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Ein schöner Traum von den Bahamas

Von SELBERDENKER | Inhaltlich, auf der Sachebene, wäre eine Koalition aus CDU/CSU, AfD und FDP – die „Bahamas-Koalition“ – denkbarer, als „Jamaika“ – theoretisch. Die frische, unerfahrene Fraktion der AfD im Bundestag würde ins kalte Wasser geworfen, ja. Doch sie haben gute, selbstbewußte Köpfe und auch erfahrene Hasen in ihren Reihen.

Das gegenwärtige Dilemma der Regierungsbildung in Deutschland fußt momentan allein auf dem infantilen Umgang der deutschen Altparteien mit der AfD. Alle, wirklich alle haben die AfD dämonisiert, ihre Mitglieder und Wähler auf übelste Weise herabgesetzt und beleidigt, als „Undemokraten“ hingestellt. Die SPD möchte unter keinen Umständen der AfD die Rolle des Oppositionsführers überlassen und sträubt sich deshalb gegen eine Weiterführung der unsäglichen großen Koalition. Das Personal der gegenwärtigen SPD-Führung war nie dürftiger, nie verbrauchter, nie einfallsloser als heute und die Unterschiede zur Merkel-CDU waren nie kleiner. Die SPD würde unter Merkel noch schwächer, zu einem reinen Merkel-Machterhaltungsverein. Wir werden sehen, ob das festgefahrene alte Clübchen, das uns die SPD da nochmal als Führungsriege vorsetzt, es auf Neuwahlen ankommen lassen wird. Mit der AfD möchte niemand zusammenarbeiten, nicht aufgrund von Sachargumenten (in allen Altparteien kopieren sie eifrig AfD-Forderungen), sondern aus reiner politischer Balsiertheit.

Nur ohne Merkel

In Österreich hat man vorgemacht, wie man den Wählerwillen ernst nehmen kann: Schwarz-Blau arbeitet bereits. Nicht so im gestörten, zermerkelten Deutschland, in dem eine einzelne Frau und die Folgen ihrer Politik ein ganzes Land dominieren. Das System Merkel hat nicht nur die CDU im bequemen Würgegriff, sie führt auch alle anderen Altparteien an der Nase herum, ohne dass die so Kontrollierten es überhaupt als unangenehm wahrzunehmen scheinen. Jeder im Herrschaftsfilz verdient gutes Geld und scheint damit zufrieden. Das System Merkel liegt wie Mehltau auf dem ganzen Land, schadet Deutschland nachhaltig, schröpft seine arbeitende Bevölkerung – und nur die wenigsten der Geschröpften scheinen das überhaupt zu bemerken.

Merkel hat wie niemand nach dem Krieg dem Land geschadet. Unter Merkel hat sich Osteuropa von Westeuropa entfernt und Ostdeutschland von Westdeutschland. Eine Koalition mit der AfD wäre deshalb nur ohne Merkel denkbar. Die CDU könnte ohne Merkel wieder Würde zurückerlangen. Wo ist Frau Schröder, wo ist Herr Merz? Deutschland braucht wieder einen guten Kanzler oder eine gute Kanzlerin – und die müssten frischen Wind repräsentieren und, dem Wählerwillen nach, aus der CDU kommen. Der Streit innerhalb der Union würde sich ohne Merkel bald automatisch erledigen (wobei Merkel ihren Bettvorleger gerne mitnehmen dürfte). Sogar die SPD könnte Profil zurückerlangen (für endlich mal wieder würdige Repräsentanten, statt dieser Proleten, müssten die Sozen natürlich selbst sorgen).

Die AfD ist der Feind, basta!

Nein, keine Seite hat Lust auf ein solches Bündnis mit den einstigen Feindbildern. Politik ist aber keine Sache von Lust, sondern eine Sache von demokratischer Verantwortung. Politik ist kein Wunschkonzert, sondern auch bloß Arbeit mit dem, was vom Wähler vorgegeben ist. Deutsche Politiker werden dafür bezahlt, für Deutschland ihren Job zu machen. Sie müssen allein den Willen der Wähler umsetzen! Wir bezahlen sie dafür, weiß Gott, gut genug! So weit die Theorie, so weit der Traum. Die deutsche Parteienlandschaft ist flexibel wie eine Brechstange. Merkel wird weiter herrschen, die Eitelkeit wird vermutlich wieder siegen: Die AfD und ihre Wähler sind der Feind, basta!

Schade eigentlich für eine seit dem Einzug der AfD endlich wieder so zu nennende repräsentative Demokratie.