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Mesut Özil und seine Überväter

Mesut Özil ist bekanntlich nicht gerade der Hellste. Er lässt sich von einem fremden Staatschef, von einem Holocaust-Leugner und IS-Unterstützer, von einem erklärten Feind der Menschenrechte westlicher Prägung, dazu verleiten, Wahlfotos mit ihm zu machen. Nicht sehr klug oder aber aus eigener faschistoider Überzeugung geschehen.

Im freien Deutschland kommt diese Unterstützung des Türken für seinen despotischen Präsidenten nicht gut an. Er wird kritisiert, aber darf man das? Nein, natürlich nicht. Türken darf man nicht kritisieren, denn das ist Rassismus, wie Özil indirekt zu verstehen gab, PI-NEWS berichtete.

Nun ist es so, dass die Political Correctness langsam bröckelt. Auch Türken werden mittlerweile kritisiert und an ihren Taten gemessen, obwohl sie sich als Übermenschen darüber erhaben zu fühlen scheinen. Was nun? Die Kritik an dem türkischen Nationalmannschaftsspieler hält an. Wie kann Mesut sich erklären, wenn der eigene Verstand keine Lösung anbietet und „Rassismus“ nicht mehr so zieht wie früher?

Mesut Özil ist auf dem Papier ein Deutscher und auch ein erwachsener Mann; in der Wirklichkeit jedoch nicht. Deshalb braucht er, immer noch der kleine Mesut, Unterstützung von Vormündern. Die hatten nicht aufgepasst, als der kleine Mesut – übrigens nicht das erste Mal – glücklich lachend mit dem Armenien-Mord-Leugner Erdogan posierte, oder ihm vielleicht fälschlicherweise dazu geraten, wer weiß. Jedenfalls fühlen sie sich jetzt in der Pflicht. Zuerst der leibliche Vater:

Mesut Özil schweigt bis heute zur Erdogan-Affäre. Jetzt nimmt sein Vater erstmals Stellung zur Diskussion um den Nationalspieler und erklärt, warum Özil sich mit dem türkischen Präsidenten fotografieren ließ.

„Es war Höflichkeit. Sie müssen wissen: Mesut ist ein schüchterner Mensch, fast scheu. Wie hätte er dieses Foto ablehnen können, wenn ein Mann wie Erdogan ihn darum bittet? Das hätte Mesut als extrem unhöflich empfunden“, sagt Mustafa Özil in einem Interview mit „Bild am Sonntag“.

Mesut Özil sei „geknickt, enttäuscht und gekränkt. Und ja: auch beleidigt“, sagt sein Vater. Er wolle „sich nicht mehr erklären, möchte sich nicht immer verteidigen müssen“.

Den Auftritt mit Erdogan bezeichnet Mustafa Özil als „keine so gute Idee“, die Verantwortung für die jetzt so schwierige Situation sieht er aber beim DFB.

Höflichkeit: Wenn Breivik oder Amri oder Erdogan um ein Foto bitten, könnte man das ablehnen? Nein, denn das wäre nicht höflich, wenn jemand höflich um ein Foto bittet. Auch nicht, wenn der Betreffende Menschenleben auf dem Konto hat? Wer von den dreien hat die meisten Leichen im Keller? Höflichkeit ist zwar eine gute Ausrede, aber sie zieht nicht immer, wie man sieht. Nächstes Argument, Mustafa?

Mesut ist beleidigt, weil er sich „immer“ verteidigen muss. Das muss aber jeder, Mustafa, dem ein berechtigter Vorwurf gemacht wird, auch du und auch dein Sohn. Ihr posiert mit einem Holocaust-Leugner, und dazu müsst ihr euch schon mal erklären. Und wie oft hat sich denn der Mesut eigentlich schon verteidigt, dass er das nicht „immer wieder“ tun will? Noch gar nicht? Aha.

Wenn das nicht „Rassismus pur“ ist…?

So viel vom leiblichen Vater Mustafa. Der zweite Vormund vom Mesut ist ein alter Bekannter auf PI-NEWS – Aiman Mazyek vom „Zentralrat der Muslime in Deutschland“. Mesut Özil hatte ja immer gerne vorm Spiel das Gebet der Umma gesprochen und bekommt dafür jetzt Unterstützung aus der Nation der Muslime, von seinem geistlichen Vater.

Aiman Mazyek vom Zentralrat der Muslime in Deutschland fordert den Rücktritt, nicht von Özil, sondern von seinen Kritikern. Denn die hätten Özil mit ihrer Kritik „roh“ angefasst: Ihre Kritik an Özils Treffen mit dem türkischen Despoten Erdogan würde Özil zum Sündenbock machen, wegen dem die Mannschaft verloren hätte. (Im Umkehrschluss hätte „die Mannschaft“ laut Mazyek, also gewonnen, wenn das Treffen nicht thematisiert oder kritisiert worden wäre?). Wie man sieht, ist auch Mazyek nicht der Hellste, jedenfalls nicht, wenn es um Logik und klare Gedanken geht. Aber er gab sein Bestes.

Da der Özil wie ein kleines Kind nicht in der Lage ist, sich selbst zu verteidigen, müssen eben andere her, einen haben wir noch. Wie auch Mazyek kommt Özils ehemaliger Trainer Arsene Wenger im FOCUS zu Wort. Auch nach seiner Meinung hätte man Özil nicht kritisieren dürfen, weil er keinen Streit gebrauchen kann und stattdessen Unterstützung benötigt. Wenger:

„Ich kenne Özil gut, er ist ein fantastischer, außergewöhnlicher Fußballer, aber er und Ilkay Gündogan haben darunter gelitten, was vor der Weltmeisterschaft passiert ist“, sagt der ehemalige Trainer des FC Arsenal dem TV-Sender Bein Sports. „Sie wurden in Deutschland diffamiert. Özil ist jemand, der Unterstützung braucht, er kann keinen Streit gebrauchen.“

Ja, wer braucht schon „Streit“? Da baut man Mist, muss sich erklären, ob man ihn aus Überzeugung tat oder aus Versehen, und man weiß, das eine (die Wahrheit) kann man nicht sagen und das andere wird nicht überzeugen. Es sei denn, man führt die eigene Doofheit an, was auch nicht sehr angenehm ist. Man muss sich dann vielleicht noch kritischen Nachfragen von Journalisten stellen. Und so etwas ist dann „Streit“, und „Streit“ braucht der Mesut nicht, sagt sein ehemaliger Trainer.

Mesut, wir geben dir einen Tipp: Verzieh dich in die Türkei! Dein (leiblicher) Vater hatte das ja schon angedroht:

„Ich habe mich schon bei dem Gedanken erwischt: Ist das noch das Land, in dem ich leben möchte? Das uns etwas gegeben hat, aber dem wir auch etwas gegeben haben? Ich bin mir nicht sicher.“

Tu, wie dein Vater sagt, Mesut. Keiner vermisst dich hier, und dort heißt dich jeder willkommen. Streit gibt es dort nicht, denn diejenigen, die mit dir streiten könnten, sitzen im Gefängnis oder haben Berufsverbot oder werden ganz einfach erschossen. Der Präsident, mit dem du dich hast ablichten lassen, sorgt schon dafür.