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Frankreich: Stolpert Macron über seinen Leibwächter?

Von JUPITER | Oh la la la. Fronkreisch, Fronkreisch. Was ist da los im Élysée? Kommt Präsident Emmanuel Macron (41) in politische Schwulitäten? Nicht wegen Janette, Claudette oder Cigarette, wie Bläck Fööss einmal unnachahmlich frankophonierten, sondern wegen Alexandre (26), dem Leibwächter und „Sicherheitsberater“ des Präsidenten und seiner Frau  Brigitte (65).

Die Affäre Alexandre Benalla hat das Zeug, die Lichtgestalt Macron von der Gottgleichheit wieder auf  Normalmaß zu stutzen. Denn der französische Präsident, der mit einem „Gesetz zur Moralisierung der Politik“ startete, steckt offenbar knietief im Sumpf menschlicher und charakterlicher Unzulänglichkeiten. Während sein Vorgänger Francois Hollande noch Geliebte nebst unehelicher Tochter in einer Staatswohnung vor der Öffentlichkeit versteckte, hat Merkels Liebling Emmanuel offensichtlich allzu viel Vertrauen in den schönen Alexandre gesteckt. Ihn, der nach allem, was bekannt ist, nur über eine spärliche polizeiliche Qualifikation verfügte, machte er am zuständigen Innenminister vorbei zum persönlichen Leibwächter und „Sicherheitsberater“, ausgestattet mit Sonderprivilegien und schicker Dienstwohnung.

Fortan begleitete der smarte Alexandre den Präsidenten bei offiziellen und privaten Gelegenheiten. Auf Fotos immer sehr fotogen mit Grübchen in den Wangen und gelocktem Haar  – Typ Schmackebatz  –  mal mit schwarzem Vollbart, mal ohne, auch mal im Intellektuellen-Look und Nickelbrille – aber immer ganz dicht am Präsidenten.

Amtsanmaßung und unverhältnismäßige Gewalt

Nur bei den Mai-Demonstrationen am 1. Mai war Alexandre Benalla offensichtlich inkognito unterwegs: in Polizeiuniform mit Helm und Armbinde. Amtsanmaßung fällt hier ins Gewicht. Noch schlimmer: der 26-Jährige wurde gefilmt, wie er sich unnötig gewaltsam gegen Demonstranten wandte. Die Zeitung Le Monde deckte nach Wochen den Vorfall auf und konfrontierte  den Präsidenten mit kritischen Fragen. Der sonst so wortgewandte Ecole-Nationale-d´administration -Absolvent, der – wie bekannt – seine frühere Lehrerin heiratete, schwieg vier Tage lang. Bis er alle Verantwortung für seinen Leibwächter auf sich nahm – das Verhalten Benallas sei schockierend und inakzeptabel – und glaubte, damit sei die Sache erledigt.

Oh la la la, dachten viele Franzosen: Schmonzette, Etikette, Petitesse? Und reagierten entschieden: Au contraire, pas du tout – ganz im Gegenteil, das geht gar nicht! Die politischen Gegner Macrons, wie der Linke Jean-Luc Mélenchon, bringen sich in Stellung, weil sie die dessen Bodenhaftung verloren sehen. Aber auch die eigenen Leute gingen auf Distanz: Innenminister Gérard Collomb bestritt ein Wissen um die Funktion Benallas und dessen Einsatz am 1. Mai. Die en Marche-Abgeordnete Sonia Krimi beklagte, dass die „neue Welt aussieht wie die alte“ – fehlende Transparenz.

Dazu bleiben viele offene Fragen: wieso taucht Benalla nicht im offziellen Élysée-Organigramm auf, wieso hatte er eine Ausnahmegenehmigung für eine Waffe, wieso einen Sonderausweis für den Zugang zur Nationalversammlung. Hat Macron allmächtig wie einstmals Ludwig XVI entschieden?

Ferner: gab es wirklich eine angemessene Suspendierung Benallas nach Bekanntwerden der Vorfälle? Wieso dann eine symbolische Beförderung, indem eine komfortable Dienstwohnung zugesprochen wird? Wieso wurde offiziell behauptet, Benalla sei nicht mehr für die Sicherheit des Präsidenten zuständig, obwohl zahlreiche Fotos das Gegenteil beweisen? Warum genoss dieser so viele Privilegien? Hat Macron sogar versucht, die Affäre mittels Justiz-Einfluss unter den Teppich zu kehren, fragen sich viele Beobachter?

Benalla verhaftet

Zwischenzeitlich wurde der Ex-Leibwächter von der Pariser Polizei festgesetzt. Dadurch verpasste er seine eigene Hochzeit, die am vergangenen Samstag stattfinden sollte. Inzwischen ist er unter Beobachtung gestellt und ein Ermittlungsverfahren wegen Gewalttätigkeit und Amtsanmaßung eröffnet.

Gegner Macrons, so die WeLT, zögern nicht, die „Intimität“ oder die „Natur der Beziehung“ zwischen Benalla und Macron zu hinterfragen. Gerüchte seiner angeblich heimlichen Homosexualität hätte Macron aber während des Wahlkampfes offensiv beantwortet und als rufschädigende Kampagne bezeichnet.

Teile der französischen Presse glauben Macron indes nicht, dass er wirklich zu seinen Fehlern steht.

Die neue Ausgabe des „Le Canard“ zeige das Ehepaar Macron, wie es überlegt, den von ihnen bisher so geschätzten Leibwächter heimlich als Bademeister mit an den Urlaubsort am Mittelmeer zu nehmen, berichtet Spiegel online.  Oder wie Macron im dunklen Élysée-Palast mit einer Kerze vor dem Sicherheitskasten leuchtet, um eine kaputte Sicherung zu wechseln – ein Synonym dafür, dass er einen Minister auswechseln könnte, um selbst unbeschadet aus der Benalla-Affäre rauszukommen.