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Lars Steinke: Stauffenberg kein Held, sondern ein Verräter

Von BEOBACHTER | Lars Steinke, niedersächischer Landesvorsitzender der AfD-Jugendorganisation „Junge Alternative“ (JA), hat über Facebook die Ansicht vertreten, dass der Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg ein „Verräter“ sei. Steinke bestätigte gegenüber der WELT den inkriminierten Facebook-Post. Er habe ihn selbst verfasst und am 29. Juli auf seiner privaten, nicht öffentlich einsehbaren Facebook-Seite publiziert.

Gegenüber der WELT (deren Beitrag mit Bezahlschranke versehen ist) begründete Steinke seine Meinung so: „Aus meiner Sicht hat das Attentat den Soldaten an der Front und auch der deutschen Zivilbevölkerung keine Vorteile gebracht, kein Leid oder Tote erspart hätte, sondern dadurch wahrscheinlich sogar noch mehr Leid und noch mehr Tote entstanden wären“. Die Alliierten, so Steinke, hätten „zu diesem Zeitpunkt ganz klar gemacht, dass sie eine bedingungslose Kapitulation wollen und der Krieg somit auch nach dem Ableben Hitlers fortgesetzt worden wäre“. Steinke: „Hätte Stauffenberg dieses Attentat früher verübt, würde ich es anders bewerten.“

Die WELT und die übernehmenden Medien gehen relativ zurückhaltend, fast ungläubig mit den irrwitzigen Äußerungen des AfD-Jugend-Chefs aus Niedersachsen um. Es scheint, als spielte die mediale Katze zunächst nur mit dem Mäuschen. Bis es die Haupt-Maus zu fassen bekommt.

Trifft es doch die Mutterpartei in einer Hochphase des öffentlichen Zuspruchs. Die Meinungsforschungsinstitute melden Allzeithochs bei der AfD und neue Rekordtiefen bei den regierenden Parteien. In Brandenburg ist die AfD laut einer aktuellen Emnid-Umfrage mit 24,5 Prozent stärkste Partei. In Bayern hat die CSU momentan ihre absolute Mehrheit verfehlt und muss schon mit den Grünen und Freien Wählern liebäugeln.

In dieser Phase haut Steinke einen privaten Facebook-Post raus, von dem er hätte wissen müssen, dass er den Weg in die Öffentlichkeit findet. Man fragt sich entgeistert, warum jemand in seiner verantwortlichen Position erst am 29. Juli sich zu einer historischen Begebenheit äußert, deren Jahrestag bereits viel früher, am 20. Juli, begangen wird. Man ist geradezu versucht, vom U-Boot Steinke zu sprechen. Dies vor dem Hintergrund, dass die Ex-AfD-Vorsitzende Frauke Petry vom Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen beraten worden sein soll, den innerparteilichen Rechtsausleger Bernd Höcke zu disziplinieren. Beide dementierten inzwischen eine solche Absprache.

Doch darum geht es bei Steinkes verbaler Entgleisung auch nicht. Es ist die Verdrehung historischer Tatsachen und Wahrheiten, die betroffen macht. Steinke macht einen Hitler-Attentäter zum Verräter, der seinen Mut mit dem Leben bezahlen musste. Und er bildet eine Dolchstoßlegende, um einen Helden zum Feigling und Feind des Volkes zu machen. Wenn man Steinkes Ansichten auf die aktuelle Merkel’sche Flüchtlingspolitik überträgt, dann dürfte es auch keinen Widerstand gegen die Kanzlerin geben. Denn Widerstand würde Deutschland – Steinke zufolge – noch tiefer ins Elend reißen. Widerstand verbietet sich also geradezu. Welch ein Irrglaube. Später Widerstand ist besser als gar kein Widerstand, kann der politisch-moralische Imperativ nur lauten.

Screenshot des Facebook-Posts von Lars Steinke über Graf Stauffenberg.

Eine Reihe AfD-Landtagsabgeordneter hat denn auch postwendend scharfe Kritik an Steinkes Äußerungen geübt. Der AfD-Landesvorstand Niedersachsen mit Dana Guth an der Spitze hat sich distanziert. Auf WELT-Anfrage teilte der Vorstand mit, man habe „mit größtem Befremden die Facebook-Veröffentlichung des Herrn Lars Steinke zur Kenntnis genommen“.

Weiter heißt es, dass „diese Meinung in all ihrer Absurdität weder die Meinung des Landesvorstandes widerspiegelt, noch die der AfD insgesamt“. Stauffenberg, so der Landesvorstand, repräsentiere mit anderen Mitgliedern des Widerstands „die richtige Seite der deutschen Geschichte“. Der Hitler-Attentäter sei „kein Feigling und kein Verräter“ gewesen.

Da die Meinung des niedersächsischen AfD-Jugend-Chefs auch über die Landesgrenzen Wirkung entfaltet, ist unverzichtbar, dass sich AfD-Bundesverantwortliche zur Causa Steinke unmissverständlich äußern. Nur unverzügliches Handeln und hartes Durchgreifen kann größeren Schaden abwenden.