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Grenzwertige „titel, thesen, temperamente“

Hetzkultur im Ersten

„Wir hier und die dort“: Dass Abschottung und Zurückweisung mit dem Erstarken der staatlichen Propaganda auch in Deutschland wieder eine Option sind, bekommen vor allem Wähler und Mitglieder der AfD zu spüren. Diskussionen darüber, wer „dazu gehört“ und wer nicht, gab es hierzulande schon immer. Doch der Ton hat sich verschärft. Das „Kulturmagazin“ ttt – titel, thesen, temperamente sollte dahinter nicht länger im Spätabendprogramm zurückstehen  und hat seinem Programmauftrag jetzt mit der Sensibilität und Stimmlage eines außer Kontrolle geratenen Frankensteins erfüllt.

„Rrrechts außen“ rollte Moderator Max Moor am Sonntag seinen Zuschauern entgegen, und die Augen rollten mit. Rrrassismus sei es, was Meuthen letztens gesagt habe. Meuthen hatte gesagt, dass er kaum noch Deutsche in deutschen Innenstädten zu Gesicht bekomme und das war rassistisch, sagt Moor, denn hinter jedem Neger und hinter jedem Tross von Kindern, der sich um eine Araberin schart, könnte sich doch schließlich auch ein Deutscher verbergen. Sie sehen zwar aus wie Afrikaner oder Araber oder wie Sinti und Roma, doch das auszusprechen ist jetzt Diskriminierung. Offensichtlich sind nur noch Deutsche etwas wert in Deutschland, wenn es diskriminierend ist, bei einem Bulgaren anzunehmen, er sei ein Bulgare, oder bei einem Sudanesen, er sei ein Sudanese, bei den Sinti, es sei ein Sinto oder Rom. Moors „Thesen“ teilen ein, in Gute und Böse und schon seine Einleitung hat weniger mit „Thesen und Temperamenten“ als mit Hass und Hetzereien zu tun:

Viel wird ja jetzt wieder gerätselt über die Sorgen und Ängste des AfD-Wählers, der in Wahrheit überwiegend wirtschaftlich sorgenfrei lebt und dort am meisten Angst hat, wo die wenigsten Migranten leben. Dennoch werden jetzt offene Flanken an der rrrechten Seite geschlossen, politische Korrektheit wird zum Schimpfwort erklärt – Anstand, Moral, Respekt stört nur, wenn man die Pegida-Schreier dort abholen will, wo sie sich selbst abgehängt haben, nämlich weit weg, rechts außen. Wäre es nicht höchste Zeit mal zur Abwechslung um die Sorgen und Ängste derer zu kümmern, die von Rrrechts permanent bedroht, diskriminiert und diskreditiert werden? Also um genau DAS deutsche Volk, das die „besorgten Bürger“ entsorgen wollen?

Im Auftrag der Propaganda

Noch am Wahlabend hat Jörg Meuthen seinen rassistischen Blick auf das „Deutschsein“ entlarvt: In der „Elefantenrunde“ bei ARD und ZDF beklagte er sich darüber, dass er in den Innenstädten nur noch „vereinzelt Deutsche“ sehe – weil für ihn nur jene Deutsche sind, die seiner Vorstellung von „deutschem Aussehen“ entsprechen.

Kanzlerin Merkel konterte, sie könne auf der Straße nicht erkennen, welchen Pass Menschen mit Migrationshintergrund haben. In dem kurzen Wortgefecht prallten zwei Weltbilder aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten: das eine diskriminierend und rassistisch, auf Homogenität und Abgrenzung bedacht, das andere pluralistisch, weltoffen und tolerant.

Moor bedient damit brav den vom ihm geforderten Propaganda-Auftrag seiner Übermutti aus Berlin aus Überzeugung, wie man an seiner glückseligen Erregung erkennen kann, während er Augen und Stimme rollt. Allerdings bleibt er damit denn auch schon stehen, mit einer mechanischen Denke, die so eckig ist wie das zusammengeschraubte Gesicht einer bekannten Monsterfigur.

Was ist eigentlich, wenn es Touristen sind, die da in großer Zahl durch unsere Städte flanieren, sie sehen durchaus so aus. Darf man sie dann als Touristen registrieren oder ist das rassistisch?

Und wenn es so viele Touristen sind: Warum soll man sich dann nicht über ihre große Zahl aufregen dürfen, die Einwohner von Mallorca stört es doch auch, wenn bei ihnen zu viele Besucher (aus Deutschland) auflaufen? Berliner Sozialdemokraten pflegen und kultivieren gar ihren Hass auf die eigenen Landsleute aus Schwaben und finden das sehr schick, also was?

Und wird es etwa besser, wenn die Vielen, entgegen der ersten Annahme, nun keine Touristen sind, die Geld ins Land bringen, sondern umgekehrt solche, die mit dem Wunsche kommen, auf unsere Kosten zu leben, aber in ihrer eigenen Kultur, die sie stolz und zum Zeichen der Abgrenzung ihren Wirten, also uns ins Gesicht halten?

Wird es da besser oder darf man dann nicht erst recht sagen, wir wollen die nicht? Manche von denen haben einen deutschen (Doppel)Pass. Sie können unsere deutschen Mitbürger werden, wenn: sie sich an unsere Kultur anpassen, sensibel darauf achten, wie es die Deutschen halten in verschiedenen Lebenssituationen.

Wir haben die Geschlechterapartheid abgeschafft, zum Beispiel, und brauchen weder getrennte Busse, Parkbänke, Kinos oder Schwimmbäder für Männer und Frauen. Dies zu behaupten und gar damit zu begründen, (einheimische) Deutsche würden in ihrer Geilheit die armen neudeutschen Frauen belästigen und bedrohen, ist so ignorant und unverschämt, dass diejenigen sofort aus dem Lande geschmissen werden sollten. Wir wollen mit unseren Leuten leben, sowie die Katalanen und viele andere Völker.

Einseitige „Temperamente“ für ebensolche Thesen

Moor hat sich nun extra Beispiele ausgesucht, um uns das zu versüßen, indem  er solche Neudeutschen präsentiert , die nicht aus dem Lumpenproletariat stammen, Frauen ausschließlich, die auch gebildet sind (soweit man das in Gesprächswissenschaften eben sein kann) um uns zu zeigen, wie fortschrittlich und ähnlich uns die Neuen sind, und was uns entgeht, wenn wir sie nicht wollen:

Eine Journalistin, Ferda Ataman, kommt zu Wort, die uns mit Erkenntnissen über unseren Rassismus bereichert.

Dann die Professorin für Integrationsforschung Naika Foroutan, die nach zehn Jahren Forschung „das Gefühl des Verlustes von Gemeinschaftichkeit“ als Quintessenz ihrer jahrelangen guten Bezahlung präsentiert.

Idil Baydar ist Kabarettistin, Schauspielerin und Autorin und  Simone Dede Ayivi.ist „Künstlerin“ und „Theatermacherin“, also so etwas wie die Claudia Roth.

Sie alle treibt jetzt die Furcht um, dass sie von der AfD „entsorgt“ werden sollen, greint der Max, und dass die deutschen Städte auf Wunsch der AfD „eigentlich nur noch von weißen heterosexuellen Männern bevölkert werden sollen“. Wie gut, dass der Max Moor von „ttt“ ihnen da in letzter Sekunde noch zur Seite gesprungen ist und ihnen großzügig sein Spätabendprogramm geöffnet hat. Dass der Moor weiß und heterosexuell ist, wird ihm da ausnahmsweise von den deutschen Damen noch einmal nachgesehen.

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