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Mittelamerikanische Flüchtlinge im Lichte der ZEIT

Im südmexikanischen Bundesstaat Tabasco gibt es eine Herberge für Flüchtlinge vor allem aus Honduras, die sich redlich um die zu ihnen gelangenden Menschen bemüht. Solange die dort „Schutz“ suchen, dürfen sie bleiben. Es ist eine Erholungspause für viele, die Schlimmes durchgemacht haben. Die ZEIT berichtet über La 72, das sexualtechnisch sogar deutschen LINKS-Normen entspricht:

Es ist die Herberge für Migranten La 72 in Tenosique, im südmexikanischen Bundesstaat Tabasco: ein paar schlichte Gebäude, die Wände mit Graffiti bunt bemalt, die Stockbetten in den Schlafräumen stehen dicht an dicht. La 72 hat eine Kirche und eine Küche, ein paar Büros und Beratungsräume. Der betonierte Innenhof trägt den Namen Plaza Dignidad, Platz der Würde. Es gibt Unterkünfte für Frauen und welche für Männer, an der Unterkunft für queere Menschen hängt eine Regenbogenfahne.

Wie gesagt, für viele wirklich Bedrängte dürfte die Herberge eine Zuflucht sein, ein Ort, an dem sie eine Zeit lang ohne Angst um ihr Leben, Angst vor kriminellen Banden leben können. Es mag durchaus sein, dass solche Banden Zustände erzeugen, die denen eines Krieges ähneln:

Im Nördlichen Dreieck Zentralamerikas bekämpfen die Banden der Maras einander mit extremer Gewalt. Sie morden und erpressen, sie zwingen die Jungen, sich ihnen anzuschließen, und behandeln die Mädchen, als seien sie ihr Besitz. Von den Migranten, die Ärzte ohne Grenzen befragt hat, berichten fast 40 Prozent, sie oder ihre Familien seien direkt von den Maras angegriffen oder bedroht worden. 44 Prozent haben Angehörige verloren. 

Schon achtjährige Kinder würden zwangsrekrutiert, sagen Hernández Martínez, die Ärztin von La 72, und Rivas Lorenzo, die Psychologin. Als Einstiegsritus werde von ihnen verlangt, zu töten – häufig jemanden aus der eigenen Familie. „Sobald die Mütter merken, dass etwas im Busch ist, packen sie ihre Kinder und sind weg.“

Das sind wichtige Informationen. Dennoch stellt sich aber die Frage, wie solche Zustände grundsätzlich gelöst werden können? Soll eine Mauer drum herum gebaut werden, bis die Kriminellen in Jahrzehnten quasi „geordnete Despotien“ aufgebaut haben, ähnlich Strukturen im Feudalismus? Die dann auch „geordnet“ gestürzt werden können und menschlicheren Formen Platz machen könnten? Sollen ausländische Mächte militärisch oder mit wirtschaftlicher Hilfe oder mit beidem intervenieren? Die Erfahrungen im Shithole Somalia waren nachhaltig und sind bis heute noch in Erinnerung.

Die ZEIT lässt solche Fragestellungen außer Acht. Sie wäre kein links-grünes Medium, würde sie nicht stattdessen versuchen, die Not zu instrumentalisieren und in deren Gefolge auf dem Niveau einer Schülerzeitung „Fluchtnormen“ gemäß der Merkel-Agenda („Jeder darf rein“) zu bewerben und zu etablieren. Folgende „Fluchtursachen“ führt die Zeitung dort für „Schutzsuchende“ beispielhaft an:

  • Eda Cruz und Isabel, die das Leben mit einem trinkenden, prügelnden Mann nicht mehr ertrugen;
  • Alberto González, der weglief, „um zu überleben“ [keine nähere Erklärung];
  • Johana Moreno, die in der honduranischen Hauptstadt Tegucigalpa in einer Konditorei arbeitete und mit ihrem zweijährigen Sohn David aufbrach;
  • Franklin Molina, ihr Mann, der es allein zu Hause nicht mehr aushielt und deshalb seiner Familie folgte;
  • Bayron Moreno, der schon zweimal in den USA Arbeit gefunden hat.

Wer mit solchen zum Teil albernen Aussagen die Flüchtlingsproblematik angeht oder angehen muss, aus fehlendem Problembewusstsein oder eigener Unvernunft heraus, oder weil es politisch angesagt ist, korrekt eben, der löst keine Probleme und schafft als Medium keine Lösungsansätze, die diskutiert werden könnten. Er veralbert das Problem stattdessen und wird gegen diejenigen, die es ernsthaft diskutieren wollen, letztendlich nur Gewalt einsetzen können, weil ein argumentativer Diskurs fehlt, unterdrückt wird oder durch Artikel wie diesen ZEIT-Artikel ins Lächerliche abgelenkt wird.