antisozialen Störungen. Ihr Belohnungssystem im Gehirn (das wir alle haben) würde nicht ausreichend bedient werden, und das sei ganz wichtig: es geht um Macht nicht um Religion.

Herr Lüders, für den die USA und der Westen schuld an allem und im Besonderen am islamischen Terrorismus sind, konnte endlich den Breivik als rechtsextremistischen Christen! einbringen. „Wir neigen dazu, Kriminalität mit dem Islam zu erklären, dabei liegt es nur am sozialen Kontext, dass Breivik nicht die Unterstützung wie der IS bekam.“

Der zugeschaltete Expertist Theveßen beschrieb ausführlich die Täterprofile, die aus seiner Sicht junge Leute sind, die nur Anerkennung suchten und nichts mit Religion am Hut hätten; sie würden saufen, huren usw. Er hat sich wohl nie mit Atta und Co beschäftigt. Und dann haut Elmar Theveßen noch einmal sein ganzes Wissen und seine Phantasie heraus: Es ist nicht der Islam sondern eine Verfälschung aus dem 12.,13. Jahrhundert, der als Brandbeschleuniger wirkt. Auch er erwähnt Breivik, und dann erklärt er seine Erkenntnis über die IS-Strategie: Die westlichen Gesellschaften provozieren, dadurch einen Rechtsruck und starke Rechtsparteien schaffen, woraufhin sich Minderheiten unter Generalverdacht gestellt und marginalisiert sehen und anfälliger werden für die Lockrufe des IS. Theveßen weiß auch (woher eigentlich?), dass die größten Wahlparties bei Siegen der rechtsradikalen Parteien in Europa bei den Islamisten stattfinden.

Diese Expertisten, die hartnäckig verhindern, das über das Problem Islam diskutiert und Konsequenzen gezogen werden können, tummeln sich beinahe stündlich in den Medien. Ein O-Ton des Moderators Markus Lanz über die Stigmatisierung der Muslime:

Wie können wir dafür sorgen, dass nicht alle (Muslime) über einen Kamm geschert werden, dass wir sie nicht in eine Ecke treiben, was wir jetzt schon erleben. Wenn sie mit muslimischen Freunden sprechen, was die im deutschen Alltag mittlerweile erleben, da wird dir angst und bange. Da werden kleine Kinder geschubst, angespuckt, beleidigt, beschimpft, bepöbelt usw.. das können wir unter keinen Umständen zulassen, wie begegnen wir dem?

„Markus Lanz – Spezial“ vom 21. Dezember 2016 Markus Lanz spricht in seiner Spezialausgabe über den Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt und die Folgen. Weil es sonst zu sehr schmerzt, reichen die letzten 20 Minuten der Sendung (Viodeo oben) völlig aus.