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Pyrrhos lässt grüßen

Von YORCK TOMKYLE | Merkel hat gewonnen. Erneut hat sie ihr Ziel, den persönlichen Machterhalt um jeden Preis, erreicht und darf als Bonbon nun auch den letzten ihrer innerparteilichen Widersacher abräumen: Horst Seehofer ist nach dem Wahldesaster der CSU, die vor allem in ihren oberbayerischen Stammlanden treue Wähler verloren hat, politisch ein toter Mann. Wenn die CSU auch nur ansatzweise eine Chance haben will, die Landtagswahlen im nächsten Jahr in gewohnter Weise zu gewinnen, bleibt ihr gar nichts anderes übrig, als den flotten Horst, der den bayerischen Löwen zum Bettvorleger der Kanzlerin gemacht hat, schleunigst zu entsorgen. Eine Trophäe mehr, die sich die Pattex-Kanzlerin in Berlin an die Wand hängen kann.

Man sollte meinen, dass das Wahlergebnis auch ihre Position geschwächt hat – allein: wer sollte ihr gefährlich werden? Sie hat neben vielen klugen Köpfen ganze Parteien entsorgt oder an die Wand gedrückt, bis sie schließlich sogar gegen das eigene Volk Politik machte und selbst dann noch – wenn auch mit Blessuren – erfolgreich war. In einer Partei, die nur noch aus Duckmäusern besteht, ist das eine ausreichende Qualifikation, um unangefochten die Nummer eins zu bleiben.

Das ist die eine Seite der Medaille.

Die andere hat viel mit dem König zu tun, der Pyrrhos hieß und sich schließlich gegen eine junge aufstrebende Macht zu Tode siegte. „Noch so ein Sieg und wir sind verloren!“ raunte er nach dem Sieg in der Schlacht bei Asculum seinen Vertrauten zu. Er sollte Recht behalten: seine Armee wurde in dieser Schlacht derart geschwächt, dass er schließlich den Pyrrhischen Krieg gegen die Römer verlor.

Und genau das droht nun der Wahlsiegerin in Berlin. Der Koalitionspartner geht, in der Regierungszeit von ihr auf Zwergenformat gestutzt, von der Fahne, um nicht noch mehr Truppen zu verlieren. Auf den treuen Alliierten in Bayern – den wichtigsten Verbündeten – wartet nächstes Jahr die nächste Schlacht. Um diese zu bestehen, muss er zwingend die Marschrichtung ändern. Diese wird mit der Richtung, die die potentiellen neuen Koalitionspartner in Berlin einschlagen wollen, in keiner Weise kompatibel sein, wenn die Bayern nicht 2018 eine Niederlage in epischen Ausmaßen erleiden möchten.

Aber auch die beiden neuen Gäste an Merkels Katzentisch sind sich nicht grün. Um eine kampffähige Einheit zu bilden, müssten Merkels Koalitionstruppen in spe derart viele Positionen über Bord werfen, dass absehbar ist, wer die nächsten Plätze an ihrer Trophäenwand besetzen würde. Wenn dies geschieht, gibt es das Larifari-Weiter-so einer fußkranken Armee auf tönernen Säulen, die in den folgenden Schlachten das Schicksal der Molosser teilen wird.

Allein: was ist die Alternative für die Füchsin in Berlin? Es gibt keine. Das Schicksal des Pyrrhos wartet auf sie – und auf alle, die ihr jetzt noch die Treue schwören.