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Ralf Stegners Nazi-Sprech

Von SARAH GOLDMANN | Die SPD ist, ebenso wie LINKE und Grüne, im Nazi-Such-Modus. Sie haben eine unsichtbare Brille auf der Nase, mit der sie alles daraufhin abscannen, ob es „Nazi“ sein könnte, jedenfalls alles, was die AfD sagt oder Pegida oder was von denjenigen kommt, die man vorweg schon als Nazis stigmatisiert hat.

Man sucht geradezu besessen danach, um das eigene verquere Weltbild mit dem zu füttern, was es braucht: Ein Hassobjekt, das das Böse in der Welt darstellt und vor dessen Hintergrund erst das eigene Gut- oder Bessersein sichtbar wird. Sie brauchen ihr Hassobjekt, weil sie sich nur so als gut definieren können; weil sie sich aus sich selbst heraus keinen Lebenssinn geben können. Das könnte etwa die Familie sein, Kinder, oder eine erfüllende Arbeit oder auch nur ein Hobby oder der selbstlose Einsatz für das eigene Volk. Das fehlt ihnen in der Regel.

Ein zweiter Aspekt der „Nazi-Suche“ ist der der Macht. Sie bestimmen, sie wollen bestimmen, wer was sagen darf, der Inhalt ist nachrangig. Als die Bezeichnung „Lügenpresse“ aufkam, war sie „Nazi“, weil sie von Kritikern des Merkel-Systems benutzt wurde. Dass linke Studenten den Ausdruck bereits in den 68ern als Titel für die Springer-Presse benutzt hatten, interessierte nicht.

Genauso war „entsorgen“ plötzlich das Thema, keine Talk-Show, in der es nicht Alexander Gauland um die Ohren geschlagen wurde. Jedenfalls so lange, bis langsam durchsickerte, dass der Ausdruck auch von SPD-Politikern manigfaltig benutzt wurde. Und „durchsickerte“ heißt hier, bis ins Bewusstsein durchsickerte. Denn Gauland hatte es bei seinem ersten Auftritt zwar gesagt, aber es wurde tatsächlich überhört und im selben Moment weiter gegen ihn gehetzt.

Ähnliche Phänomene sind der „Pegida-Galgen“, der skandalisiert wurde, während eine von Linken zur selben Zeit getragene Guillotine kaum Aufmerksamkeit erregte. Oder ein umgeworfener Polizeibus bei „Hogesa“, der geradezu eine Hysterie auslöste, stärker und nachhaltiger als später die schweren Ausschreitungen beim G20-Gipfel. Als Höhepunkt dieser intellektuell armseligen Vorstellungen darf man wohl den „Hakenkreuz-Fall“ bei Michael Stürzenberger ansehen, wo ein übereifriger Polizist beim Abscannen das Nazisymbol entdeckt hatte und zusammen mit einer gleich verwirrten Richterin daraus eine Verherrlichung der NS-Zeit konstruieren wollte.

Es kommt eben immer darauf an, wer es sagt. Das gilt auch für den aktuellen Fall. „Jedem das Seine“ twitterte Ralf Stegner am Freitag mit einem zwinkernden Smiley auf seinem Account. Er benutzte damit den Spruch, den die Gefangenen des Lagers Buchenwald lesen mussten, wenn sie im KZ Richtung Eingang schauten. Er ist fast genauso bekannt wie der andere Spruch, mit dem Opfer des Nazi-Regimes grausam verhöhnt wurden, „Arbeit macht frei“, über dem Eingang zum Lager in Auschwitz. Ralf Stegner kennt beide Sprüche, er weiß, wo sie sich befinden, er kennt die Zusammenhänge. Auf seinem oben genannten Profil wird ihm das vorgehalten, ein breiteres Echo bleibt aber aus.

Hätte Alexander Gauland den Spruch in gleicher Weise benutzt, so wäre erneut ein Trommelfeuer der Kritik über ihn und die AfD hereingebrochen und man darf annehmen, dass Pöbel-Ralle der erste gewesen wäre, der gegen ihn geätzt hätte. Illner und Plasberg wären brav gefolgt, so wie es von ihnen erwartet wird bzw. wie sie es selbst internalisiert haben. Es ist die intellektuell unredliche Weise, mit der unsere staatshörigen, abhängigen Medien der Lügenpresse unterschiedlich reagieren, je nachdem, wer etwas sagt. Was von der AfD kommt, wird semantisch in allen Einzelheiten seziert, was von Stegner kommt ….

Wäre nicht der heuchlerische Aufschrei bei jeder Gelegenheit gegen die AfD, man könnte es mit einem Achselzucken abtun, was Stegner schrieb. Den Spruch gab es schon lange vor den Nazis, er wurde von ihnen missbraucht, wie so vieles. Aber es gibt sie eben, die Heuchelei und den Kampf um Worte, den Kampf um die Macht. Sollte die Annahme richtig sein, dass Stegner im Geschichtsunterricht aufgepasst hat oder er sich später mit dem Thema Nationalsozialismus auseinandersetzte, so wusste er, was er schrieb. Und dann könnte man unter Umständen vermuten, dass er den Spruch bewusst verwendete, um eigene Macht zu demonstrieren. Passen würde es zu ihm und zur SPD, die den Nationalsozialismus vorgibt zu bekämpfen, ihn aber als Kampfmittel gegen politische Gegner missbraucht. Wer geht da unsensibler mit unserer Geschichte um – Gauland, Höcke, Gabriel oder Stegner?

Siehe auch:

» Philosophia Perennis: Stegner will „Jedem das Seine“ positiv besetzen