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Die Özil-Affäre ist hochpolitisch

Von WOLFGANG HÜBNER | Um sportliche Gerechtigkeit walten zu lassen: Mesut Özil war weder der Haupt- noch gar der Alleinschuldige am WM-Desaster jener „Mannschaft“ aus Deutschland, die keine war. Und den Erdogan-Fan nachträglich zum Sündenbock zu machen, wie das die Herren Bierhoff und Grindel in akuter Angst um die eigene Position getan haben, war und ist schäbig. Denn beide DFB-Funktionäre haben es bekanntlich ohne jeden Protest hingenommen, dass Bundestrainer Löw sowohl an Özil wie auch an Gündogan nach deren provokativer Präsentation mit ihrem wahren Präsidenten unbeirrt festhielt und mit auf die unglückselige Reise nach Russland nahm.

Natürlich ist es harter Tobak, wenn Özil anlässlich seines Rücktritts aus der „Mannschaft“, die früher mal die Nationalmannschaft hieß und war, Grindel nun unverhohlen als „Rassisten“ zu denunzieren versucht – bekanntlich im politisch superkorrekten Merkel-Reich eine Art Ausgrenzungsurteil. Richtig ist allerdings daran, dass in Anbetracht der ebenso unsäglichen wie aufdringlichen Antirassismus-Kampagnen des DFB eine unbedingte Parteinahme von Grindel, Bierhoff und nicht zuletzt von Löw für den chronischen Hymnenabstinenzler mit abgrundtiefen türkischen Wurzeln zu erwarten gewesen wäre.

Warum diese Parteinahme ausblieb, ja sich sogar – zumindest bei Grindel und Bierhoff – ins Gegenteil verkehrte? Entscheidend dafür waren die unüberhörbaren Unmutsäußerungen vieler Fans bereits in den letzten  Vorbereitungsspielen für die WM. Jahrelang hatten es viele Deutsche ertragen, wie die Spieler mit Migrationsherkunft wie Özil, Boateng oder Khedira beim Abspielen der Hymne entweder ganz stumm oder auffallend zurückhaltend blieben. Das hat sie allerdings nicht von Trainer Löw sonderlich unterschieden, der auch nur deshalb „Blüh‘ im Glanze dieses Glückes, blühe deutsches Vaterland“ lustlos mit summt, weil die Kameras nun einmal auch auf ihn gerichtet sind.

Solange die sportliche Erfolgsbilanz des Weltmeisters von 2014 anhielt, wurde das mehr oder weniger widerwillig toleriert. Doch in privaten Kreisen oder in kritischen Foren war das schon lange ein Thema. Aber erst als die Bilder mit Erdogan auch die linksliberal dominierte „Öffentlichkeit“ empörten, bekam das Thema Özil/Gündogan jene Brisanz, die nur entscheidende Tore der Passdeutschen aus Gelsenkirchen in Russland hätten deeskalieren können. Bekanntlich aber sind diese Tore zur Rettung der „Mannschaft“ und des multikulturellen Idylls nicht gefallen. Und zudem spielten Khedira schwach, Boateng bekam die Rote Karte und Rüdiger hatte auch nicht viel mehr als besonders schwarze Hautfarbe zu bieten.

In der Summe reichte das, um den schon lange schwelenden Unmut in Deutschland über den sichtlich fehlenden Patriotismus in den Reihen der „Mannschaft“ zum Ausbruch zu bringen. Zumal Millionen deutsche WM-Zuschauer sehr genau registriert hatten, das selbst in den schwarz- und dunkelgefärbten Teams von Weltmeister Frankreich und Halbfinalist England ausnahmslos jeder die jeweilige Nationalhymne mitgesungen hatte, von Kroatien, Schweden oder den lateinamerikanischen Teilnehmern ganz zu schweigen.

Es geht also in der Özil-Affäre um weit mehr als um einen sich selbstüberschätzenden Fußballspieler, der ausweislich seiner langen Erklärungen in englischer Sprache zum Abschied aus der „Mannschaft“ nun von irgendwelchen Hintermännern zum Märtyrer eines wild gewordenen deutschen Rassismus stilisiert werden soll. Es geht vielmehr darum, dass der grellbunten Utopie nur so lange gehuldigt wird, so lange Erfolge (oder genügend Geld für den Sozialstaat) die Widersprüche und Unterschiede verdecken können.

Das ist die wahre Botschaft eines nur vordergründig sportlichen Geschehens. Und die ist alles andere als beruhigend. Man muss allerdings Bereitschaft zeigen, diese Botschaft auch zu empfangen und zu verstehen. Wer glaubt schon daran, dass Grindel, Bierhoff oder gar Löw das schaffen können.


Wolfgang Hübner.
Hübner auf der Buch-
messe 2017 in Frankfurt.

PI-NEWS-Autor Wolfgang Hübner schreibt seit vielen Jahren für diesen Blog, vornehmlich zu den Themen Linksfaschismus, Islamisierung Deutschlands und Meinungsfreiheit. Der langjährige Stadtverordnete und Fraktionsvorsitzende der „Bürger für Frankfurt“ (BFF) legte zum Ende des Oktobers 2016 sein Mandat im Frankfurter Römer nieder. Der 71-jährige leidenschaftliche Radfahrer ist über seine Facebook-Seite erreichbar.