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Macron ist Europas Obama

Von WOLFGANG HÜBNER | Zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse hatte Frankreichs neuer Präsident Emmanuel Macron am Dienstag einen groß in Szene gesetzten Auftritt in der deutschen Finanzmetropole. Das war auch gut so für ihn, denn in seiner Heimat zogen gleichzeitig rund 130 Demonstrationszüge durch die Straßen der Städte. Erstmals seit zehn Jahren vermochten sich im Nachbarland die neun wichtigsten Gewerkschaften des Staatsdienstes auf gemeinsame Ziele und Aktionen zu einigen. Zehntausende Beamte und Angestellte protestierten mit Unterstützung von linken wie rechten Parteien gegen den geplanten Sozialabbau der sogenannten „Reformen“ der Macron-Regierung.

Unabhängig von der Bewertung der Streikziele, die ohnehin keine deutsche Angelegenheit sind, steht fest: In Frankreich ist der so wundersam ins höchste Amt gespülte Präsident längst entzaubert, zudem hat er sich mit elitär-abfälligen Sprüchen über einfache Menschen und extrem teuren Makeup-Rechnungen als arroganter und selbstverliebter Machthaber entlarvt. Macron redet mit Vorliebe über „Visionen“, das hat er auch in Frankfurt getan. Damit stößt er auf große Begeisterung bei jenen Deutschen, die auch Obama zur Heilsfigur erwählten und im Herbst 2015 den Merkel-Invasoren Willkommenarien schmetterten.

Es zeichnet sich bereits deutlich ab, dass dem Obama-Kater und dem „Willkommens“-Kater auch der Macron-Kater folgen wird. Doch es werden wieder Deutsche sein, die am längsten dem Glauben an den jungen Erlöser von der Seine anhängen werden. Offenbar gibt es irgendwo in der deutschen Nationalpsyche eine unausrottbare Neigung zur Bewunderung wolkiger „Visionen“ und Hoffnungen. Dabei hat der letzte volkseigene deutsch-österreichische Heilsbringer bekanntlich die größte Katastrophe der deutschen Geschichte hinterlassen, bevor er seine Höllenfahrt angetreten ist.

Mehr Blender als Problemlöser

Macron wird weder in Frankreich noch in Europa ähnlichen Schaden anrichten. Er ist nur der gegenwärtig auffälligste Vertreter einer Politikergilde, die mit mehr Blendwerk als wirksamen Konzepten die Probleme zu lösen verspricht, die Folgen der globalistischen Praxis und Ideologie sind. Das innerlich zerrissene, wirtschaftlich Deutschland weit hinterherhinkende Frankreich soll, das ist Macrons Rezept, mit Sozialabbau im Innern und hintersinniger Europa-Rhetorik nach außen wieder erstarken.

Es sind starke Zweifel angebracht, ob Macron im eigenen Land das bewirken wird, woran alle seine Vorgänger gescheitert sind. Das kann aus deutscher Sicht gelassen beobachtet werden. Doch wenn der Präsident in Frankfurt vor Studenten sagt, Europa definiere sich nicht nur wirtschaftlich und juristisch, sondern auch als Raum, in dem man lerne, mit kultureller Diversität zu leben, dann ist das Ausdruck einer globalistischen Elite-Ideologie, die sich einen Dreck um die tatsächlichen Interessen und Ängste der Völker kümmert.

Aufopferung der eigenen kulturellen Identität

Und wenn Macron in Frankfurt ermuntert, „einengende Identitätskonzepte aufzusprengen“, dann ist das nichts anderes als der Aufruf, fremdkulturelle Masseneinwanderung nicht nur zu akzeptieren, sondern auch die eigene kulturelle Identität einem neuen globalistischen Menschenbild völlig austausch- und manipulierbarer Produzenten und Konsumenten zu opfern. Mit solchen Tönen wird Macron die vielfältigen Krisen und Probleme in Frankreich jedoch nicht lösen. Seine Landsleute haben das schon enttäuscht zur Kenntnis genommen, entsprechend sind die Reaktionen, die noch sehr steigerungsfähig sein dürften.

In Deutschland aber kann sich Macron sicher noch eine ganze Zeit beklatschen lassen, wenn er ausruft: „Ich will Visionen!“ Sowas kann hierzulande Linksliberale, Grüne und die Jubeltruppe von „Pulse of Europe“ allemal in Begeisterung versetzen. Borniert und verblendet, wie sie nun einmal sind, haben sie nicht begriffen, dass der Franzose Europa und die heilige „Diversität“ beschwört, um Versprechungen einzulösen, die er auf Kosten des eigenen Volkes und nicht zuletzt des deutschen Nachbarn bezahlen will. Macron kann gewiss noch einigen Schaden anrichten. Doch danach werden ihn seine Landsleute so gründlich politisch entsorgen wie Sarkozy und Hollande. Es sind leider mit Gewissheit nur Deutsche, die das noch lange betrauern werden.