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Mit „Werteunion“ haben sich CDU/CSU interne AfD geschaffen

Von BEOBACHTER | Im Film „Einer flog übers Kuckucksnest“ hatten die Zuschauer Mühe, zu unterscheiden, wer zu den Normalen und wer zu den Verrückten gehört in diesem Irrenhaus, das von einer sadistischen Oberschwester beherrscht wird. Fast wie im richtigen Leben, könnte man meinen, denn innerhalb von CDU und CSU hat sich gerade eine Abteilung manifestiert, die sich „Werteunion“ nennt und leicht schizophrene Züge aufweist.

Denn die Kunst der Mitgliedschaft in der „Werteunion“ besteht darin, den gedanklichen Spagat zwischen den Ansichten der Mutterparteien mit den eigenen verletzungsfrei zu bewerkstelligen. 

Die  politischen Inhalte der „Werteunion“ waren jahrzehntelang Positionen von CDU und CSU und wurden teilweise aufgegeben. Frappierenderweise  entsprechen sie aber weitgehend den Forderungen der AfD. Sogar das „Merkel-muss-weg“-Thema ist abgekupfert.

Haben wir es hier also mit einer AfD innerhalb der Union zu tun?

Ein Blick auf das Manifest der „Werteunion“ bringt erstaunliche Übereinstimmungen zutage

WU: Die ungesteuerte Zuwanderung nach Deutschland und in unser Sozialsystem ist abzuwenden. Geltendes Recht muss wieder eingehalten werden, die 2015 geöffneten Grenzen sind künftig wieder zu schützen. Die Masseneinwanderung seit 2015 war rechtswidrig und falsch. Daraus folgt, dass sie rückgängig gemacht werden muss. Illegale Einwanderer müssen schnell und konsequent abgeschoben werden.
AfD: Deutsche Grenzen schützen. Irreguläre Migranten können keinen Flüchtlingsschutz beanspruchen. Entfällt der Fluchtgrund durch Beendigung von Krieg, politischer oder religiöser Verfolgung im Herkunftsland der Flüchtlinge, endet deren Aufenthaltserlaubnis. Die betroffenen Flüchtlinge müssen Deutschland wieder verlassen.

WU: Wir fordern eine Migrationspolitik, die die Annahme einer europäisch-deutschen Leitkultur durchsetzt. Wir wollen keine Parallelgesellschaften, sondern erwarten von Migranten, dass sie sich nicht nur integrieren sondern assimilieren.
AfD: Die Alternative für Deutschland bekennt sich zur deutschen Leitkultur, die sich im Wesentlichen aus drei Quellen speist: erstens der religiösen Überlieferung des Christentums, zweitens der wissenschaftlich-humanistischen Tradition, deren antike Wurzeln in Renaissance und Aufklärung erneuert wurden, und drittens dem römischen Recht, auf dem unser Rechtsstaat fußt.

WU: Anders als andere Religionen weist der Islam eine Doppelnatur auf: Er ist nicht nur Religion, sondern zugleich politische Ideologie mit Allmachtsanspruch.
AfD: Einer islamischen Glaubenspraxis, die sich gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung, unsere Gesetze und gegen die jüdisch-christlichen und humanistischen Grundlagen unserer Kultur richtet, tritt die AfD klar entgegen. Der Islam gehört nicht zu Deutschland.

WU: Einen EU-Zentralstaat lehnen wir ab.
AfD: Europa darf kein zentralistischer Bundesstaat werden.

WU: Ehe und Familie sind für uns die wichtigsten Grundlagen unserer Gesellschaft. Dabei sehen wir das Leitbild „Vater, Mutter, Kinder“ als elementaren Grundpfeiler an.
AfD: Die Alternative für Deutschland bekennt sich zur traditionellen Familie als Leitbild. Ehe und Familie stehen nachdem Grundgesetz zu Recht unter dem besonderen Schutz des Staates.

WU: Merkel soll ihren CDU-Vorsitz abgeben.
AfD: Merkel muss weg.

Schizophrenie?

Ein Anflug von Irresein wird dadurch ausgelöst, dass die Mitglieder der „Werteunion“ gleichzeitig zwei verschiedene Forderungskataloge mental verkraften müssen: den offiziellen ihrer Parteien und den eigenen. Beide passen nicht recht zusammen, beide müssen sie aber mental unter einen Hut bringen. Das grenzt schlechtestensfalls an Schizophrenie, im Volksmund auch „Spaltungsirresein“ genannt.

Für ihre Forderungen würden die Mitglieder der neuen Konservativ-Abteilung in freier politischer Natur mindestens als Rechtspopulisten, Rechtsextreme, wenn nicht gar als Nazis gebrandmarkt, wenn sie nicht wie durch einen unsichtbaren Kokon der Mutterparteien geschützt würden. Für die Unions-Oberen ist das Abweichlertum wohl immer noch besser, als wenn die Mitglieder austreten und nie wieder zurückkehren würden. Also wird großzügig über das hinweggesehen, was eigentlich nicht sein darf. Darin hat man ja bereits hinreichend Übung, bei der Verdrängung von Dingen, die nicht sein können, weil sie nicht sein dürfen.

Also Kopf in den Sand und durch? Mitnichten! Manche Führungsfiguren in den Mutterparteien sehen die WU offenbar sogar als eine Art Geheimwaffe zur Verhinderung der AfD. Man müsse nur die Positionen der Alternativen okkupieren, so scheint die Taktik, um sie entbehrlich zu machen. Allerdings könnten sich die Unionsstrategen dabei verschätzen, denn die Wähler wählen meistens doch lieber das Original statt der Kopie.

Interessant ist, dass die Tabu-Forderungen der „Werteunion“ auch von der medialen Öffentlichkeit mit doktoraler Milde und wissenschaftlicher Gelassenheit behandelt werden, wo diese bei der AfD jeweils ein Feuerwerk politisch korrekter Entrüstung zünden würden. Man beäugt die WU-Anhänger wie exotische Insekten in der Botanisiertrommel, die zwar ihre Stachel ausgefahren haben, aber fürs erste nicht gefährlich werden dürften.

Und wenn, dann haben die Oberschwester und ihre Helfer sicher noch ein paar Mittel parat, um ihre Insassen ruhig zu stellen.  Man muss ja nicht gleich, wie im Film, an Maßnahmen der Lobotomie denken.