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Bergisch-Gladbach: AfD legt Schweigeminute für Thomas K. ein

Kompetenz pur (v.l.n.r.): Dr. Roland Hartwig, Prof. Harald Weyel, Moderator Martin Schiller, Guido Reil und Martin Renner.

Prominenten Besuch hatte diesen Mittwoch die AfD des Rheinisch-Bergischen Kreises zu verzeichnen. Mit dem Essener „Steiger“ Guido Reil, bundesweit bekannt geworden durch seinen famosen Auftritt bei „Hart, aber Fair“, und dem Mitgründer der Alternative für Deutschland und NRW-Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl, Martin Renner, kamen gleich zwei Hochkaräter der „Blauen“ in den Bergischen Löwen und sorgten vor knapp 200 Zuhörern für einen emotionalen Abend.

Emotional deshalb, weil erst wenige Tage vorher nur ca. 300 Meter entfernt vom Veranstaltungssaal in der Hauptstraße, der 40-jährige Thomas K. von einer Gruppe türkischer Jugendlicher zu Tode geprügelt wurde (PI-NEWS berichtete). Grund genug für den Moderator des Abends, Martin Schiller, nach der Vorstellung der Bundestagskandidaten Dr. Roland Hartwig und Prof. Dr. Harald Weyel, eine Schweigeminute für den zweifachen Familienvater Thomas K. einzulegen.

Dass sich Gewalttaten wie diese nicht mehr wiederholen, dafür will sich vor allem der fünffache Familienvater (vier Söhne, eine Tochter) und Jurist, Dr. Roland Hartwig, einsetzen. Der gebürtige Berliner, Nr. 14 der NRW-Landesliste, betonte in seiner knapp 20-minütigen Rede, dass die Wiederherstellung der Rechtsstaatlichkeit und die Wahrnehmung deutscher Interessen in der Innen- und Außenpolitik für seine Arbeit als Bundestagsabgeordneter Priorität haben werden.

Einen nicht weniger versierten Eindruck machte der Professor für Betriebswirtschaft an der FH Köln und Drittplatzierter der NRW-Landesliste, Harald Weyel, der sich unter anderem gegen deutsche und europäische Fehlanreize bei der Sozial- und Wirtschaftspolitik einsetzen wird. „In Europa müssen kurzfristig nicht nur die neuen Rettungsfonds verschwinden, sondern mittelfristig auch die meisten alten Dauersubventions-Futtertröge“, so der 58-jährige in seiner fesselnden Rede.

Sehen wir wohl bald im Bundestag: Die AfD-Kandidaten Dr. Roland Hartwig (l.) und Prof. Harald Weyel.
Sehen wir wohl bald im Bundestag: Die AfD-Kandidaten Dr. Roland Hartwig (l.) und Prof. Harald Weyel. (Foto: privat)

„Da wird einiges an Kompetenz in den Bundestag einziehen“, zeigte sich dann auch der Ex-SPD-ler Guido Reil in seiner wie immer vor dem Pult und aus dem Stehgreif gehaltenen Rede sichtlich beeindruckt. Reil, der im Landtagswahlkampf das Gesicht der Ruhrgebiets-AfD war und im Essener Norden für die AfD über 20 Prozent der Stimmen einfuhr, machte sich an diesem Abend mit seiner gewohnt geradlinigen Art zum Publikumsliebling. Schade, dass man Reil wohl nach dem 24. September nicht im Bundestag wiedersehen wird. Der 47-Jährige ist nicht über die Landesliste abgesichert, sondern bewirbt sich im Nordwahlkreis 119 um ein Direktmandat.

Und dann war da noch Martin Renner aus Haan (nahe Düsseldorf), der in der mit Abstand längsten Rede des Abends eindrucksvoll unter Beweis stellte, dass er zurecht zum NRW-Spitzenkandidat für die Bundestagswahl 2017 gewählt wurde. Der Islamexperte („es heißt nicht islamistischer Terror, sondern islamischer“), der mit seiner Marketingagentur einst Kommunikationsstrategien für internationale Pharma- und Kosmetikkonzerne entwickelte, berichtete den erstaunten Zuhörern, wie das damals in 2013 so abgelaufen ist bei der Gründung der AfD. Von seinen Treffen mit Bernd Lucke in Haan (Luckes Mutter wohnt dort), wie wichtig die Farbe blau für seine Partei ist, wie er das schwungvolle Logo entwarf und wie schwierig es für ihn war, die 15 Gründungsinitiatoren vom Namen „Alternative für Deutschland“ zu überzeugen. „Bei dem Wort Deutschland hatten einige schon Bauchschmerzen“, so Renner, „das muss man sich einmal vorstellen.“

Nach den Reden hatte das Publikum noch die Möglichkeit, Fragen an die vier Politiker zu stellen, wovon auch reichlich Gebrauch gemacht wurde. Einer wollte wissen, ob der AfD-Spitzenpolitiker Alexander Gauland mit seiner Äußerung („entsorgen“) nicht über das Ziel hinausgeschossen wäre? Darauf Renner: „Ja, mei!“ Und damit war eigentlich alles gesagt…

Fazit: Eine sehr erfolgreiche Wahlkampfauftaktveranstaltung der AfD im Rheinisch-Bergischen Kreis mit vier grandiosen Rednern, einem begeisterten Publikum und keinem einzigen linken Störer. Die AfD scheint im Bosbach- und Lindner-Stammwahlkreis sehr gut aufgestellt!