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Martin Lichtmesz: Per Leo zur Leipziger Buchmesse

Per Leo, Co-Autor des Buches Mit Rechten reden, [1]hat im Freitag [2] einen Kommentar zur Leipziger Buchmesse und den dortigen „Verlage-gegen-Rechts“-Zirkus veröffentlicht.

Er mahnt darin das empörte Volk zur Coolness, wirkt dabei allerdings selbst ziemlich verbissen. Er hat etwas zu zerkauen, etwas abzuarbeiten an den Rechten. Wie schon in seinem Buch müht er sich ab, mit einem Phänomen fertigzuwerden, von dem er seltsam fasziniert zu sein scheint.

Seine Argumentation folgt aus den Thesen von Mit Rechten reden (zu deren Kritik siehe hier, [3] hier [4], hier [5] und hier [6])

Kurz gefaßt: Empörung über ihre „Provokationen“ mache die Rechte stark, ergo müsse man ihnen nur gelassen begegnen, damit ihnen die Heißluft ausgehe.

Das Dilemma des „Kampfes gegen Rechts“ laute:

Entweder, so ließe es sich umschreiben, ihr nehmt unsere Präsenz auf der Buchmesse hin; dann sind wir der »rechtsintellektuellen Normalität«, um die es uns geht, einen guten Schritt näher gekommen. Oder ihr macht uns zum Dauerthema, zum Skandal, zum Objekt eurer Störungen; dann betreibt ihr unfreiwillig unser Geschäft.

Dem stimme ich zu, allerdings möchte ich anmerken, daß all dies keineswegs so eine „Riesengaudi“ ist, wie Leo es hinstellt; und der „Skandal“ allein reicht nicht, um ein erfolgreiches „Geschäft“ zu betreiben, es bedarf auch einer tragfähigen Substanz, weshalb eine alternative Strategie die Bagatellisierung und Lächerlichmachung ist, wie sie etwa Ulf Poschardt neulich apropos Uwe Tellkamp [7] betrieb, als er vom „vollkommen überschätzten Theorie-Ramschladen der Rechten, dem sogenannten Antalya-Verlag von Ruth Kubitschek (oder so)“ schrieb.

Auf dieses Dilemma gäbe es nach Leo vier Reaktionen:

[8]
Im Dilemma: Per Leo.

1. Ignorieren und weiter feste druff à la Antifa, was letztere wie eine SA-Truppe dastehen läßt. Bringt nichts, insbesondere wenn es schlau gekontert wird.
 
2. Herumeiern à la #verlagegegenrechts oder weiland der Deutsche Börsenverein und „Aussteller wie Antaios irgendwie akzeptieren, aber irgendwie auch nicht“. Das Ergebnis führt zum „performativen Widerspruch, im Namen von ‚Vielfalt und Meinungsfreiheit‘ nicht für, sondern gegen den Einschluss einer unliebsamen Meinung zu protestieren“. Und mit insgesamt 13 Veranstaltungen, „auf denen die ‚demokratische‘ Gesinnung viel Messeraum und Messezeit zur Selbstdarstellung einnehmen wird“, wird all dem, was „von ‚rechts‘ bejaht wird“ per Negation reichlich Raum und Schallverstärkung gegeben.

3. Der dritte Ansatz wäre „kollektives Beschweigen“, also Totschweigen, das aber „leider [sic] nur in Diktaturen organisierbar“ sei. Das wäre Leo am liebsten, und hier malt er aus, wie lächerlich der böse Verlag plötzlich dastehen würde, wenn sich kein Mensch für ihn interessieren würde. Das wäre quasi der Herkules-Griff, der den Riesen Antaios hochhebt und ihm den lebensspendenden Kontakt mit  dem Boden entzieht.

Ohne ihre Feinde wären die Rechten schließlich auf sich selbst zurückgeworfen. Wie das aussähe, ließ sich in den ruhigeren Momenten der Frankfurter Buchmesse erahnen. An ihrem Stand mussten die Antaios-Mitarbeiter quasi im Minutentakt maschinengetippte Manuskripte zurückweisen, die ihnen deutsche Greise zur Veröffentlichung anboten. Und auf ihren Podien mussten sie sich notgedrungen mit sich selbst unterhalten, was meist unbeholfen wirkte, zuweilen aber auch sehr komisch. (…) So sähe sie aus, die hart erkämpfte rechtsintellektuelle Normalität auf der Buchmesse: Allein unter 7.300 Ausstellern, Horden von Esoterikomas auf Klosterfrau Melissengeist und der kleine, böse Akif. Stress ohne Ende, null Adrenalin.

Hier ist der Wunsch Vater des Gedankens von Gevatter Leo. Leo hat sich in Frankfurt ein, zweimal am Antaios-Stand blicken lassen, und zwar noch in den eher ruhigeren Tagen vor dem Wochenende. In den drei Tagen, an denen ich dabei war, herrschte bei uns ständig Betrieb und Besuch, es gab viele und gute Gespräche mit Lesern und Auseinandersetzungen mit Gegnern, und ich für meinen Teil bin keinem einzigen deutschen Greis begegnet, der mir ein maschinengetipptes Manuskript anbot.

Auf dem Podium haben wir exakt dasselbe getan, was auch die anderen Verlage vor uns getan haben, die sich ebenfalls mit ihren eigenen Autoren unterhalten haben. Und was den Auftritt von Pirincci betrifft, eine Verschnaufpause zwischen zwei Antifaattacken, so verschweigt Leo den klitzekleinen Umstand, daß der Zuschauerbereich gerammelt voll war und aus allen Nähten platzte. Also meinethalber können wir es weiter auf die „rechtsintellektuelle Normalität“ ankommen lassen, mir wäre es allemal lieber gewesen, in Ruhe mein Buch vorzustellen, als in den Populistenmodus übergehen und gegen Antifachöre anschreien zu müssen.

(Fortsetzung des lesenswerten Artikels von Martin Lichtmesz auf sezession.de [9])


» Siehe auch PI-NEWS v. 15.3.: Schützt die Verlage – Auf nach Leipzig zur Buchmesse! [10]

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