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Berlin: Selbstmord einer Grundschülerin

Bei dem nachfolgenden Fall, dem tragischen Suizid einer Berliner Grundschülerin, weiß man noch nicht sehr viel über die Umstände. Die Berliner Zeitung gibt die folgenden, bislang nur spärlich verfügbaren Informationen weiter (weitere sollen am Montag nach den ersten Untersuchungen folgen):

Weil sie in ihrer Grundschule offenbar massiv gemobbt wurde, soll ein 11-jähriges Mädchen am vergangenen Dienstag zunächst einen Selbstmordversuch unternommen haben. Sie starb wenig später im Krankenhaus.   […]

Die Polizei hat ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet. Es sei eine Obduktion angeregt worden, und voraussichtlich werde es im Laufe des Montagvormittags weitere Informationen geben, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag. Gegenwärtig führe die Kriminalpolizei die Ermittlungen, an denen Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt bisher nicht beteiligt seien.

Das Thema Mobbing soll jedoch schon seit Längerem ein Problem an der Reinickendorfer Schule sein, berichten Eltern. „Das Gewaltproblem ist bekannt“, so Daniel Richter (39), Mitglied des Elternbeirates. Von der Schule sei jedoch wenig Unterstützung erfolgt. Schläge seien an der Tagesordnung. Auch sein Sohn sei verprügelt worden.

„Natürlich schlagen sich Kinder ab und zu, aber diese Rudelbildung darf es nicht geben.“ In Gesprächen heiße es immer, es handele sich um Einzelfälle. Doch der Gesamtelternvertretung seien acht Mobbing-Fälle bekannt, seit letzter Woche würden sich noch mehr Betroffene melden. Richter: „Zu viele Menschen haben weggeschaut und die Schnauze gehalten.“

Auch die Eltern der verstorbenen Fünftklässlerin, die als schüchtern galt, sollen sich an die Schulleitung gewandt und von verbalen und körperlichen Angriffen berichtet haben.

Es ist gleichgültig, wer das Opfer war und wer die Täter. Wir wissen es über beide noch nicht. Aber die Aufklärung sollte folgende Informationen liefern:

Weswegen wurde das Mädchen permanent und vermutlich über einen längeren Zeitraum drangsaliert? War es, weil es dick war, weil es eine Brille trug, weil es dunkle Haare hatte oder helle Haut? Welche Merkmale machten das Mädchen zum Opfer?

Woher stammen die Täter? Sind sie aus einem elitären Elternhaus, wo Papa und Mama Ingenieure oder Ärzte sind, also „etwas Besseres“? Haben die Kinder deshalb gemobbt? Oder sind sie aus einem Elternhaus, bei dem Mama und Papa bereits das halbe Dutzend „Lebensabschnittsgefährten“ abgearbeitet und etliche Halbgeschwister produziert haben? Waren es Kinder von Drogenabhängigen, waren sie dem Jugendamt unterstellt?

Wir wollen es wissen, damit wir an die Ursachen gehen können. Sollten es Akademikerkinder sein, die mobbten, dann muss man das genauso untersuchen, als wenn es Kinder aus einem asozialen Milieu waren.

Wenn es Kinder waren, für die eine Rudelbildung typisch ist, und für die typisch ist, dass ihre Taten als „Einzelfälle“ heruntergespielt und verharmlost werden, dann allerdings sollten auch diese Ausgeburten von schrecklichen Eltern im Kontext ihrer Sozialisation gesehen und beurteilt werden. Die genannten Begriffe „Rudelbildung“ und „Einzelfälle“ in diesem Mobbingfall lassen jedenfalls aufhorchen.

Eine weitere Gruppe verdient allerdings auch noch unsere Aufmerksamkeit: Beim Mobbing unterscheidet man zwischen (direkten, führenden) Tätern, auf Anweisung handelnden Mitläufern und sich passiv verhaltenden Mitwissern und Zuschauern. Ein Personenkreis fehlt bislang in dieser Theorie, es ist der schlimmste: Lehrer und insbesondere Klassenlehrer.

Sie wissen, wann ein Kind von anderen drangsaliert wird, sie wissen das, wenn sie es wissen wollen. Wenn sie es nicht wissen wollen, dann ignorieren sie die Anzeichen und Hilferufe der Bedrängten. Häufig geschieht dies aus reiner Bequemlichkeit – oder aber aus Angst.

Typisch für solche ekelhaften Feiglinge ist, dass sie „wegschauen und die Schnauze halten“, wie es der Elternbeirat ausdrückte. Und typisch ist eben auch das Verharmlosen und Herunterspielen entsprechender Fälle. Insbesondere, wenn es sich um Taten von Kindern privilegierter Gruppen handelt. Früher waren das Reiche, Ärzte, überhaupt Akademikerkinder. Mit deren Eltern wollte man sich nicht anlegen. Heute ist es eine andere Gruppe, vor der man kuscht und den Schwanz einzieht.

Es sind Merkels Gäste bzw. deren Kinder, vor denen sich die Pädagogen fürchten, besonders in Städten. Sie haben nicht nur Angst vor deren Eltern, sondern auch vor Kollegen oder Vorgesetzten, denen ein „guter (‚bunter’) Ruf“ wichtiger  ist als der Beistand für Schutzbefohlene und die „couragiert“ die Rassismuskeule gegen Kollegen schwingen, wenn es gegen die Falschen geht.

Ob es hier so war, wissen wir nicht, einiges deutet ja darauf hin. Sicher aber kann man sagen: Die Lehrer haben hier am meisten versagt. Schande über sie!