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Die eigene Hütte brennt: Von der Leyen lässt sich Zeit

Von BEOBACHTER | Seit fast drei Wochen brennt das Schießgelände der Bundeswehr bei Meppen im niedersächsischen Emsland (PI-NEWS berichtete) [1]. Am Freitag hat der Landkreis Emsland den Katastrophenfall ausgerufen – höchste Alarmstufe! Zwei Dörfer stehen vor der Evakuierung. Obwohl sprichwörtlich die eigene Hütte brennt, will Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, eine Niedersächsin, erst am Samstag vor Ort erscheinen.

Das offensichtliche Versagen der Bundeswehr, den Moorbrand mit eigenen Kräften zu löschen, entwickelt sich zunehmend zum Skandal. Am Donnerstag hatte von der Leyen zunächst nur ihren Staatssekretär Gerd Hoofe, ebenfalls ein Niedersachse, nach Meppen geschickt, nachdem mittlerweile 800 Hektar Gelände brannten. Hoofes Erklärungen waren widersprüchlich. Während er gesundheitliche Entwarnung gegeben hatte, sprach der Landkreis Emsland von gesundheitlichen Belastungen für die Bevölkerung. Jetzt will das Land eigene Erkenntnisse gewinnen, teilte Innenminister Boris Pistorius (SPD) mit.

Fakt ist: der Rauch ist kilometerweit in Norddeutschland zu sehen und riechen. Man sieht die Qualmschleppe sogar aus dem Weltall. Patienten mit einer Lungenerkrankung könnten vermehrt Beschwerden bekommen, wenn sie höheren Feinstaub- oder Stickstoffdioxid-Konzentrationen ausgesetzt seien, betonte Umweltmedizinerin Barbara Hoffmann laut Bild. Auch das Risiko für Herz/Kreislauf-Beschwerden steige. Weitere sensible Gruppen seien Säuglinge und kleine Kinder. Ärzte haben für eine Ausweitung der Schadstoffmessungen in angrenzenden Ortschaften plädiert. „Es wäre aus meiner Sicht wichtig, in Gemeinden nahe dem Brandherd die Schadstoffkonzentration zu messen, um entsprechende Vorsichtsmaßnahmen zu treffen“, sagte die Ärztin. Ihr seien bisher keine Messungen aus diesen Orten bekannt. Niedersachsens Innenminister Pistorius hatte sich am Donnerstag vor Ort ein Bild von der Lage verschafft und dabei betont, dass aktuell keine Gesundheitsgefahr für irgendjemanden bestehe.

Offenbar sind Bundeswehr, Land Niedersachsen und Landkreis von einem koordinierten Krisenmanagement meilenweit entfernt.

Der Brand auf dem Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle 91 bei Meppen war vor mehr als zwei Wochen infolge eines Raketentests ausgebrochen. Unglaublich: Wie es heißt, war das Löschfahrzeug nicht einsatzfähig. Trotzdem wurde die Schießübung von einem Hubschrauber aus genehmigt.

Erstaunlich ist, dass der Katastrophenfall erst so spät ausgerufen wurde. Nur er gewährleistet koordinierte Einsätze sämtlicher verfügbarer Kräfte unter zentraler Einsatzleitung. Unklar ist bislang, wer die Einsatzleitung hat. Im Normalfall der Landrat Reinhard Winter. Peinlich: Das würde bedeuten, dass der Bundeswehr auf ihrem eigenen Gelände das Heft des Handelns aus der Hand genommen wurde. Nicht nachvollziehbar ist auch, weshalb die Landesregierung, hier Innenminister Pistorius, als oberster Fachverantwortlicher für den Katastrophenschutz nicht vorher koordinierend eingegriffen hat.

Die Feuerwehr versucht derzeit, mit 500 zusätzlich angeforderten Einsatzkräften ein Übergreifen des Moorbrandes auf zivile Flächen außerhalb des betroffenen Bundeswehrgeländes zu verhindern. Vier Kreisfeuerwehren mit insgesamt 500 Mann seien angefordert worden, sagte ein Sprecher des niedersächsischen Innenministeriums in Hannover laut n-tv. Die Ortschaften Groß- und Klein-Stavern mit 1000 Einwohnern stehen vor der Evakuierung.

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