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Harsum: Syrischer Held stoppt senegalesischen Messerstecher

Von N.L. | Den (Gut)Menschen vom Harsumer Präventionsrat im Landkreis Hildesheim mangelte es aktuell an deutschen Menschen mit Zivilcourage, denen sie einen Preis verleihen konnten. Da kam ihnen der 34jährige Hadi Esmaeel aus der Gemeinde wie gerufen: Syrer, bescheiden, integrationswillig, todesmutig. Ein Flüchtling wie aus dem Bilderbuch.

Hadi hatte im November 2017 in Hildesheim einen „Mann“ daran gehindert, eine „Frau“ mit einem Messer zu töten. Deshalb bekam er jetzt eine Urkunde und 500 Euro Preisgeld und das volle Presseprogramm, wie es sonst nur Ehrenbürgern und Helden vorbehalten ist: Vor- und Nachnamensnennung, Alters- und Familienangaben, Fluchtgeschichte, Schnappschuss mit stolzen Honoratioren. Auch der Spruch, der die Bescheidenheit des edlen Neubürgers zum Ausdruck bringen sollte, fehlte nicht: „Ich kann nicht einfach stehen bleiben, wenn jemand Hilfe braucht“, diktierte Hadi dem Lokalredakteur prägnant in den Block, obwohl er nach zwei Jahren Deutschland nur ein wenig gebrochen Deutsch spricht.

Es gab da zwar noch einen (deutschen?) Menschen, der als Preisträger vielleicht auch in Frage gekommen wäre, aber dieser hatte „nur“ die Polizei per Handy alarmiert und den Täter angeschrien, während Hadi den Messerstecher spontan mit Tritten vertrieb, wie man es in Syrien offenbar so kennt. „Das ist spitze“, meinte die Polizei.

Soweit so gut. Den geneigten Leser hätte nun aber auch noch brennend interessiert, was es mit dem Messerstecher und seinem Opfer auf sich hatte. Hat der Täter Migrationshintergrund, ist er Moslem, wer ist die Frau, die er offenbar umbringen wollte? Darüber schwiegen Polizei und Presse penetrant.

Aus gutem Grund, wie sich nun ein paar Tage später beim Prozess-Beginn gegen den „Mann“ mit dem Küchenmesser herausstellte. Er steht wegen versuchten Mordes vor Gericht. Der geneigte Leser ahnt es schon, und richtig: es ist ebenfalls ein Zuwanderer wie Hadi, jedoch von der eher unedlen Sorte, und damit hätten sich Polizei und Lokalpresse glatt die Story verdorben. „Syrer stoppt messerstechenden Senegalesen“ – eine solche Schlagzeile geht gar nicht und wäre außerdem „voll Nazi“! So hieß es politisch korrekt „Hadi Esmaeel stoppte den Messerstecher“.

Beim Täter handelt es sich um den 35-jährigen moslemischen Senegalesen Cheikh Ibra D. aus Dakar, fünf Grundschuljahre, angelernter Schweißer. Das lebensgefährlich verletzte Opfer ist eine mit ihm verheiratete 25-jährige Cousine. Die beiden haben zwei Kinder, leben in Scheidung wegen ständigem Streit ums Geld. Der Schwarzafrikaner lebt seit 2009 als Wirtschaftsmigrant in Deutschland, sein aufenthaltsrechtlicher Status ist unklar, er ist spielsüchtig und auch sonst kein Kind von Traurigkeit. Bei seiner 7000 Euro teuren „Flucht“ aus dem langweiligen Dakar schwängerte er in Italien eine deutsche ADAC-Angestellte und zog ihr dann nach Berlin nach. Bei einem zwischenzeitlichen Erholungs-Urlaub im Senegal nahm er sich eine Cousine zur Frau und wandelte damit schon ganz auf väterlichem Pfad. Sein Papa zeugte nämlich insgesamt 38 Kinder mit vier Frauen, ehe er 78-jährig das Zeitliche segnete.

Am Tattag traf Cheikh unterwegs seine Frau, von der er getrennt lebte. Es kam zum Streit und angeblich zu Beleidigungen. An die Tat selbst will sich der glatzköpfige schlanke Senegalese partout nicht erinnern können. Der totale Blackout. Die Tatwaffe, das 20 cm lange Küchenmesser mit 10-cm-Klinge habe am Tattag „zufällig“ sein 4jähriger Sohn auf dem Weg zum Kindergarten eingesteckt. Das hatte Cheikh erst im Treppenhaus entdeckt und abgenommen, aber er war in Eile, sagt er. Auch beim couragierten Syrer Hadi leidet Cheikh an zeitweiser Amnesie, er kann sich an dessen Tritte nicht erinnern. Wenn man es genau nimmt, bringt er damit sogar Hadis Zivilcourage etwas ins Wanken, was aber nichts heißt. Der stets geldklamme Cheikh sprang nach den lebensgefährlichen Stichen in Hals, Gesicht, Rücken ins eigene Auto (daran kann er sich wieder erinnern), warf unterwegs das Messer weg und stellte sich der Polizei. Nun lässt er sich von zwei Anwälten vertreten.

Die Richter müssen nun während der restlichen Verhandlungstage weiteres Licht ins Dunkel bringen. Wir aber gönnen schon mal dem beherzten Retter Hadi für den selbstlosen Einsatz seine Auszeichnung. „Weiter so“, wünschte der Harsumer Präventionsrat seinem Preisträger anlässlich der Ehrung und meinte natürlich ausschließlich dessen Einstellung.