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Was einem Bügeleisen recht ist, ist dem Deutschen längst nicht billig

Von JOHANN FELIX BALDIG | Der ländliche Raum ist in aller Munde. Digitalisieren wollen ihn die Herrschenden. Denn die Herrschenden streben nach gleichwertigen Lebensverhältnissen. Unter allen Umständen wünschen sie, dass auch auf dem flachen, rechten Land, im hinterletzten Nest Sachsen-Anhalts, die Fremden kostenloses WLAN zur Verfügung haben, um sich gegen uns zusammenzurotten.

Der ländliche Raum ist den Herrschenden suspekt. Dort wollten sie den von ihnen zum demographischen Wandel hochgejubelten Volkstod noch etwas verwalten, in Mehrgenerationenhäusern und als staatlich finanzierte Resterampe für Alte, die ein letztes Mal ganz aus ihrem Erfahrungsschatz schöpfen dürfen, die noch bis Ende 80 durchhalten müssen. Weil es an den Jungen fehlt.

Dann aber: Biosphärenreservate allüberall! Willkommen dem Luchs, willkommen dem Wolf, bald noch dem Braunbären! Aufhebung von Siedlungen, neue Wüstungen, noch ein paar trötende, infernalische Geräusche, kündend von letzten mobilen Verkaufswagen für Wurst und Backwaren. Die am Ende jenseits aller Verfallsdaten vergeblich ihre Waren feilbieten.

Und bald darauf: Die reine, die totale Fledermausbeobachtung. Bald nurmehr Borkenkäfer, die ungebremst ihr Vernichtungswerk verrichten können, die den Humus bereiten sollen, auf dem die kommende Wildnis gedeihen möge.

Völkische Siedler, die in diesen Gefilden günstig Häuser, Höfe erwerben, finden Gelasse vor, die meist noch nie über eine Heizung verfügt hatten, deren stilles Örtchen im Nebengelass zu suchen ist als etwas Unappetitliches. Oder auch Romantisches. Die so stehen und liegen und dämmern wie sie vor hundert Jahren errichtet wurden. Als von den Möglichkeiten eines mobilen Endgerätes nicht zu träumen war, ganze Völkerwanderungen auszulösen, zu steuern und wieder und wieder zu befeuern.

In den sterbenden Orten sitzt die Generation der über Sechzigjährigen, die dort immer waren. Sie beäugen die Völkischen Siedler. Sie rufen vielleicht ein mobiles Beratungsteam gegen Rechts, um es sich mit den Fördergeldern nicht zu verderben. Sie haben sich Jahre, Jahrzehnte gemüht, an den Wohnstandard der Stadt, Gipskarton!, gerade Wände!, anzuschließen.

Nun haben sie mit ungerührten Abwicklern der Idee von der kommunalen Selbstverwaltung die Frage zu verhandeln, in armseligen Bürgerrunden ohne Waffelmischung auf dem Tisch, wie viele Millionen sie künftig zu tragen haben für den Anschluss an darbende, wasserköpfige, überdimensionierte Zweckverbände. Aber es braucht freies Internet! Für letzte finale Zusammenrottungen gegen uns, gegen die Spießer, die nicht Landmenschen sein wollten. Gegen die Völkischen vor allem, die den Plan der großen Verwilderung, der großen Wüstungswerdung, des totalen Biosphärenreservats zu vereiteln sich anschicken könnten.

Absurde Gleichzeitigkeiten, wie man sie sonst aus vormodernen, voraufklärerischen Staatswesen kennt: Da die verpestete Gosse unter dem Fenster der Studierkammer eines einsamen Kühnen dahinfloss, dessen Gedanken ihn für den Scheiterhaufen empfahlen. Im Deutschen Bundestag, im Plenum wie in seinen Ausschüssen, gilt es unter denen, die mit der Zeit gehen, als ausgemacht, dass Grenzen schädlich sind, ja unmöglich.

Unerhörtes wird Tag für Tag in den Sitzungssälen ausgesprochen, die am Band des Bundes in mehr oder weniger maroden, potthässlichen Kästen sich untergebracht finden. Derart Lebensfremdes, Unwahrscheinliches, Irres, sich beim ersten Augenschein unwiderleglich als falsch Erweisendes, ausnahms- und schamlos das Postulat „Dem Deutschen Volke“ dementierend, dass der rückständige Mittagshungrige in der Hauptmensa des Jakob-Kaiser-Hauses das Getümmel der Träger*innen von Tabletts mitunter erstaunt beobachtet.

Wissenschaftliche Mitarbeiter*innen, Referent*innen, die doch allesamt immerhin, zumindest für eine Stunde, noch an die Schwerkraft glauben, die doch längst sich wie Nazi anfühlt. Die vorsichtig balancierend, mit den selbstgezapften Getränken auf dem Tablett, sich einreihen in die Kassenschlangen. Angstbürger, die Cola und Mango Lassi über mehr oder weniger feinem Zwirn vergossen, nicht mögen. Einbrüche der Naturwissenschaften in dieses so dichte Kraftfeld derer, die „das“ schaffen wollen, auch nach dem Essen, wieder zurück im Büro: Kommt doch, unangemeldet, ein Mensch mit Messgerät. Er wolle die Sicherheit der elektrischen Geräte prüfen. „Na, klar, Du willst Deine Wanzen loswerden.“

Und der Mensch geht also seiner Pflicht nach, man muss den Rechner runterfahren. Er klebt kreisrunde, rote Signets an jedes Kabel, jeden Akku. Greift sich am Ende das, private!, Bügeleisen. Für Deutschland wird oft im Büro genächtigt. Denn das WG-Zimmer liegt weit draußen, für die enge Taktung einer Sitzungswoche mitunter zu weit. Und man hat früh auf dem Schreibtisch zu bügeln. Greift sich also das, private!“, Bügeleisen, prüft es, zertifiziert es: „Bis auf in zwei Jahren!“. Derweil die Fremden auf unseren Straßen, ganz analog, mit altertümlichem Metall hantieren, ganz unzertifiziert, auf dass es sich rot färben möge. Absurde Gleichzeitigkeiten!


(Dank an Horst G. Herrmann)

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